Restrepia lansbergii

Restrepia lansbergii – Einzelblüte
(Foto: Thomas Jacob)

Autor/in: Thomas Jacob
Veröffentlicht: 14.03.2022

Restrepia lansbergii wurde 1854 von Heinrich Gustav Reichenbach und einem Kollegen in “Bonplandia” erstmalig beschrieben. Mit dem Artnamen lansbergii ehrten sie einen niederländischen Pflanzensammler, der zur damaligen Zeit zahlreiche Expeditionen nach Venezuela unternahm. Der Gattungsname Restrepia geht auf den kolumbianischen Orchideenforscher José Manuel RESTREPO VÉLEZ zurück, der als erster die Geschichte der antioquischen Anden erforschte. Die Gattung zählt zu den Pleurothallidinae, zu denen auch Dracula, Lepanthes, Platystele und einige andere Gattungen der Familie der Orchidaceae gehören.

Das natürliche Verbreitungsgebiet der Art erstreckt sich von Venezuela über Peru bis nach Ecuador. Restrepia lansbergii wächst dort epiphytisch auf Bäumen, durch deren Laub sie vor zu starker Sonneneinstrahlung geschützt ist. Wegen der teilweise hoch gelegenen Standorte von 700 bis 3000 Metern über dem Meeresspiegel sind die klimatischen Bedingungen eher im kühlen Bereich, wobei an den niedrig gelegenen Standorten durchaus auch temperiert-warme Temperaturbedingungen herrschen können. Niederschläge gibt es das ganze Jahr hindurch, sodass das Habitat niemals austrocknet. Auch die Luftfeuchtigkeit ist ganzjährig sehr hoch.

Meine Pflanze habe ich seit ca. zwei Jahren. Sie stand mit meinen anderen Restrepien auf dem kühlen nordseitigen Fensterbrett im Treppenhaus. Einige andere Arten blühten dort regelmäßig. Restrepia lansbergii wuchs zwar sehr kräftig und prächtig, wollte aber nie blühen. Als ich zum Jahreswechsel meine Orchideenvitrine in Betrieb nahm, band ich die Pflanze zusammen mit etwas Moos auf eine große Wurzel, die in der Vitrine steht. Und bereits nach einigen Wochen belohnte die Pflanze mich für diesen Standortwechsel mit einer Blüte. Ob es nun die etwas höheren Temperaturen, das länger andauernde und intensivere Licht oder die höhere Luftfeuchtigkeit war, die die Pflanze letztendlich zur Blüte anregte, kann ich nicht mit Gewissheit sagen. Es zeigt aber erneut, dass es nicht den einen richtigen Weg für alle Orchideen gibt. Selbst innerhalb einer Gattung können die Kulturbedingungen, die zum Erfolg führen, beträchtlich variieren.

Habitus von Restrepia lansbergii
(Foto: Thomas Jacob)

Seitenansicht der Blüte von Restrepia lansbergii
(Foto: Thomas Jacob)

Restrepia lansbergii ist, wie oben schon erwähnt, in meiner noch recht neuen Orchideenvitrine direkt auf eine große Wurzel aufgebunden. Als Unterlange habe ich etwas Sphagnum-Moos unter ihre Wurzeln gelegt. Viel Arbeit macht sie mir nicht, da die Vitrine mit einer Beregnungsanlage ausgestattet ist, die tagsüber im Zweistundenrhythmus einen kleinen Regen simulliert. Das erste Mal am Tag wird ordentlich gewässert. Auch am Nachmittag läuft die Anlage etwas länger, während die restlichen »Regenphasen« nur wenige Sekunden andauern, um die Luftfeuchigkeit hoch zu halten. Ebenfalls alle zwei Stunden laufen drei PC-Ventilatoren, die am Lüftungsgitter angebracht sind, damit sich die Luft in der Vitrine nicht staut. Die meisten Orchideen benötigen Luftbewegung und frische Luft, um gut zu gedeihen. Bei stehender Luft und hoher Luftfeuchtigkeit trocknen die Pflanzen nach dem künstlichen Regen nicht zügig genug ab und können dadurch Pilze oder andere Infektionen bekommen. Gute und regelmäßige Belüftung und Luftumwälzung sind in einer Orchideenvitrine daher unerlässlich. Die Beregnungsanlage arbeitet ausschließlich mit sehr salzarmem Regenwasser, dessen Leitfähigkeit bei ca. 15 – 20 µS/cm liegt. Durch die automatische Beregnung wird eine Luftfeuchtigkeit zwischen 70 und 80% erreicht, direkt nach der Regendusche steigt sie auf über 90%.

Einmal im Monat werden die Pflanzen in der Vitrine etwas gedüngt. Hierfür nehme ich ein manuelles Sprühgerät und befüllte es mit leicht aufgedüngtem Regenwasser. Die Leitfähigkeit meiner fertigen Düngermischung liegt bei ungefähr 150 µS/cm. Die feinen Wurzeln der aufgebundenen Miniaturorchideen reagieren oft besonders empfindlich auf Düngersalze. Deshalb sollte man das Düngerwasser nicht auf trockene Wurzeln sprühen. Damit mir das nicht passiert, dünge ich grundsätzlich direkt, nachdem die Beregnungsanlage alles schön befeuchtet hat.

Beleuchtet wird die Vitrine 12 Stunden täglich mit 3 verschiedenen Strahlern – lediglich einer davon ist eine stromsparende LED-Lampe. Die beiden anderen sind HQI-Strahler – sogenannte Metalldampflampen. Ein vierter Strahler schaltet sich über die Mittagszeit zusätzlich dazu, da es in der Natur ja auch nicht den ganzen Tag gleich hell ist. Die Lampen sind, wie die Beregnungsanlage auch, über Zeitschaltuhren gesteuert, sodass ich eigentlich keine Arbeit mit den Pflanzen in der Vitrine habe, außer das gelegentliche Düngen. Ich habe die Vitrine vor Kurzem mit der gesamten Technik übernommen, die sich über Jahre beim Vorbesitzer bewährt hat. Natürlich denke ich über eine Beleuchtung mit LED-Lampen nach. Allerdings macht mir dabei die Höhe der Vitrine etwas Sorgen. Der Innenraum ist über einen Meter hoch und auch am Boden stehen einige Pflanzen. LED-Lampen sollten meines Wissens nach aber nicht weiter als 30 bis 40 cm von den Pflanzen entfernt sein, da sonst zu wenig Licht ankommt. Ich werde mich erst noch besser informieren müssen, ehe ich eine Änderung vornehme, und euch natürlich davon berichten.

Da die Vitrine in unserem Wohnzimmer steht, sind die Bedingungen eher temperiert bis warm. Im oberen Bereich habe ich am Nachmittag schon 25 – 26 °C gemessen, im unteren Bereich klettert die Temperatur nicht über 22 °C. Nachts fällt sie dann auf ca. 18 – 19 °C im oberen Teil der Vitrine und auf 17 °C im unteren. Restrepia lansbergii hängt eher im unteren Bereich, allerdings an einer recht hellen Stelle mit viel Licht. Auch Luftbewegung gibt es an ihrem Platz sehr viel.

Restrepia lansbergii gehört bestimmt nicht zu den besonders atemberaubenden Arten, was Größe oder Farbe betrifft, aber das ist ok – oft liegt die Schönheit in den einfachen Dingen …

Viel Erfolg beim Kultivieren!

Größenvergleich der Blüte von Restrepia lansbergii mit meinen Fingern
(Foto: Thomas Jacob)