Deutsche Orchideen-Gesellschaft e.V.

Seidenfadenia mitrata

Am 30. September 2019 um 0:01 veröffentlicht. Kategorie: ,

Seidenfadenia mitrata

Seidenfadenia mitrata ‚Mike‘ SM/DOG (Foto: Thomas Lehmann)

Der deutsche Botaniker Heinrich Gustav REICHENBACH beschrieb die Art erstmalig unter dem Namen Aerides mitratum in Botanische Zeitung (Berlin)“ im Jahre 1864. Der Name Aerides leitet sich von den griechischen Wörtern αηρ (aer) für Luft und –ειδης (-eides) für ähnlich ab. REICHENBACH ordnete die Art in die Gattung Aerides, da sie sich fast ausschließlich von Feuchtigkeit ernährt, die sie durch die Luft aufnimmt. Den Artnamen mitratum wählte er vermutlich, da das Labellum der Blüten sehr an die traditionelle liturgische Kopfbedeckung von Bischöfen erinnert. Diese wird Mitra (Mz. Mitren) genannt.  Leslie Andrew GARAY begründete im Jahr 1972 die Gattung Seidenfadenia – die er nach dem dänischen Orchideenforscher Gunnar SEIDENFADEN benannte – und überführte Aerides mitrata in diese neue Gattung. Beides, die Neubegründung der Gattung Seidenfadenia und auch die Überführung von Aerides mitrata zu Seidenfadenia, publizierte er in „Botanical Museum Leaflets, Harvard University“.

Seidenfadenia mitrata ist heimisch in Myanmar, Laos und Thailand. Sie wächst dort ausschließlich epiphytisch auf Bäumen. Die Standorte liegen auf Höhen von 100 – 800 Metern über dem Meeresspiegel. Die Temperaturbedingungen sind ganzjährig warm bis heiß. Während es in den Sommermonaten durch den Monsun sehr viel Niederschlag gibt, sind die Wintermonate von trockener Wärme geprägt. Die Luftfeuchtigkeit ist ganzjährig sehr hoch.

Habitusbild von Seidenfadenia mitrata ‚Mike‘ (Foto: Thomas Lehmann)

Von einem kurzen Stamm hängen sehr schmale, fast röhrenartige Blätter herab, die bis zu 30 cm lang werden können. Das Laub ist sehr fest und fleischig. Seidenfadenia mitrata wächst nie aufrecht, sondern immer überhängend. Die Infloreszenzen entspringen am Stamm zwischen den Blättern und sind immer kürzer als das Laub. Meist verzweigen sich die Blütentriebe nicht. Die Wurzeln sind, für Epiphyten typisch, sehr dick und fest. Das Velamen speichert bei Regen Wasser und verfärbt sich grün. Sobald die gespeicherte Feuchtigkeit an die Pflanze abgegeben wurde, sind die Wurzeln wieder silbrig grau. An den Infloreszenzen bilden sich zahlreiche Blüten, die zart duften. Die Grundfarbe der Blüten ist weiß, manchmal sind sie zart rosa überhaucht. Das Labellum und die Spitze der Säule sind leuchtend rosa bis violett gefärbt. Hauptblütezeit am Standort ist im Frühjar. In Kultur blühen die Pflanzen sehr oft auch im Herbst.

Seidenfadenia mitrata sollte immer aufgebunden kultiviert werden, damit die Wurzeln sehr schnell abtrocknen können. Im Topf bleibt es selbst mit sehr grober Rinde meist zu lange feucht, sodass die Wurzeln und letzten Endes auch der Stamm zu faulen beginnen. Meine Pflanze bekam ich aufgebunden auf ein Stück Holz, an dem sie sich mit ihren dicken und festen Wurzeln angeheftet hatte. Selbst in feuchtem Zustand würden sich die Wurzeln nur äußerst schwer vom Holz lösen lassen. Deshalb sollte ein Material gewählt werden, das sich nur sehr langsam zersetzt, damit Seidenfadenia mitrata dort über viele Jahre verweilen kann.

Am besten wäre natürlich ein Gewächshaus oder eine große Orchideenvitrine, um die Art zu kultivieren. Ich habe beides nicht und versuche es deshalb im Wohnraum. Ob die Kultur dort über viele Jahre erfolgreich sein wird, weiß ich noch nicht, da ich die Pflanze noch nicht zu lange besitze. Bisher klappt es allerdings sehr gut, sodass ich optimistisch bin. Im Wohnraum ist das größte Problem, dass die Luftfeuchtigkeit meist nicht so hoch ist, wie die Pflanze es eigentlich gerne hätte. Aus diesem Grund hängt meine Seidenfadenia mitrata in einer großen Glasröhre, die im unteren Bereich mit etwas Wasser gefüllt ist. Während der Blüte muss ich sie allerdings aus der Glasröhre holen und ans Geländer unserer Galerie hängen. Dort ist es sehr hell, aber auch sehr trocken. In dieser Zeit wird sie dann täglich mindestens einmal für 5-15 Minuten in ein Wasserbad gelegt, damit sich die Wurzeln richtig voll Wasser saugen können. In der Glasröhre hängend wird sie im Winter täglich etwas besprüht. Im Sommer fülle ich zusätzlich so viel Wasser in die Röhre, dass die längsten zwei bis drei Wurzeln ein klein wenig darin hängen. Alle paar Tage wird sie aus der Röhre genommen, damit auch die Wurzelspitzen richtig abtrocknen können, da ich Angst habe, dass diese sonst zu faulen beginnen. Ich bin gespannt, ob sich die Pflanze unter dieser Kulturmethode weiterhin gut entwickelt oder ob ich künftig an einigen Faktoren noch etwas ändern muss.

Das Wasser hat im Normalfall einen sehr geringen Leitwert, um die 100 Mikrosiemens/cm. Ein- bis zweimal im Monat – während des Sommers – gibt es ein ausgiebiges Tauchbad. Dazu dünge ich das Wasser auf einen Leitwert von ungefähr 400 Mikrosiemens/cm auf. Während der Wintermonate erhält Seidenfadenia mitrata bei mir keinen Dünger.

Direkte Sonneneinstrahlung versuche ich ganzjährig zu vermeiden, da sich die Luft in der Glasröhre sehr schnell erhitzen und besonders im Sommer dann zu warm würde. Auch wenn Seidenfadenia mitrata zu den warm zu kultivierenden Orchideen gehört, sollte sie nicht in einer Glasröhre durchgegart werden. Temperaturen bis an die 40 Grad werden aber sehr gut vertragen. Die Nächte sollten nicht allzu kühl werden. In meinem Kulturraum fällt die Temperatur  nie unter 16 Grad.

Ein wirklich großes Problem stellt natürlich ein längerer Urlaub dar. Für diese Zeit ist es zwingend nötig, dass man jemanden hat, der die Pflanze während der Abwesenheit versorgt. Ich hatte mir überlegt, ob es mit einem Vernebler (Luftbefeuchter), der auf die Pflanze gerichtet wird und fast dauerhaft läuft, vielleicht möglich wäre, sie während der Abwesenheit zu versorgen. Ausprobiert habe ich das aber noch nicht.

Auch wenn die Zimmerkultur etwas aufwendiger ist, möchte ich meine Seidenfadenia mitrata nicht mehr hergeben. Die zahlreichen kleinen Blüten halten über viele Wochen und duften herrlich. Ein wahrer Blickfang in jedem Wohnraum. Viel Erfolg beim Kultivieren!

Autor: Thomas Lehmann

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Seidenfadenia mitrata ‚Mike‘ mit ihrer Silbermedaille (Foto: Thomas Lehmann)
Auch wenn Seidenfadenia mitrata eigentlich selten Seitentriebe entwickelt, hatte meine dieses Jahr gleich zwei davon (Foto: Thomas Lehmann)
Seitenansicht der Blüte (Foto: Thomas Lehmann)
Seitenansicht der Blüte (Foto: Thomas Lehmann)