Deutsche Orchideen-Gesellschaft e.V.

Stanhopea deltoidea

Am 23. Juli 2018 um 0:01 veröffentlicht. Kategorie: ,

Stanhopea deltoidea

Foto: Mark Turner – Elite Orchids / UK

Der französische Schriftsteller und Botaniker Charles Antoine LEMAIRE beschrieb diese Naturform im Jahr 1862 in L’Illustration Horticole. Seine eigentliche Leidenschaft galt der Familie der Kakteengewächse. Stanhopea deltoidea ist beheimatet in Peru und Bolivien. Sie wächst dort in feuchten Nebelwäldern in Höhenlagen von 1400-1850 Metern unter temperierten Bedingungen, meist epiphytisch auf Bäumen,  gelegentlich ist sie aber auch terrestrisch-litophytisch an steilen Hängen und Felsen anzutreffen. Niederschläge gibt es fast das ganze Jahr über. In den Sommermonaten aber deutlich mehr als im Winter. Die Luftfeuchtigkeit ist ganzjährig sehr hoch. Die Temperaturen in den heimatlichen Höhenlagen liegen recht konstant bei 15-20 Grad. Stanhopea deltoidea bildet große Pseudobulben aus, an denen oben ein einzelnes, 30-35 cm langes Blatt sitzt. Die Blütentriebe entspringen an der Unterseite der Pseudobulben und werden bis zu 30 cm lang. Jede Infloreszenz trägt meist 4 Blüten, von denen jede einzelne ca. 10 cm groß wird. Die Blütenblätter sind dreieckig, gelblich gefärbt mit bräunlichen Punkten und nach oben gerichtet. Die Geschlechtsorgane der Blüten zeigen hängend nach unten.

Hier sieht man schön, wie die Infloreszenzen durch das Substrat wachsen und an der Unterseite des Topfes ans Licht kommen (Foto: Thomas LEHMANN)

Da die Blütentriebe an der Bulbe nach unten wachsen und dabei oft das Substrat durchwandern, ist es zwingend nötig, Stanhopea in Gittertöpfe oder -körbe zu pflanzen, die es den Blütentrieben erlauben,  aus dem Pflanzgefäß herauszuwachsen. Meine Stanhopea detloidea kultiviere ich in einem Holzkorb, der aus einzelnen kleinen Latten gefertigt ist und zwischen den Latten genügend Platz lässt. Unter dem Substrat liegt ein dünnes Netz, das ein Herausfallen des Substrates verhindert. Als Substratmischung hat sich mittlere bis grobe Rinde mit Sphagnum-Anteil bewährt, da die Wurzeln im Sommer nicht austrocknen sollten. Sphagnum speichert gut die Feuchtigkeit. Durch den luftigen Topf trocknet das Substrat recht schnell ab, weswegen man besonders bei niedriger Luftfeuchtigkeit sehr regelmäßig tauchen oder gießen sollte. Während des Wachstums der Neutriebe tauche ich immer, da so der Pflanzstoff gleichmäßig feucht wird. Im Winter und sobald die Blütentriebe zu sehen sind, gieße ich nur noch. Im Winter sollten sie ja eh etwas trockener stehen, da am Standort dann nur wenig Niederschlag fällt. Nach Erscheinen des Blütentriebes ist es ratsam zu gießen, da man sonst Gefahr läuft, dass der Blütentrieb fault, wenn er zu nass ist und nicht richtig abtrocknet. Wenn die Infloreszenzen länger werden, ist es ohnehin nicht mehr wirklich möglich zu tauchen, ohne die Blütentriebe abzubrechen.

Gerne hätte ich euch diese Blütenpracht gezeigt. 13 Knospen an drei Blütentrieben. Nur leider fuhr ich direkt nach dem Foto eine Woche weg und als ich wiederkam, war alles schon verblüht. (Foto: Thomas LEHMANN)

Die größte Schwierigkeit bei der Kultur in der Wohnung stellt die hohe Luftfeuchtigkeit dar, die alle Stanhopeen lieben. Ich versuche da immer einen guten Mittelweg zu gehen. 80-90% Luftfeuchtigkeit ist für die Wohnung einfach zu hoch, da würde alles schimmeln.  Durch die vielen Wassserschalen, in denen meine über 300 Phragmipedien stehen, habe ich meistens in meinem Orchideenzimmer 60-65% Luftfeuchtigkeit. Das muss für die Stanhopeen auch genügen. An besonders trockenen Tagen fällt die Luftfeuchtigkeit allerdings auch mal unter die 60%-Marke. Dann schalte ich einen Ultraschallvernebler an, der direkt auf die Stanhopeen gerichtet wird, um besonders in deren Umgebung die Luftfeuchtigkeit zu erhöhen.

Die Temperaturen im Sommer sollten nicht viel über 30 Grad steigen, besser ist darunter. Natürlich ist das bei uns nicht immer möglich und kurzzeitig verträgt Stanhopea deltoidea das auch. Im Winter steht sie dann in einem unbeheizten Zimmer auf der Fensterbank. Wann immer es die Temperaturen zulassen, wird das Fenster gekippt, um für moglichst viel Frischluft und Luftbewegung zu sorgen. Die nächtlichen Temperaturen fallen dann auf ca 13-15 Grad, je nach Außentemperatur. Bis zum März wird sie dann nur so viel gegossen, dass das Substrat nicht komplett austrocknet, aber auch nicht richtig nass ist.

Die Gattung Stanhopea braucht sehr viel Dünger. Während des Wachstums dünge ich bei jeder Wassergabe das Wasser auf mindestens 500 Mirkosiemens auf. Häufig habe ich schon gelesen, dass sie auch mit Düngergaben von 1000 Mikrosiemens kein Problem hat, was ich allerdings selbst noch nicht ausprobiert habe. Ich komme mit 500-600 Mikrosiemens gut zurecht. Im Winter dünge ich gar nicht, da die Pflanze in dieser Zeit ruht und kein Wachstum stattfindet. Die angelagerten Salze im Substrat genügen dann.

Leider halten die Blüten von Stanhopeen generell nur wenige Tage und viele duften nicht sonderlich angenehm, weswegen ich während der Blüte immer versuche, die Temperaturen so kühl wie möglich zu halten. Da wird die Pflanze auch mal umgehängt. Je kühler, desto weniger intensiv ist ihr Duft und desto länger halten sich die Blüten. Der Lichtbedarf von Stanhopeen ist nicht sonderlich hoch, da sie am Naturstandort in immergrünen Wäldern wachsen und vom Laub der Bäume schattiert werden. Volles Sonnenlicht führt schnell zu Verbrennungen an den Blättern und auch an den Bulben.

Mit ihren großen Blüten und meist mehrfachen Blütentrieben, die im späten Frühjahr erscheinen, ist Stanhopea deltoidea ein echter Hingucker.

Special thanks to Mark Turner from Elite Orchids / UK for his pictures of a flowering Stanhopea deltoidea! 

Autor: Thomas LEHMANN

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Die Knospen schieben sich langsam aus den Hüllblättern hervor (Foto: Thomas LEHMANN)
Einzelne Blüte (Foto: Mark TURNER – Elite Orchids / UK)
Nahaufnahme der Blüte (Foto: Mark TURNER – Elite Orchids / UK)
Nahaufnahme einer sich gerade öffnenden Blüte (Foto: Thomas LEHMANN)
Und hier nochmal meine Knospenpracht – es ärgert mich noch immer, dass ich das verpasst hab! (Foto: Thomas Lehmann)