Deutsche Orchideen-Gesellschaft e.V.

Seidenanda Ucho

Am 22. Oktober 2018 um 0:01 veröffentlicht. Kategorie: ,

Seidenanda Ucho

Seidenanda Ucho (Foto: Thomas LEHMANN)

Diese kleinbleibende Hybride aus Seidenfadenia mitrata und Vanda falcata wurde im Jahr 1984 von S. ICHIJYO bei der RHS (Royal Horticultural Society) zur Registrierung angemeldet. Als Züchter wurde dort K. NAKATANI angegeben. Über beide Personen, die vermutlich aus Japan stammen, konnte ich leider keine weiteren Informationen finden. Der ursprüngliche Gattungsname bei der Registrierung lautete Aeridofinetia, da beide Elternteile im Jahr 1984 noch anderen Gattungen zugeschrieben wurden. Seidenfadenia mitrata wurde damals noch unter dem Namen Aerides mitrata geführt. Der offiziell anerkannte Name von Vanda falcata war zu dieser Zeit noch Neofinetia falcata. Mittlerweile gelten beide damaligen Namen als Synonym.

Seidenfadenia mitrata – ein Elternteil von Seidenanda Ucho (Foto: D.O.G.-Archv)

Seidenfadenia mitrata ist ein monopodial wachsender Epiphyt aus  Myanmar und Thailand, der Höhen von 100-800 Metern über dem Meeresspiegel bei warmen bis heißen Temperaturen besiedelt. Der kurze Stamm trägt wechselständige, sehr schmale, stark gekielte und bis zu 25 cm lange Blätter, die eher nach unten hängen. Die Infloreszenz erscheint meist im Frühjahr und ist mit ihrer Länge von höchstens 15 cm deutlich kürzer als die Blätter. Jeder aufrecht wachsende Blütentrieb trägt ca. 10-15 süßlich duftende Blüten, deren Grundfarbe weiß ist. Das Labellum ist immer in einem hellen Violettton gefärbt.

Vanda falcata – der andere Elternteil (Foto: Thomas LEHMANN)

Vanda falcata kommt in Japan, Korea und den Ryūkyū-Inseln unter eher kühlen bis hin zu kalten Temperaturen vor. Sie wächst auf laubwerfenden Bäumen, d. h. im Sommer unter sehr schattigen und im Winter unter voll sonnigen Bedingungen. Der kurze Stamm trägt ebenfalls wechselständige Blätter, die kurz und sehr fest sind und eine Länge von 5-15 cm erreichen. Die Blütentriebe erscheinen meist im Sommer und können bis zu 10 cm lang werden. Die Blütenanzahl ist sehr unterschiedlich, meistens  zwischen zwei und zehn pro Infloreszenz. Bis auf wenige Ausnahmen sind die Blüten von Vanda falcata im natürlichen Habitat immer weiß gefärbt und duften in den Abendstunden stark nach Jasmin.

Die Hybride Seidenanda Ucho sieht vom Laub her sehr nach Seidenfadenia mitrata aus. Die Blätter sind ca. 20 cm lang, sehr schmal und stark gekielt. Sie wachsen nur schwach aufrecht und hängen dann über. Bei den Blüten vereinen sich die guten Merkmale von beiden Elternteilen. Die Blütenform ähnelt sehr stark den Blüten von Vanda falcata. Die Blütenfarbe hat diese Hybride von Seidenfadenia mitrata geerebt, reinweiße Grundfarbe mit violetter Lippe. Duft konnte ich bei meiner Snn. Ucho leider keinen feststellen, was mich sehr verwundert, da beide Elternteile duftende Blüten hervorbringen. Vielleicht habe ich zu falschen Tageszeiten geschnuppert oder es lag daran, dass es die Erstblüte war. Vielleicht duftet sie beim nächsten Mal.

Getopft hab ich meine Seidenanda Ucho in reiner Pinienrinde, die auch nicht zu fein sein sollte. Als Epiphyt sollten die Wurzeln möglichst schnell abtrocknen können, damit sie nicht zu faulen beginnen. Ich benutze ja grundsätzlich transparente Töpfe, um sowohl die Feuchtigkeit im Topf wie auch das Wurzelwachstum besser beobachten zu können. Bei dieser Hybride ist ein transparenter Topf  auch noch aus einem anderen Grund zu empfehlen. Die Wurzeln sind, wie bei den meisten Epiphyten, in der Lage Photosynthese zu betreiben. Dazu brauchen sie aber auch Licht, was in transparenten Töpfen gewährleistet ist.

Meine Seidenanda Ucho hatte bei ihrer Erstblüte drei Blüten an der Infloreszenz (Foto: Thomas LEHMANN)

Anstatt zu gießen, tauche ich Seidenanda Ucho alle paar Tage, je nachdem wie schnell der Pflanzstoff austrocknet. Sobald ich kein Kondenswasser mehr im Topf sehen kann und die Wurzeln alle silbrig sind, wird wieder getaucht. Braucht das Substrat deutlich länger als eine Woche zum Abtrocknen, ist es entweder zu fein oder hat sich bereits zersetzt und verdichtet. Dann sollte möglichst neu getopft werden, damit wieder genug Luft an die Wurzeln kommt und diese schnell abtrocknen können.

Mein Tauchwasser wird bei jedem Wässern schwach aufgedüngt, sodass es einen Leitwert von ungefähr 200-250 Mikrosiemens hat. Im Winter etwas weniger, im Hochsommer auch mal etwas mehr. Zwischendrin spüle ich das Substrat mit sehr salzarmem Wasser durch, um ein Versalzen zu vermeiden. Zu viele Düngerreste, die sich im Substrat ansammeln können, würden auf Dauer die Wurzeln verbrennen und eine Aufnahme von Wasser und Nährstoffen verhindern.

Beim Lichtangebot richte ich mich eher nach den Gegebenheiten am natürlichen Standort von Vanda falcata. Im Sommer steht sie schattig ohne direktes Sonnenlicht, aber dennoch hell. Im Winter darf das Sonnenlicht unschattiert auf Seidenanda Ucho fallen.

Bei den Temperaturen, besonders für die Zeit im Winter, war ich mir sehr unsicher, da Seidenfadenia mitrata ja warme bis heiße Temperaturen bevorzugt und Vanda falcata eher kühle bis kalte. Da der Habitus meiner Pflanze aber eher dem von Seidenfadenia mitrata gleicht, habe ich mich dazu entschieden sie im Winter eher warm zu kultuvieren. Die nächtlichen Temperaturen fallen dann nicht unter 15 Grad. Meistens liegen sie bei 17-19 Grad. Ob ihr das über Jahre hinweg gefällt, muss ich auch noch ausprobieren. Hier sollte man einfach sehr genau beobachten, ob der Pflanze die für sie ausgesuchten Temperaturen zusagen oder ob sie durch irgendwelche Anzeichen ihr Missfallen anzeigt. Meist sind Hybriden aus so unterschiedlichen Temperaturbereichen aber sehr unempflindlich und anspruchslos, was die Temperaturen angeht. Grundsätzlich gilt aber: je kühler, desto trockener halten. Kälte in Verbindung mit Nässe führt ganz schnell zu Wurzelfäulnis, wodurch die gesamte Pflanze eingehen könnte.

Eine, wie ich finde, sehr gelungene Hybride, die durch ihre kompakte Größe auch auf der Fensterbank Platz findet. Viel Erfolg beim Kultivieren!

Autor: Thomas LEHMANN

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Seitenansicht der Blüte (Foto: Thomas LEHMANN)
Die Blüte fängt an sich zu öffnen (Foto: Thomas LEHMANN)
Der gebogene Sporn ist ein echter Hingucker (Foto: Thomas LEHMANN)
Komplett gestreckt sieht man den Vanda falcata-Einfluss sehr stark (Foto: Thomas LEHMANN)
Seitenansicht der Blüte (Foto: Thomas LEHMANN)