Deutsche Orchideen-Gesellschaft e.V.

Phragmipedium Wössner Rosenrot

Am 14. Januar 2019 um 0:01 veröffentlicht. Kategorie: ,

Phragmipedium Wössner Rosenrot

Phragmipedium Wössner Rosenrot (Foto: Thomas LEHMANN)

Diese Hybride wurde am 05. Juli 2012 bei der Royal Horticultural Society (RHS ) registriert, nachdem sie von Olaf GRUSS angemeldet worden war. Franz GLANZ, einer der führenden Phragmipedium-Züchter weltweit, hatte einige Jahre zuvor die Eltern Phrag. Saint Ouen und Phrag. Carol Kanzer gekreuzt. Unzählige Hybriden, besonders aus den Gattungen Paphiopedilum und Phragmipedium, haben in seiner Gärtnerei in Unterwössen ihren Ursprung. Obwohl Phragmipedium Wössner Rosenrot eine höhere Hybride ist, sind an ihrer Entstehung lediglich drei Naturformen beteiligt. Der Genpool teilt sich wie folgt auf:

Phragmipedium besseae ist zu 37,5% an der Hybride beteiligt (Foto: Thomas LEHMANN)
Ebenfalls 37,5% trägt Phragmipedium schlimii dazu bei (Foto: D.O.G.-Archiv)
25% Anteil am Genpool von Phrag. Wössner Rosenrot hat Phrag. pearcei (Foto: Thomas LEHMANN)

Alle drei beteiligten Naturformen wachsen in den südamerikanischen Anden unter temperierten Bedingungen, oft in der Nähe von Flüssen und Bächen oder an steilen Felsklippen, die immer sehr feucht bis nass sind. An einigen Standorten werden die Pflanzen gelegentlich sogar von Wasser überflutet. Das Habitat trocknet niemals aus. Niederschläge gibt es das ganze Jahr über, allerdings im Winter etwas weniger als im Sommer. Die Temperaturen sind, je nach Standort, das ganze Jahr über recht konstant. In einigen Lagen gehen sie im Winter etwas zurück, richtig kalt wird es aber nicht. Phragmipedien lieben Luftbewegung und Frischluft. Gelegentlich finden sich Pflanzen, die auch der vollen Sonne ausgesetzt sind, aber auch an schattigeren Plätzen gedeihen sie gut.

Da Phragmipedien viel Feuchtigkeit brauchen, sollten sie stets in einer mit Wasser gefüllten Schale stehen. Besonders im Sommer darf das Substrat auch richtig nass sein. Zu viel Wasser ist bei Phragmipedien fast nicht möglich. Nur gelegentlich sollte die Schale ganz abtrocknen, damit sich keine unerwünschten Bakterien im Wasser ausbreiten können. Meine Pflanzen stehen in großen Wannen, die ich alle paar Tage mit frischem Wasser fülle, sobald das alte aufgesogen ist. Im Sommer sind die Schalen alle 3-4 Tage leer, im Winter dauert es 6-7 Tage.

Im direkten Vergleich mit einer 20-Cent-Münze sieht man gut, wie klein die Blüten der Hybride sind (Foto: Thomas LEHMANN)

Oft ist zu lesen, dass Phragmipedien sehr salzempfindlich sind und bei zu hohen Düngergaben braune Blattspitzen bekommen. Für einige Naturformen und Primärhybriden trifft es auch zu, dass die Wurzeln bei zu vielen Salzen verbrennen und absterben. Allerdings gibt es einige Naturformen und daher auch Hybriden, die wesentlich besser wachsen und blühen, wenn sie etwas mehr Dünger bekommen. Braune Blattspitzen habe ich nicht mehr bei meinen Pflanzen, seit ich einen Dünger verwende, der sowohl Calcium als auch Magnesium enthält und den ich auch höher dosiere als früher. Meiner Erfahrung nach sind die braunen Blattspitzen eher auf einen Mangel an Calcium und Magnesium und nicht auf zu hohe Düngergaben zurückzuführen. Im Sommer bekommen meine Hybriden zwischen 350 und 450 Mikrosiemens bei jedem Wässern. Nur im Winter  stelle ich das Düngen komplett ein. Die angereicherten Salze im Substrat genügen den Pflanzen, um durch die dunkle Jahreszeit zu kommen.

Mein Standard-Phragmipedium-Substrat ist eine Mischung aus Rinde, Perlite, Bimskies und Holzkohle. Die Körnung der Rinde passe ich an die Topfgröße an. Bei kleinen Töpfen nehme ich feinere Rinde, bei großen Töpfen verwende ich gerne gröbere. Perlite verwende ich in der Körnung 2-4 Millimeter. Durch ihr geringes Gewicht machen sie das Substrat locker und sorgen für eine gute Belüftung der Wurzeln. Der Bimskies versorgt die Pflanzen zusätzlich mit Calcium, da er diesen durch die andauernde Feuchtigkeit freigibt. Die Körnung spielt dabei nur eine untergeordnete Rolle. Ich nutze gerne 5-10 Millimeter. Um einige trockenere Stellen im Pflanzstoff zu schaffen, füge ich immer Holzkohle in einer Körnung von 7-14 Millimeter hinzu. Die Holzkohle saugt sich nicht mit Wasser voll und bleibt trocken. Durch die etwas gröberen Brocken entstehen zusätzlich ein paar Luftlöcher im Substrat, die eine Luftzirkulation im Topf zulassen.

Natürlich gibt es auch einige andere Substrate, die gut für Phragmipedium geeignet sind. Jedes hat seine eigenen Vor- und Nachteile. Der größte Nachteil von Rinde ist, dass sie regelmäßig gewechselt werden muss, da sie durch die Dauerfeuchte sehr schnell zerfällt. Mineralische Sustrate zerfallen nicht und müssen daher nicht so oft gewechselt werden. Jeder sollte da seine eigenen Erfahrungen machen und ausprobieren, was zu seiner Kultur am besten passt. Außer mit  meinem Standardsubstrat habe ich auch gute Erfahrungen gemacht mit:

  • Akadama
  • Sphagnum-Moos
  • Steinwollwürfeln
  • Bimskies
  • Lavagranulat

Im Sommer stehen Phragmipedien gerne im Freien, da sie Frischluft und Luftbewegung wirklich lieben. Ein Muss ist der Aufenthalt im Freien aber nicht. Auch eine ganzjährige Kultur in der Wohnung ist möglich, wenn regelmäßig gelüftet wird. Steht die Luft zu lange, bilden sich am Ansatz der Triebe leicht Pilze, die unbehandelt die ganze Pflanze vernichten können.

Phragmipedium Wössner Rosenrot ist sehr blühfreudig und hat lang haltende Blüten, sodass oft mehrere  gleichzeitig geöffnet sind (Foto: Thomas LEHMANN)

Die heißen Temperaturen im Sommer vertragen meine Pflanze allesamt sehr gut, wenn die Luftfeuchtigkeit  hoch ist. Durch die großen Wannen, welche immer mit Wassser gefüllt sind, ist die Luftfeuchtigkeit stets ausreichend. Ich benutze keinen zusätzlichen Nebler. Die nächtlichen Temperaturen liegen bei mir zwischen 14 und 18 Grad, je nach Außentemperatur. An bewölkten Wintertagen liegen sie bei etwa 24 Grad. Wenn die Sonne auf das große Fenster scheint, steigen sie auch mal über 30 Grad.

Im Sommer sollte direkte Mittagssonne vermieden werden, da die Blätter sehr schnell verbrennen können. Es gibt einzelne Pflanzen, die nicht so empfindlich zu sein scheinen, allerdings wachsen alle Pflanzen nach meiner Erfahrung etwas schattiger besser. Auch die Blattfarbe ist bei schattiger Kultur dunkler und kräftiger. Bei zu wenig Licht werden die Blätter der Neutriebe länger und schmaler. Meist fällt dann auch die Blüte aus. Im Winter darf die Sonne auch mittags unschattiert auf die Pflanzen fallen.

Phragmipedium Wössner Rosenrot ist ein zuverlässiger Blüher, der über Monate hinweg eine Blüte nach der anderen öffnet. Durch die kompakte Größe findet die Hybride auch auf einer Fensterbank gut Platz. Leider ist sie eine echte Rarität, die nur sehr selten angeboten wird. Viel Glück beim Finden und noch mehr Erfolg beim Kultivieren!

Autor: Thomas LEHMANN

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Beim Öffnen der Blüte sind die Petalen noch glatt und die Blütenfarbe ist sehr hell (Foto: Thomas LEHMANN)
Nach zwei Tagen haben sich die Petalen nach unten gerichtet und schon etwas eingedreht (Foto: Thomas LEHMANN)
Erst nach 3 Tagen hat die Blüte ihre endgültige Form und Farbe erreicht (Foto: Thomas LEHMANN)
Seitenansicht der Blüte (Foto: Thomas LEHMANN)