
Meiracyllium trinasutum
(Foto: Ricarda Schulz)
Heute möchte ich euch eine meiner kleinen Raritäten vorstellen, die ich, einmal in einem Onlineshop entdeckt, unvernünftigerweise unbedingt haben musste…
Die Pflanze hat sich ohne Schwierigkeiten eingewöhnt und wächst seit 3 Jahren vor sich hin, im Winter am Ostfenster, im Sommer im Garten leicht schattiert. Seit 2 Jahren blüht sie regelmäßig im Sommer.
Der Gattungsname Meiracyllium leitet sich vom Griechischen meirakyllion her, was so viel wie “Zwerg” bedeutet, wohl eine Anspielung auf die geringe Größe der beiden Vertreter dieser Gattung, Mrclm. gemma und Mrclm. trinasutum.
Meiracyllium trinasutum kommt natürlicherweise in Mittelamerika in Höhenlagen von 200-1600 m vor. Es lebt epiphytisch in feuchtwarmen, immer- oder sommergrünen Eichen- oder Mischwäldern, auch mit saisonaler Trockenzeit, kann aber auch in offeneren Habitaten oder lithophytisch auf Granit oder Kalkstein wachsend angetroffen werden.
Die Pflanzen bleiben relativ flach, bis 6 cm hoch, und haben einen kriechenden, verzweigten Wuchs. Die kurzen Rhizome sind mit vertrockneten Scheidenblättchen bedeckt und besitzen viele feine Wurzeln, die sich dicht an die Unterlage anschmiegen. Auf einem kurzen dicken Blattstiel sitzt ein einziges fleischiges rundliches Blatt, das ungefähr 2-5 cm lang und 1 bis 3 cm breit wird. Die Pflanze hat keine Pseudobulben, deshalb dienen Blätter und Blattstiele als Speicherorgane.
Der Blütenstand entsteht an der Blattbasis, wird ungefähr 1 cm lang und trägt eine bis drei purpurfarbene Blüten, die in einer Traube angeordnet sind. Die Infloreszenz bleibt kürzer als die Blätter und hängt leicht nach unten. Die länglichen Sepalen sind ca. 1 cm lang und 0,5 cm breit. Die Petalen sind etwas kürzer und schmaler. Alle Blütenblätter sind leicht nach vorne gebogen. Die Lippe ist ebenfalls ca. 1 cm lang und sieht von oben gesehen leicht herzförmig aus, an der Basis ist sie stark glockenförmig vertieft und purpurfarben gefleckt. Die Blüten sollen intensiv nach Zimt duften, was die meiner Pflanze aber nicht tun.

Meiracyllium trinasutum wird aufgebunden kultiviert
(Foto: Ricarda Schulz)

Habitus von Meiracyllium trinasutum
(Foto: Ricarda Schulz)
Kultur:
Meiracyllium trinasutum kultiviere ich aufgebunden auf Presskork, da Topfkultur aufgrund des kriechenden Wuchses eher schwierig wäre.
Hinsichtlich ihrer Ansprüche bewegt sie sich irgendwo zwischen Phalaenopsis und Cattleya. Sie hat es gerne ein bisschen heller als eine Phalaenopsis, verträgt aber wie diese keine pralle Sonne und auch keine längeren Trockenphasen.
Im Winter mag sie es gerne ein bisschen kühler, um 16 °C, normale Raumtemperatur mit nächtlicher Absenkung ist aber auch möglich. Sie überwintert bei mir an einem Südostfenster, das von April bis September bei Sonnenschein über die Mittagszeit schattiert werden muss. Mindestens 5-mal pro Woche wird die Pflanze klatschnass gesprüht. Dazu verwende ich abwechselnd reines Regenwasser oder auf 200 µS aufgedüngtes entmineralisiertes. Sind die Tage trocken und kalt mit entsprechend niedriger Luftfeuchte, muss ich bei Meiracyllium auch auf einen Befall mit Wollläusen achten, die sich aber z. B. mit Niemöl oder selbst hergestelltem Niemschrotauszug gut in Schach halten lassen.
Niemschrotauszug selber machen:
Geschrotete Niemsamen kann man übers Internet beziehen. Ich gebe 2 Esslöffel davon in einen Einwegteefilter und hänge diesen 24 Stunden lang in einen 5-Liter-Kanister voll Wasser. Dieser Ansatz muss dann schnell innerhalb eines Tages verbraucht werden, da sich die Wirkstoffe unter Licht -und Sauerstoffeinwirkung schnell zersetzen. Man verwendet diesen Auszug unverdünnt zum Sprühen oder Gießen. Wichtig ist eine regelmäßige Anwendung ca. 14 tägig. Eine einmalig wirksame Wunderwaffe ist es mit Sicherheit nicht, und auch der Geruch ist etwas gewöhnungsbedürftig. Der Vorteil ist der geringere Ölgehalt dieses Auszugs im Vergleich zu Niemöl. Die Pflanzen vertragen es dauerhaft besser und die Sprühflaschen verstopfen nicht.
Natürlich ist die Pflege von aufgebundenen wurzelnackten Pflanzen auf der Fensterbank immer mit gewissen Umständen verbunden, die man im Gewächshaus nicht hat. Deshalb hängen meine aufgebundenen Orchideen (es sind alles Minis) im Winter an einer Art Sammelunterkunft, nämlich an einer Baumschutzmanschette. So können sie schnell alle zusammen zum Sprühen ins Bad gebracht werden, danach kurz abtropfen und dann wieder zurück an ihren Platz.
Je nach Wetter zieht Meiracyllium trinasutum dann im Mai in den Garten um und hängt ohne Regenschutz an einem Holzzaun, schattiert von einem Feldahorn. Die Nachttemperatur sollte beim Ausräumen einigermaßen stabil über 12 °C liegen. Je nach Wetter wird die Pflanze ein- bis zweimal pro Tag gründlich mit leicht aufgedüngtem (entmineralisiertem) Wasser gesprüht (200-300 µS). Da Meiracyllium sehr zarte Wurzeln hat, darf es weder längere Zeit trocken stehen noch überdüngt werden. Deshalb wird es wöchentlich mit Regenwasser gespült, um anhaftende Salze von den Wurzeln zu waschen. Ab und an gibt es auch Quellwasser, das zwar einen geringen Salzgehalt hat (200 µS), aber leicht alkalisch reagiert, damit die Unterlagen bzw. das Substrat nicht versauern. Regen, auch über mehrere Tage, wird gerne akzeptiert, solange die Temperatur 20 Grad am Tag nicht unterschreitet. Wichtig ist nur, dass die Pflanze immer mal wieder zumindest kurzzeitig abtrocknen kann. Sie schiebt pro Jahr 2-4 neue Blätter, an deren Basis dann im Sommer (Juli-August) die Blütentriebe erscheinen. Eine Blüte hält ungefähr ein bis zwei Wochen.
Fazit:
Meiracyllium trinasutum ist zwar nicht die spektakulärste Erscheinung, aber auf alle Fälle auch ohne Blüten etwas Besonderes, finde ich zumindest. Sie ist auch völlig problemlos in der Wohnung zu halten, wenn man den Mehraufwand nicht scheut, den eine aufgebundene Pflanze hier mit sich bringt.
Literatur:
Parsons, R. & Gerritsen, M. (2013): A Compendium of Miniature Orchid Species, Vol. 2
Rysy, W. (2002) : Das BLV Orchideen Buch