Deutsche Orchideen-Gesellschaft e.V.

Prosthechea guttata

Am 27. August 2018 um 0:01 veröffentlicht. Kategorie: ,

Prosthechea guttata

Foto: Thomas LEHMANN

Als Encyclia guttata wurde diese extravagante Naturform im Jahr 1918 vom deutschen Botaniker und Taxonomen Friedrich Richard Rudolf SCHLECHTER in Beiheft zum Botanischen Centralblatt erstmalig beschrieben. Ihren aktuell durch Kew anerkannten Namen Prosthechea guttata erhielt sie erst im Jahr 2003 durch die Umkombination von Eric Alston CHRISTENSON, die der amerikanische Botaniker  in Richardiana, einer französischen Fachzeitschrift für Botanik, Floristik und Taxonomie, veröffentlichte. Prosthechea guttata ist unter zahlreichen Synonymen bekannt,  unter denen sie auch häufig im Handel angeboten wird. In der World Checklist of Selected Plant Families (WCSP) sind folgende Synonyme gelistet:

  • Die geschlossene Knospe erinnert an eine Kastanie (Foto: Thomas LEHMANN)

    Encyclia guttata

  • Epidendrum guttatum
  • Epidendrum maculosum
  • Encyclia maculosa
  • Prosthechea maculosa

Das natürliche Verbreitungsgebiet ersteckt sich von Mexiko bis Guatemala. Prosthechea guttata wächst dort in Pinien-, Eichen- und Mischwäldern auf Höhen von 1400-2400 Metern unter eher kühlen Bedingungen. In den Wintermonaten fallen die Temperaturen nachts deutlich unter 10 Grad, aber nicht unter Null Grad. Im Sommer steigt das Thermometer tagsüber auch mal über 30 Grad, die Nächte sind mit ca. 15-20 Grad aber deutlich kühler. Je nach Standort reichen die Temperaturen also von kalt bis zum unteren Bereich von temperiert. Niederschläge gibt es zwar das ganze Jahr über, allerdings sind diese in den Wintermonaten eher selten. Von Juni bis Oktober werden sie deutlich häufiger. Die Luftfeuchtigkeit ist ganzjährig sehr hoch. Prosthechea guttata wächst epiphytisch und litophytisch unter meist schattigen Bedingungen.

Diese Art bildet ca. 5 cm hohe Pseudobulben aus, die länglich-oval geformt sind. Auf jeder Pseudobulbe sitzen ein bis drei Blätter, die eine feste Struktur haben. Die Blätter können bis zu 20 cm lang werden und sind ebenfalls länglich und schmal. Im Frühjahr oder Frühsommer entstehen im Herzen der Blätter die Infloreszenzen, die ebenfalls bis zu 20 cm lang werden können und in Schüben mehrmals hintereinander 3-20 Blüten ausbilden. Die Blütezeit erstreckt sich durch die interwallartigen Blühphasen bis in den Spätsommer, teilweise sogar bis in den Herbst. Insgesamt bringt so ein Blütentrieb dann 35-40 Blüten hervor. Zeitglich zur Blühphase bilden sich auch die Neutriebe, die im folgenden Jahr zur Blüte kommen werden.

Die kleinen Knospen erinnern an die Früchte einer Kastanie, da sie mit lauter kleinen stachelartigen Fortsätzen besetzt sind. Diese bleiben auch nach dem Aufblühen auf der Außenseite der Blüte erhalten. Die einzelne Blüte ist gerade einmal 7 mm breit und 10 mm hoch. Die einzelnen Blütenblätter sind innen hellbraun gefärbt. Auf der Außenseite bleiben sie eher grünlich. Die Lippe ist nach oben gerichtet, also nicht resupiniert, weiß gefärbt mit einem gelben Zentrum. Die Blüten duften leicht nach Kräutern, wie ich finde. Der Duft ist aber nicht raumfüllend. Die einzelnen Blüten halten sich oft über mehrere Wochen, ehe sie verblühen.

Die stachelartigen Auswüchse bleiben auch nach dem Öffnen erhalten (Foto: Thomas LEHMANN)

Die Kultur ist nicht sonderlich kompliziert. Die Pflanze steht bei mir im kühl-temperierten Bereich und kommt damit sehr gut zurecht, auch eine kühlere Kultur ist natürlich möglich, da sie dies von ihrem natürlichen Standort kennt. Grundsätzlich gilt dann aber: Je kühler, desto trockener. Im Winter lasse ich das Substrat also richtig austrocknen, bevor wieder gewässert wird. Da ich sie kühl-temperiert halte, wird bei mir aber auch im Winter getaucht. Wer sie kalt bis kühl im Winter kultiviert, sollte nur durchdringend gießen, da Nässe in Verbindung mit Kälte schnell zu Fäulnis führen kann. Die Bulben sollten nicht zu stark schrumpeln und einfallen. Im Sommer tauche ich, sobald der Pflanzstoff leicht angetrocknet, aber noch nicht ausgetrocknet ist. Dies lässt sich in einem transparenten Topf sehr gut beobachten.

Wie ich ja bereits in vielen Beiträgen erwähnt habe, wird bei mir im Winter gar nicht gedüngt. Lediglich die Pflanzen, die künstlich beleuchtet werden und somit auch im Winter einen hohen Stoffwechsel haben, bekommen auch in den Wintermonaten Dünger. Meine  Prosthechea guttata bekommt aber kein Kunstlicht und somit auch keinen Dünger im Winter. In den lichtreicheren Monaten von März bis Oktober steigere ich die Düngergaben langsam, sodass ich über die richtig warmen und hellen Sommermonate Juni, Juli und August das Tauchwasser auf einen Leitwert von ca. 350-400 Mikrosiemens aufdünge. Dünger gibt es bei fast jedem Tauchen. Nur gelgentlich spüle ich den Topf mal mit sehr salzarmem Wasser durch, damit sich nicht allzu viele Salze im Substrat ablagern.

Als Pflanzstoff nutze ich bei dieser Naturform Rinde mit mineralischen Zuschlagsstoffen, da sie in der Natur ja auch litophytisch wächst. Auch eine Kultur in komplett mineralischem Substrat ist natürlich möglich. Als Zuschlagsstoffe nutze ich in diesem Fall Perlite, Akadama und Bims. Alles in mittlerer Körnung, damit auch noch genügend Luft an die Wurzeln gelangt. Auch eine Kultur in reinem Sphagnum-Moos könnte ich mir gut vorstellen, man muss nur darauf achten, dass es im Winter dann nicht zu lange zu feucht bleibt.

Im Sommer steht meine Pflanze sehr gut schattiert ohne direkte Sonneneinstrahlung im Freien, da sie in den dichten Wäldern am Naturstandort auch nur wenig Sonnenlicht erhält. Im Winter steht sie an einem Westfenster mit etwas Sonnenlicht am späten Nachmittag. Die Temperaturen im Winter gehen nachts auf 8-10 Grad runter, je nach Außentemperatur sind sie aber auch oft über 10 Grad. Allerdings steigen sie tagsüber auch gerne mal auf 25 Grad an. Es gibt also eine recht große Nachtabsenkung. Ob dies unbedingt nötig ist für die Blüteninduktion, weiß ich nicht, da ich es nie anders ausprobiert habe. Da im natürlichen Habitat  aber eine starke Nachtabsenkung vorhanden ist, würde ich sagen, dass es wahrscheinlich besser ist.

Ob man diese kleinen, braunen Blüten hübsch findet oder nicht, muss jeder für sich entscheiden. Mit ihren stachelartigen Fortsätzen finde ich sie allerdings sehr interessant anzusehen. Außerdem hat man den ganzen Sommer über Blüten, die leicht duften, und die Pflanze macht wenig Arbeit und blüht sehr zuverlässig.

Autor: Thomas LEHMANN

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Die ganze Pflanze ist ca. 35 cm hoch, die Infloreszenz wächst aber noch weiter (Foto: Thomas LEHMANN)
Seitenansicht einer einzelnen Blüte (Foto: Thomas LEHMANN)
An der Infloreszenz sind Blüten und Knospen in jedem Stadium zu sehen (Foto: Thomas LEHMANN)
Die nächste Knospe öffnet sich (Foto: Thomas LEHMANN)
Frontalansicht (Foto: Thomas LEHMANN)