Deutsche Orchideen-Gesellschaft e.V.

Sarcochilus Snowtime

Am 29. April 2019 um 0:01 veröffentlicht. Kategorie:

Sarcochilus Snowtime

Sarcochilus Snowtime ‚Struber Red‘ BM/DOG (Foto: Thomas Lehmann)

Der australische Orchideenzüchter Kevin WILSON, der ein bedeutendes Mitglied der Australian Native Orchid Society ist, meldete diese Hybride aus Sarcochilus Cherie Snow und Sarcochilus Melody im Jahr 2002 bei der Royal Horticultural Society (RHS) an. Sie wurde daraufhin in das Register der Orchideenhybriden eingetragen. Kevin Wilson ist einer der Mitbegründer der Sutherland Shire Orchid Society, in der er auch heute noch sehr aktiv ist – seit über 50 Jahren! Seine Orchideensammlung ist sehr vielfältig und beschränkt sich nicht auf einige wenige Gattungen, mit denen er gerne hybridisiert und deren Sämlinge er großzieht. Mit Sarcochilus Snowtime ist ihm eine wunderbare Hybride aus der bei uns in Deutschalnd leider sehr seltenen Gattung Sarcochilus gelungen. Der Name Sarcochilus kommt aus dem Altgriechischen und setzt sich aus den Wörten sarx (Fleisch) und cheilos (Lippe) zusammen. Die australische Gattung ist in Europa nicht sehr verbreitet, da die Australier sehr strenge Ausfuhrbestimmungen von Cites-pflichtigen Pflanzen haben. Obwohl Sarcochilus Snowtime eine höhere Hybride ist, sind im Genpool der Kreuzung lediglich drei Naturformen enthalten:

  • 43,75% Sarcochilus fitzgeraldii
  • 43,75% Sarcochilus hartmannii
  • 12,5% Sarcochilus falcatus
Sarcochilus fitzgeraldii ‚Kerstin & Holger‘ BM/DOG (Foto: D.O.G.-Archiv)

Sarcochilus fitzgeraldii findet man in Queensland und New South Wales entlang von Flüssen und Bächen auf Höhen von 500-800 Metern über dem Meeresspiegel. Die kleinwüchsige bis mittelgroße Art wächst lithophytisch in tiefen und immerfeuchten Tälern entlang der Küste.  Während die Sommer mit Temperaturen über 30 Grad sehr heiß sind, kühlt es in den Wintermonaten auf unter 10 Grad ab. Niederschläge gibt es das ganze Jahr über, wobei im Winter wesentlich weniger Regen vom Himmel fällt. Die Luftfeuchigkeit ist ganzjährig sehr hoch. Die Blüten von Sarcochilus fitzgeraldii duften angenehm.

Sarcochilus hartmannii ‚Tenshy‘ BM/DOG (Foto: D.O.G.-Archiv)

Sarcochilus hartmannii findet man im östlichen Australien meist lithophytisch an freiliegenden Klippen in Meeresnähe auf Höhen bis 1000 Metern über dem Meeresspiegel. Gelegentlich wächst die Art auch epiphytisch. Die klimatischen Bedingungen entsprechen denen von Sarcochilus fitzgeraldii. Die Blüten der Art duften nicht.

Sarcochilus falcatus (Foto: Torsten Kleffmann)

Sarcochilus falcatus ist eine endemische Art, die nur in einem kleinen Gebiet von Queensland über New South Wales bis nach Victoria zu finden ist. Sie wächst dort auf Höhen von 100 – 1400 Metern über dem Meeresspiegel meist lithophytisch, aber auch epiphytisch in immerfeuchten, exponierten Hanglagen an den Ästen kleiner Büsche. Auch hier herrschen die gleichen klimatischen Bedingungen wie bei Sarcochilus fitzgeraldii beschrieben. In den höheren Lagen über 10oo Metern fallen die Temperaturen, besonders im Winter, natürlich auf etwas tiefere Werte, bleiben aber immer im Plusbereich. Die Blüten duften stark.

Sarcochilus Snowtime erinnert im Wuchs an eine kleine Vanda. Die monopodial wachsende Pflanze bildet einen Stamm aus, der komplett von wechselständigen Blättern umgeben ist. Die bis zu 15 cm langen Blätter sind dunkelgrün, fest und laufen leicht spitz zu. Sie sind stark gekielt und glänzen an der Oberfläche. Sarcochilus bildet im Laufe der Jahre sehr viele Seitentriebe und kann dadurch zu einem richtigen Busch werden. Die herabhängenden Infloreszenzen erscheinen meist im zeitigen Frühjahr. Sie werden bis zu 25 cm lang und tragen jeweils 6 -20 Blüten. Meist erscheinen mehrere Blütentriebe pro Pflanze. Da Sarcochilus Snowtime eine höhere Hybride ist, variieren die Blüten besonders in der Farbgebung stark. Von fast komplett weiß mit nur sehr wenig roter Zeichnung bis zu komplett rot gefärbten Blüten mit zarter Zeichnung ist alles möglich. Die einzelne Blüte ist ca. 4 cm breit und 3 cm hoch. Petalen und Sepalen sind fast gleich, tropfenartig geformt. Das Labellum im Zentrum der Blüte ist weniger als einen Zentimeter groß und leuchtend Gelb. Die Blüten duften angenehm.

Sarcochilus Snowtime mag es das ganze Jahr über sehr feucht, wobei ich im Winter etwas seltener gieße als ich Sommer. Austrocknen lasse ich das Substrat aber niemals. Im Sommer, während besonders heißer Tage, stelle ich den Topf sogar in eine mit Wasser gefüllte Schale. Auch am Naturstandort werden die Pflanzen durch Regen oder sich brechende Wellen des Meeres oft mit sehr viel Wasser überspült. Nach meiner Erfahrung verträgt die Hybride die wärmeren Temperaturen im Sommer besser, wenn sie in dieser Zeit mit deutlich mehr Wasser versorgt wird – ähnlich wie in der Heimat der Naturformen.

Gedüngt wird bei mir nur vom Frühjahr bis in den Herbst. Im Winter wird bei mir, wie schon oft erwähnt, nicht gedüngt, da die im Substrat angereicherten Nährstoffe ausreichen, um die Pflanze gut durch die lichtarme Jahreszeit zu bringen, in der der Stoffwechsel der Pflanze lange nicht so aktiv ist wie im Sommer. Der Leitwert meines Düngerwassers liegt während der Sommermonate bei ca. 350 – 400 Mikrosiemens/cm. Zwischendurch gibt es klares Wassers, damit sich nicht zu viele Nährstoffe in Form von Salzen im Substrat anreichern.

Sarcochilus Snowtime ‚Struber Red‘ bekam dieses Jahr bei der Tischbewertung in Nürnberg eine Bronzemedaille in der Kategorie Blüten und für die hervorragende Kultur eine Goldmedaille. Meine Pflanze ist ein Teilstück dieser Pflanze. (Foto: Thomas Lehmann)

Als Pflanzstoff nutze ich Rinde mit Perliten und Bimskies gemischt. Die Rinde und Perlite nehmen gut Wasser auf und geben diese langsam an die Pflanzen ab. Die Perlite haben zudem ein sehr geringes Eigengewicht, wodurch sie das Substrat locker und luftig halten. Auch Bimskies nimmt Wasser auf und gibt es nach und nach wieder ab. Zudem reichert der Bimskies das Wasser etwas mit Kalk an, was dem Wachstum der lithophytisch wachsenden Arten sehr dienlich ist. Eine Kultur in rein mineralischem Substrat ist nach Aussage von einigen Orchideenfreunden auch sehr erfolgreich. Ich habe diese Kulturmethode bei Sarcochilus allerdings nie ausprobiert.

Bis zum Herbst verbringt mein Sarcochilus Snowtime den Sommer an einem schattigen Platz auf dem Balkon. Die kühleren Nächte, besonders im Herbst, tun der Pflanze sichtlich gut. Sobald die Temperaturen nachts dauerhaft unter 8 Grad fallen, kommt die Pflanze an einen sehr kühlen, aber hellen Platz in meinem kühlen Orchideenzimmer. Dort wird den ganzen Winter über nicht geheizt und bei jeder Gelegenheit ist das Fenster gekippt. Zum Wohnen ist der Raum defintiv zu kalt, da es in der Nacht auf 8 – 10 Grad abkühlt. Tagsüber steigen die Temperaturen, je nach Außentemperatur und Sonnenlicht, auf ca. 20 Grad an.

Wie oben schon beschrieben steht die Pflanze im Sommer an einem schattigen, aber hellen Platz auf dem Balkon. Der Winterstandort ist bei mir ein großes Westfenster, an dem die Pflanze auch mal direkte Abendsonne erhält. Im Sommer sollte direkte Sonneneinstrahlung vermieden werden, da es sonst schnell zu Verbrennungen an den Blättern kommen kann.

Leider ist Sarcochilus Snowtime in Europa kaum zu bekommen. Nachzuchten gibt es hier bei uns, soweit ich weiß, gar nicht. Mit Glück ergibt sich die Möglichkeit, ein Teilstück einer etablierten Pflanze zu erwerben. Wenn dem so ist, sollte man nicht lange überlegen, denn diese Chance wird so schnell nicht wiederkommen. Mit ihren roten, duftenden Blüten ist Sarcochilus Snowtime ein wahrer Frühlingsbote, der jede Orchideensammlung bereichert. Viel Erfolg beim Kultivieren!

Autor: Thomas Lehmann

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Mein Sarcochilus Snowtime ‚Struber Red‘ mit der diesjährigen Blüte (Foto: Thomas Lehmann)
Mein Sarcochilus Snowtime ‚Struber Red‘ mit der diesjährigen Blüte (Foto: Thomas Lehmann)
Mein Sarcochilus Snowtime ‚Struber Red‘ BM/DOG (Foto: Thomas Lehmann)
Sarcochilus Snowtime ‚Strub‘ BM/DOG (Foto: D.O.G.-Archiv)
Sarcochilus Snowtime ‚Elke‘ BM/DOG (Foto: D.O.G.-Archiv)