Deutsche Orchideen-Gesellschaft e.V.

Vandachostylis Pinky

Am 9. März 2020 um 0:01 veröffentlicht. Kategorie: ,

Vandachostylis Pinky

Ein fast komplett durchgefärbter Klon von Vandachostylis Pinky – lediglich am Ansatz der Tepalen schimmert die weiße Grundfarbe etwas durch. (Foto: Thomas Lehmann)

 

Am 11. Juli 1990 wurde die Hybride aus Vanda falcata und Rhynchostylis gigantea unter dem Namen Vandachostylis Pinky in das Register der Royal Horticultural Society eingetragen. Da Vanda falcata zum damaligen Zeitpunkt noch unter dem Synonym Neofinetia falcata geführt wurde, lautete der Name bei Registrierung Neostylis Pinky. Auch heute werden Pflanzen dieser Kreuzung noch häufig unter diesem Namen angeboten und kultiviert. Zur Registrierung angemeldet hatte diese wunderbare Kreuzung Mas. KOBAYASHI, über den ich leider keine weiteren Informationen herausfinden konnte.

Vanda falcata – ein Elternteil von Vandachostylis Pinky (Foto: Thomas Lehmann)

Vanda falcata hatten wir bereits vorgestellt. Beheimatet ist die Art in Japan, Korea und auf den Ryūkyū-Inseln. Sie kommt dort ausschließlich epiphytisch unter kalten bis kühlen Bedingungen vor. Die kleinen, monopodial wachsenden Pflanzen besiedeln meist laubabwerfende Bäume und haben somit schattige Sommer – im Winter sind sie dann der vollen Sonne ausgesetzt. V. falcata ist auch bekannt unter dem Namen »Windorchidee«, da sie extrem viel Luftbewegung und Frischluft braucht, auch damit die Wurzeln nach einem Regen (oder nach dem Gießen) schnell wieder abtrocknen können. In den Wintermonaten gibt es am Naturstandort so gut wie keine Niederschläge, sodass die Pflanzen eine trockene Ruhephase durchleben .

Rhynchostylis gigantea gibt 50% der Gene in den Genpool von Vandachostylis Pinky (Foto: Thomas Lehmann)

Der zweite Elternteil, Rhynchostylis gigantea, hingegen bevorzugt ausschließlich temperierte bis warme Standorte, die über den südlichen Teil des asiatischen Festlands und weite Gebiete der indonesischen Inseln verbreitet sind. Die mittelgroßen, ebenfalls monopodial wachsenden Epiphyten sind in Tieflandwäldern von Meereshöhe bis 700 Meter über dem Meeresspiegel anzutreffen. Da diese Wälder teilweise bis gänzlich laubabwerfend sind, fällt in den Sommermonaten wesentlich weniger Licht auf Rhynchostylis gigantea als in den Winermonaten. Wie bei Vanda falcata sind auch die Standorte von Rhynchostylis gigantea durch den Monsunregen im Sommer deutlich feuchter und regenreicher. Je nach Lage sind die Pflanzen der Art im Winter vollkommener Trockenheit oder sehr wenig Niederschlag ausgesetzt.

Vandachostylis Pinky bildet einen dünnen Stamm aus, der wechselständig von 10-15 cm langen, sehr festen Blättern umhüllt ist. Das Laub ist stark gekielt und läuft zum Ende hin sehr spitz zu. Ältere Pflanzen bilden oft Seitentriebe und können sich somit zu kleinen Büschen entwickeln. In den Blattachseln entspringt am Stamm die Infloreszenz, die insgesamt 15-20 cm lang wird und mehrere Blüten trägt, meist sind es acht bis zehn. Die Blütenfarbe variiert sehr stark. Während die Tepalen auch ganz weiß sein können, ist das Labellum immer violettrot gefärbt. Je heller die Tepalen sind, desto heller ist meistens auch die Lippe. Oft ist die gesamte Blüte mit einer auffälligen Musterung überzogen. Teilweise sind sie komplett dunkelviolett eingefärbt. Da beide Elternteile stark duften, verströmt natürlich auch Vandachostylis Pinky einen starken Duft, besonders am Nachmittag und in den frühen Abendstunden.

Die Kultur erfolgt wie bei Vandachostylis Charm, die ich euch bereits vorgestellt habe, und funktioniert auf der Fensterbank sehr gut.

Getopft habe ich meine Pflanze in mittelgroßer Rinde ohne weitere Zuschlagstoffe. Das Substrat sollte auf keinen Fall zu fein sein, damit die Wurzeln nach dem Wässern möglichst schnell abtrocknen können. Bleiben die Wurzeln zu lange feucht, oder gar nass, faulen sie, was den Tod der Pflanze bedeuten kann. Zu grob sollte man den Pflanzstoff allerdings auch nicht wählen, damit man in den heißen Sommermonaten nicht täglich gießen muss. Mittelgroße Rinde hat sich hierfür sehr gut bei mir bewährt. Nutzt man, wie ich, einen transparenten Topf, sieht man sehr gut, wann wieder gewässert werden sollte. Sobald alle Wassertropfen im Topfinneren verschwunden und die Wurzeln wieder silbrig sind, kann erneut Wasser gegeben werden. Ich persönlich bevorzuge zu tauchen, da sich die Wurzeln dann einmal richtig schön mit Wasser vollsaugen können. In den kühlen Wintermonaten Dezember bis Februar gibt es nur alle paar Wochen Wasser, da ich meine Pflanze zu dieser Zeit sehr kühl stehen habe. Die nächtlichen Temperaturen fallen dann auf 8-10 Grad ab. Während dieser Zeit tauche ich nicht, sondern gieße nur durchdringend. Sobald der Blütentrieb, der meist im späten Sommer schon angesetzt wird, zu wachsen beginnt, stelle ich meine Pflanze etwas wärmer und wässere auch wieder mehr. Wer ein Gewächshaus besitzt, kann Vandachostylis Pinky natürlich auch aufgebunden kultivieren.

Da die Elternteile in völlig unterschiedlichen Temperaturbereichen heimisch sind, ist die Hybride natürlich sehr anpassungsfähig. Man kann sie im Winter auch etwas wärmer kultivieren, als ich es tue. Wichtig ist dann nur, dass auch etwas mehr Wasser gegeben wird. So feucht wie über die Sommermonate sollte sie aber nicht kultiviert werden. Zumindest eine kurze Trockenphase mit weniger Wasser sollte Vandachostylis Pinky in jedem Fall haben. Die hohen Temperaturen im Sommer verträgt sie absolut problemlos.

Im Sommer kann man die Hybride auch sehr gut an einem schattigen Platz im Freien pflegen. Besonders die intensive Mittagssonne sollte aber nicht direkt auf die Blätter fallen, da diese sonst verbrennen. Ich selbst habe inzwischen zu viele Pflanzen, um alle im Sommer rauszubringen. Deshalb kultiviere ich Vandachostylis Pinky an einem schattierten Fenster, das nach Süden ausgerichtet ist. Dort ist es sehr hell, aber eben ohne direkte Sonneneinstrahlung. Das kühlere Winterquartier hat ein sehr großes – und somit ebenfalls sehr helles – Westfenster. Im Winter wird auch nicht schattiert. Da die Sonne tiefer steht und weiter entfernt ist, verbrennen die Blätter dabei nicht.

Gedüngt wird während der Sommermonate alle 14 Tage. Mein Düngerwasser hat dann einen Leitwert von ungefähr 300-400 Mikrosiemens/cm. Während der kühlen Jahreszeit gibt es gar keinen Dünger, da Vandachostylis Pinky hier ja ohnehin recht trocken gehalten wird.

Da die Hybride sehr variabel ist, kann man von Vandachostylis Pinky auch mehr als eine Pflanze in seine Sammlung aufnehmen, wenn ihr mich fragt. Ich werde mir bei Gelegenheit definitiv noch ein oder zwei Pflänzchen zulegen… Viel Erfolg beim Kultivieren!

Autor: Thomas Lehmann

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Vandachostylis Pinky mit minimaler Zeichnung auf den Tepalen – das Labellum ist aber farbig. (Foto: Gregor Kleefeld)
Ein sehr dunkler Klon, der an den unteren Sepalen nicht ganz durchgefärbt ist (Foto: Gregor Kleefeld)
Vandachostylis Pinky mit feinen, unregelmäßigen Punkten (Foto: Claudia Bürgsteiner)
Habitus von Vandachostylis Pinky (Foto: Thomas Lehmann)
Profilansicht der Blüte (Foto: Thomas Lehmann)
Vandachostylis Pinky ‚Zsuzsa‘ BM/DOG (Foto: D.O.G.-Archiv)
Blick in die Blüten (Foto: Thomas Lehmann)
Die Infloreszenz eines sehr hellen Klons (Foto: Gregor Kleefeld)
Infloreszenz eines sehr dunklen Klons (Foto: Thomas Lehmann)
Vandachostylis Pinky mit deutlicher Zeichnung (Foto: Werner Holzmann)