Deutsche Orchideen-Gesellschaft e.V.

Pleione Orizaba

Am 27. Mai 2019 um 0:01 veröffentlicht. Kategorie:

Pleione Orizaba

Pleione Orizaba ‚Fish Eagle‘ – der bekannteste Klon dieser Hybride (Foto: Thomas Lehmann)

Ian BUTTERFIELD, der weltweit führende Züchter für Pleionen, meldete die Hybride am 15. August 1991 bei der Royal Horticultural Society (RHS) an, worauf sie in das dortige Orchideen-Register eingetragen wurde. Eltern dieser sehr ansprechenden Hybride sind Pleione Novarupta und Pleione Matupi. Die hier vorgestellte Hybride ist also eine höhere Hybride, an der man gut erkennen kann, dass durch selektierte Zucht durchaus sehr ansprechende neue Farben entstehen können, die bei den Naturformen dieser Gattung eigentlich nicht vorkommen. Der am weitesten verbreitete Klon ist Pleione Orizaba ‚Fish Eagle‘, der attraktive, orangefarbene Blüten hervorbringt und sehr unkompliziert und blühfreudig ist. Benannt wurde die Kreuzung nach dem britischen Passagierschiff RMS Orizaba, das im Jahr 1886 seinen Stappellauf absolvierte. 19 Jahre später – am 17. Februar 1905 – lief die Orizaba vor der Westküste Australiens, in der Nähe von Fremantle, auf Grund. Zum Glück konnten alle 375 Passagiere an Bord gerettet werden. Der Gattungsname Pleione (Gr.  Πληιόνη) ist nach einer Figur aus der griechischen Mythologie benannt. Pleione war die Gattin des Titanen Atlas, mit dem sie sieben Kinder hatte. Insgesamt sind an der Hybride Pleione Orizaba vier Naturformen beteiligt. Der Genpool teilt sich wie folgt auf:

  • 43,75% Pleione limprichtii
  • 31,25% Pleione formosana
  • 12,50% Pleione albiflora
  • 12,50% Pleione forrestii
Detailansicht der fransigen und gelb leuchtenden Lippe (Foto: Thomas Lehmann)

Das natürliche Verbreitungsgebiet der vier Naturformen liegt im asiatischen Raum, überwiegend in China und Myanmar. Die Pflanzen siedeln dort meist terrestrisch oder lithophytisch – Pleione albiflora findet man häufig auch epiphytisch wachsend. Die Standorte sind kühl mit sehr feuchten Sommern und komplett trockenen Wintern. Je nach Standort können die nächtlichen Temperaturen im Winter auch unter die Frostgrenze fallen. Die vier genannten Pleione-Arten kommen allesamt in den Bergen vor. Man findet sie in Höhen von 1500 – 3100 Metern über dem Meeresspiegel. In der Regel bevorzugen sie eher schattige Plätze ohne direktes Sonnenlicht. Im Herbst werfen sie ihre Blätter ab und überdauern den trockenen und kalten Winter als nackte Pseudobulbe. Im Frühjahr erscheinen zuerst die Infloreszenzen, aus denen sich nach der Blüte die neue Pseudobulbe mit ein bis zwei Blättern entwickelt. Die Blüten duften nicht.

Eine ganzjährige Kultur in der Wohnung ist nur sehr schwer möglich, da Pleionen gerne eine starke Nachtabsenkung in der Wachstumszeit haben, die im Innenraum meist nur schwer zu erreichen ist. Am besten gefällt es der Pflanze ab dem zeitigen Frühjahr auf dem Balkon, der Terrasse oder im Garten. Nach Abschluss der Wachstumsphase bleiben meine Pleionen noch bis zum ersten Frost im Freien, dabei stehen sie aber schon komplett trocken. Wenn der erste Frost kommt, topfe ich die neuen Pseudobulben aus und entferne alle Wurzeln, da diese ohnehin abgestorben sind und im Frühjahr nicht mehr gebraucht werden. Für den Fall, dass an einigen Pseudobulben noch Blätter sind, die nicht abgeworfen wurden, entferne ich auch diese. Danach kommen die einzelnen Bulben in einen Eierkarton und werden in den nächsten Monaten im Gemüsefach meines Kühlschranks gelagert, natürlich vollkommen trocken. Ab Mitte Januar wird einmal in der Woche kontrolliert, ob an den Pseudobulben schon Wachstum zu sehen ist. Am unteren Ende der Pseudobulben bilden sich dann neue, kleine Triebe. Sobald diese zu sehen sind, werden die Pleionen aus dem Kühlschrank geholt und auf trockenes Substrat gesetzt. Man muss aufpassen, dass die Pleione nicht zu tief im Substrat sitzt, höchstens ein Drittel der Pseudobulbe. Ich benutze gepresstes Sphagnum-Moos, da es sehr viel Feuchtigkeit aufnehmen kann. Auch jetzt sollten die Pflanzen nicht zu warm stehen, aber auch keinen Frost abbekommen. Vorsichtig gegossen wird erst dann, wenn sich am unteren Ende des Neutriebs Wurzeln zeigen. Bis dahin ernährt sich der neue Trieb ausschließlich von den Nährstoffen, die in der alten Pseudobulbe gespeichert sind, deswegen muss noch nicht gegossen werden. Da bis zu diesem Zeitpunkt keine Wurzeln vorhanden sind, könnte die Pflanze die Feuchtigkeit, und somit die Nährstoffe, auch gar nicht aufnehmen. Man riskiert nur, dass die Pflanzen faulen. Sobald die Wurzeln tief in den Pflanzstoff wachsen und es langsam wärmer wird, darf auch richtig gegossen werden. Ab dann sollte das Substrat bis zum Herbst nicht mehr austrocknen, sondern immer schön feucht bleiben. Im Herbst zieht Pleione dann wieder ein und alles beginnt von vorne.

Eine Gruppe Pleione Orizaba in rosafarbener Variation – gesehen und fotografiert auf einer Ausstellung (Foto: Thomas Lehmann)

Natürlich eignen sich auch andere Pflanzstoffe, die gut Feuchtigkeit halten und nicht zu schnell abtrocknen. Besonders für Pleionen gibt es 1000 verschiedene Rezepte. Da muss man etwas ausprobieren, um das zu finden, womit man selbst am besten zurechtkommt. Selbst Blumenerde wird verwendet, auch Rinde oder mineralische Substrate. Wichtig ist, dass man das Gießverhalten an den Pflanzstoff anpasst und das Substrat nicht austrocknen lässt im Sommer. Gedüngt wird bei mir alle 2-3 Wochen. Ich dünge das Gießwasser dann auf einen Leitwert von ca. 400  Mikrosiemens auf. Früher war ich noch etwas vorsichtiger beim Düngen. Die Erfahrung hat mir aber gezeigt, dass Pleionen recht hungrig nach Nährstoffen sind und gesünder und zügiger wachsen, wenn sie etwas mehr „Futter“ bekommen. Meine Pleionen stehen, vor direkter Mittagssonne geschützt, auf dem Balkon und erhalten für etwa 3 Stunden das Licht der untergehenden Abendsonne.

Autor: Thomas LEHMANN

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Pleione Orizaba ‚Fish Eagle‘ – Seitenansicht der Blüte (Foto: Thomas Lehmann)
Pleione Orizaba ‚Fish Eagle‘ – Seitenansicht der Blüte (Foto: Thomas Lehmann)
Einzelblüte des rosafarbenen Klons (Foto: Thomas Lehmann)