Deutsche Orchideen-Gesellschaft e.V.

Pleione maculata

Am 29. Oktober 2018 um 0:01 veröffentlicht. Kategorie: ,

Pleione maculata

Pleione maculata ‚Regenbogen‘ SM/DOG (Foto: Thomas LEHMANN)

Der englische Botaniker John LINDLEY,  der als erster eine Klassifizierung von Orchideen erstellte, beschrieb die Art  im Jahr 1830 in „Genera and Species of Orchidaceous Plants“ als Coelogyne maculata. 1851/52 überführte er sie zusammen mit seinem Kollegen Sir Joseph PAXTON in „Paxton’s Flower Garden“ in die Gattung Pleione. PAXTON war ebenfalls Botaniker und Mitglied der Royal Horticultural Society, außerdem Autor, Architekt, Gesellschafter und Politiker.

Heimisch ist Pleione maculata in China, Indien, Nepal, Laos, Myanmar, sowie Thailand, Vietnam und im östlichen Himalaya. Sie wächst dort sowohl epiphytisch als auch terrestrisch in Nebelwäldern auf Höhen von 600-2000 Metern über dem Meeresspiegel. Diese Naturform blüht – anders als die meisten Pleionen – im Herbst, direkt nachdem das Laub abgeworfen wurde. Die Temperaturen variieren zwar etwas, je nach Standort in dem großen Verbreitungsgebiet, bis in Gefrierpunktnähe fallen sie aber nicht, auch wenn in diversen Quellen angegeben ist, dass Pleione maculata eine kühl bis kalt zu kultivierende Orchidee ist. Anders als häufiger kultivierte Pleionen hat Pln. maculata keine ausgeprägte Ruhezeit. An den Standorten wird es im Winter zwar etwas trockener und kühler, aber es ist niemals ganz trocken und eisig. Die meisten Standorte liegen eher in schattigen Bereichen ohne Mittagssonne im Sommer. Im Winter fällt durch die tiefstehende Sonne und die teilweise laubabwerfenden Bäume etwas mehr Licht auf die Pflanzen.

Der Farbstrich auf der Petale wirkt wie mit dem Pinsel aufgetragen (Foto: Thomas LEHMANN)

Der Wachstumszyklus beginnt im Herbst nach der Blüte. Im unteren Bereich der alten Pseudobulben wachsen 1-3 Neutriebe heran, die anfangs durch die Pseudobulbe und deren Wurzeln versorgt werden. Nachdem der Neutrieb eine bestimmte Größe erreicht hat, fängt auch dieser an Wurzeln zu bilden, um sich selbst versorgen zu können. Über den Winter, das Frühjahr und den Sommer bilden die Neutriebe dann ihre Pseudobulben aus, die im Herbst ihr Laub abwerfen und direkt Blütentriebe entwickeln, aus denen dann die nächsten Pseudobulben heranwachsen. Jede Pseudobulbe besitzt zwei längliche Blätter, die ca. 15-20 cm lang werden und gewellt sind. Die Pseudobulben sind nicht gleichmäßig rund, sondern haben wellenartige Verdickungen und sind schwach gemustert. Nach dem Abwerfen der Blätter im Herbst verbleibt ein trockenes netzartiges Gewebe über der Pseudobulbe. Die Blütentriebe sind sehr kurz und tragen 1-2 Blüten, deren Grundfarbe weiß ist. Das Labellum ist in verschiedenen Violett-, Rot-, Gelb- und Orangetönen gefärbt, die ineinander verlaufen.

Da Pleione maculata terrestrisch wächst, sollte sie in Pflanzstoff getopft werden, der sehr gut Wasser aufnimmt und nicht zu schnell abtrocknet. Besonders in der warmen Jahreszeit sollte die Pflanze niemals austrocknen und immer gut feucht sein. Im Winter je nach Temperatur aber etwas trockener. Da die Art keine richtige Winterruhe durchmacht wie die im Frühjahr blühenden Pleionen, sollte sie auch im Winter nicht komplett trocken stehen. Meine Pflanze ist noch in einer Mischung aus normaler Blumenerde mit Torfanteil, feiner Rinde und Perlite getopft. Ich hatte sie damals so bekommen und bisher noch nicht neu getopft. Läuft auch ganz gut, muss ich sagen. Ich werde sie aber demnächst, wenn neue Wurzeln kommen, in Sphagnum-Moos topfen wie meine anderen Pleionen. Wichtig beim Topfen ist auch noch, dass die Pseudobulben auf das Substrat gelegt und nicht eingegraben werden, da sie sonst faulen könnten.

Eine kleine Gruppe Pleione maculata – gesehen auf der Orchideenbörse in Esslingen (Foto: Thomas LEHMANN)

Den Sommer über steht meine Pleione maculata schattiert im Freien. Wenn die nächtlichen Temperaturen dauerhaft unter 10 Grad fallen, hole ich sie nach innen in einen kühlen, nicht beheizten Raum, in dem sie den Winter verbringt. Die Temperaturen fallen dort nachts auf 10-14 Grad ab – je nach Außentemperatur. Die untergehende Abendsonne scheint in dieser Zeit unschattiert auf die Pflanze, wodurch tagsüber das Thermometer auch mal auf 25 Grad und mehr steigt. In verschiedenen Quellen habe ich gelesen, dass Pln. maculata kalt, bei 3-5 Grad, überwintert werden sollte. Das halte ich aber für ausgeschlossen, wenn ich mir das Verbreitungsgebiet und das dazugehörige Klima anschaue. Ich habe es nicht kühler probiert, habe es aber auch nicht vor, da ich Pln. maculata ja temperiert zum Blühen gebracht habe.

Gewässert wird regelmäßig mit klarem Wasser, welches ich im Sommer auf 150-250 Mikrosiemens aufdünge. Im Hochsommer gelegentlich auch mal etwas höher. Im Winter wird deutlich weniger gegossen und im Höchstfall auf 100-150 Mikrosiemens aufgedüngt, aber erst, wenn die Neutriebe genug eigene Wurzeln gebildet haben. Komplett trocken lasse ich sie auch im Winter nicht stehen, da die Art ja keine strenge Ruhezeit hat wie zum Beispiel Pleione formosana. Von November bis Februar darf das Substrat gut antrocknen, bevor wieder gewässert wird. Im Sommer tauche ich den Topf alle paar Tage, im Winter wird lediglich durchdringend gegossen.

Obwohl meine kleine Pleione maculata noch recht jung ist, hat sie schon eine sehr schön geformte Blüte, die auch eine gute Haltung hat. Die Färbung gefiel mir ebenfalls so gut, dass ich sie diesen Oktober zu meiner ersten Tischbewertung mit nach Esslingen nahm. Auch die Bewerter der Deutschen Orchideen-Gesellschaft waren überzeugt von ihr und zeichneten sie mit einer Silbermedaille aus. Wegen ihrer bunten Lippe, die mich irgendwie an einen Regenbogen erinnert, gab ich ihr den Kultivarnamen ‚Regenbogen‘.

Die Blütenfarbe mit der bunten Lippe ist ein echter Hingucker im trüben Herbst! Besonders, wenn sich nach einigen Jahren erfolgreicher Kultur viele Blüten gleichzeitig öffnen! Viel Erfolg beim Kultivieren!

Autor: Thomas LEHMANN

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Meine Pleione maculata ‚Regenbogen‘ mit ihrer Silbermedaille (Foto: Thomas LEHMANN)
In der Seitenansicht sieht man gut die netzartige Umhüllung der Bulbe und den wellenförmigen Wuchs (Foto: Thomas LEHMANN)
Seitenansicht der Blüte (Foto: Thomas LEHMANN)
Blick in das Labellum (Foto: Thomas LEHMANN)
Detailansicht des Labellums mit seinen wurmartigen Fortsätzen (Foto: Thomas LEHMANN)
Gruppenfoto mehrerer Blüten (Foto: Thomas LEHMANN)
Meine kleine Pleione braucht noch ein paar Jahre, bis sie so viele Blüten bilden wird (Foto: Thomas LEHMANN)