Deutsche Orchideen-Gesellschaft e.V.

Phragmipedium Memoria HR Giger

Am 17. September 2018 um 0:01 veröffentlicht. Kategorie: ,

Phragmipedium Memoria HR Giger

Ein sehr heller, gestreifter Klon von Phrag. Mem. HR Giger (Foto: Thomas LEHMANN)

wurde am 01. Juli 2015 in das Register der Royal Horticultural Society (RHS) aufgenommen. Ihr Züchter Hilmar BAUCH, deutscher Orchideenzüchter mit eigener Gärtnerei in Asendorf, hatte sie dort angemeldet und ehrte mit der Bennenung den Schweizer Oscarpreisträger Hans Rüdiger GIGER. Dieser war ein Allround-Künstler, der nicht nur Zeichnungen und Gemälde erschuf, sondern auch Möbel, Skulpturen und nicht zuletzt ganze Filmklassiker wie Alien, Species oder Dune. Für seine Mitwirkung in Alien bekam er 1980 einen Oscar in der Kategorie „Beste visuelle Effekte“ verliehen. Auch Plattencover und ein Computerspiel entstanden durch seinen kreativen Geist.

Phragmipedium Memoria HR Giger ist eine Kreuzung zweier bekannter Phragmipedium-Hybriden. Phrag. Jason Fischer wurde mit dem Pollen von Phrag. Sunset Glow bestäubt. Obwohl beides ja schon höhere Hybriden mit mehreren Zuchtgenerationen sind, stecken in Phrag. Mem. HR Giger lediglich drei verschiedene Naturformen aus dieser Gattung:

Phragmipedium besseae ist mit 62,5% in den Genen vertreten (Foto: Thomas LEHMANN)
Phragmipedium sargentianum gibt 25% in den Genpool (Foto: D.O.G.-Archiv)
Mit 12,5% ist Phragmipedium longifolium beteiligt (Foto: Thomas LEHMANN)

Die Pflanzen variieren sowohl in der Größe als auch in Blütenform und -farbe. Die Blätter sind zwischen 15 und 35 cm lang und 3-4 cm breit. Sie sind leicht gekielt und fest. An den Enden laufen sie spitz zu. Einige Pflanzen wachsen sehr kompakt mit eher flachliegendem Laub, während andere fast aufrecht wachsende Blätter haben. Durch den hohen Anteil von Phrag. besseae neigen manche Pflanzen dieser Kreuzung zum Klettern. Andere wiederum machen das gar nicht. Wie schon erwähnt, ist diese Hybride sehr variabel. Die Blütenfarbe variiert in allen Rosatönen. Von zartem Altrosa bis hin zu kräftigem Neonrosa ist alles möglich. Ganz unifarben – oder mit zarten Streifen. Gemein haben die Blüten ihre Größe. Alle Blüten, die ich bisher gesehen habe, waren 6-8 cm breit und ca 4-6 cm hoch.

Auf dem Foto sieht man schön wie variabel auch die Pflanzengröße sein kann – beide Pflanzen sind blühfähig (Foto: Thomas LEHMANN)

Die Kultur dieser Hybride ist äußerst unkompliziert. Phragmipedien lieben es sehr feucht bis richtig nass. Daher stehen sie am besten immer im Wasser. Um eine Verkeimung mit Bakterien zu vermeiden, lässt man den Untersetzer gelegentlich abtrocknen, ehe man ihn wieder mit Wasser befüllt. Die Gattung gilt im Allgemeinen ja als sehr salzempfindlich, was für die meisten Naturformen auch definitiv zutrifft. Ich habe aber die Erfahrung gemacht, dass die höheren Hybriden Dünger wesentlich besser vertragen und manchmal auch benötigen, um gut zu wachsen. Da ich von Phragmipedium Mem. HR Giger mehrere Pflanzen habe, gab ich einer von Anfang an wesentlich mehr Dünger im Sommer als den anderen. Sie wuchs und wurzelte doppelt so schnell wie die Geschwisterpflanzen und kam schon sehr jung zur Erstblüte. Daraufhin bekamen natürlich alle Geschwisterpflanzen mehr Dünger. Deshalb hat das Gießwassser bei meinen höheren Hybriden zischen 350 und 450 Mikrosiemens im Hochsommer. Ich steigere ab März die Düngergaben langsam, beginnend bei ca. 200 Mikrosiemens. Aber: Das gilt wirklich nur für die sogenannten Multihybriden. Die meisten Naturformen würden solche Werte auf Dauer nicht vertragen! Im Herbst spüle ich dann den Topf einmal mit destilliertem Wasser durch, damit sich über die Jahre nicht zu viele Salze im Pflanzstoff anlagern. Im Winter dünge ich nicht.

Da ich von dieser Kreuzung mehrere Pflanzen besitze, habe ich vor 2 Jahren auch mit dem Substrat ein paar Versuche gestartet. Eine Pflanze ist in meinem Phragmipedium-Standart-Substrat getopft. Es besteht aus mittlerer und grober Rinde mit Perlite, Holzkohle und mineralischem Anteil (Bimskies, Akadama, manchmal auch Ton). Eine weitere Pflanze kultiviere ich in purem Akadama, ein Mineral aus der Bonsaikultur mit sehr guter Kapillarwirkung. Der große Vorteil von Akadama ist, dass es sich bei Temperaturen im Plusbereich nicht zersetzt. Daher muss auch nur dann neu getopft werden, wenn der Topf zu klein wird. Rinde zersetzt sich durch andauernde Nässe sehr schnell, deshalb sollte alles 2 Jahre neu getopft werden. Eine dritte Pflanze kultiviere ich in Steinwollwürfeln, ebenfalls pur. Auch diese haben eine gute Kapillarwirkung und zersetzen sich nicht so schnell wie Rinde. Nach 2 Jahren kann ich sagen, dass ich keinerlei Unterschied feststellen kann. Alle Pflanzen wachsen gut, machen immer neue Wurzeln und blühen regelmäßig. Scheinbar ist diese Kreuzung bei der Frage nach dem Pflanzstoff auch nicht sonderlich wählerisch. Hauptsache nass!

Kultiviert wird Phragmipedium Mem. HR Giger unter warmen Bedingungen. Im Sommer kann es auch gut draußen stehen, wenn es vor Mittagssonne geschützt ist. Im Winter fallen die nächtlichen Temperaturen nie unter 16 Grad, tagsüber liegen sie zwischen 25 und 30 Grad. Es geht aber auch kühler. In meiner alten Wohnung hatte ich im Winter tagsüber um die 22 Grad – auch hier war sie recht anspruchslos und unkompliziert. Phragmipedien mögen es gerne sehr hell, allerdings sollten sie im Sommer vor direkter Sonnenstrahlung geschützt werden, da die Blätter sonst sehr schnell verbrennen. Wenn die oberen Blätter gelblich werden, ist das meistens ein Zeichen von zu viel Sonne. Handelt man dann nicht sofort, hat man schnell einen Sonnenbrand auf den Blättern. Wenn die Neutriebe viel dünnere und längere Blätter haben als die Alttriebe, ist das ein Zeichen für zu wenig Licht, dann sollten sie etwas heller gestellt werden. Morgen- und Abendsonne wird im Sommer meist gut vertragen.

Die Luftfeuchtigkeit sollte um 60% liegen, wobei eine meiner Pflanzen dieser Kreuzung an einem Fenster steht, an dem es im Winter sehr trockene Heizungsluft gibt. In den letzten zwei Wintern gab es keine Probleme dadurch. Wichtig ist, besonders im Winter, für ausreichend Luftbewegung und Frischluft zu sorgen. Bei stehender Luft kann es zu Pilzbefall oder Bakteriosen kommen aufgrund der andauernden Feuchtigkeit. Gleiches gilt für zu kühle Temperaturen.

Alles in allem ein unkompliziertes Anfänger-Phragmipedium ohne große Eigenheiten und Empfindlichkeiten. Wer eine bestimmte Blütenfarbe möchte, sollte unbedingt blühend kaufen, da man sonst sehr schnell enttäuscht sein kann. Es ist echt Wahnsinn, wie variabel die Blüten sind. So, und nun ran an die Kultur. Viel Erfolg!

Autor: Thomas LEHMANN

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Ein wunderbar symmetrischer Klon (Foto: Thomas LEHMANN)
Auch diese Pflanze ist eher groß (Foto: Thomas LEHMANN)
Ein sehr intensiv gefärbter Klon von Phrag. Mem. HR Giger (Foto:Thomas LEHMANN)
Ein sehr intensiv gefärbter Klon von Phrag. Mem. HR Giger (Foto:Thomas LEHMANN)
Seitenansicht des intensiv gefärbten Klons (Foto: Thomas LEHMANN)
Sehr ähnlich geformt wie der dunkle Klon, aber deutlich heller gefärbt (Foto: Thomas LEHMANN)
Hell, gestreift und sehr kleine und kompakte Pflanze (Foto: Thomas LEHMANN)
Heller und gestreifter Klon – mein Favorit (Foto: Thomas LEHMANN)
Ein extrem heller Klon (Foto: Kasia NOWAK)
Ebenfalls ein heller Klon mit zarten Streifen, aber anders geformt (Foto: Kasia NOWAK)
Detailansicht des dunklen Klons (Foto: Thomas LEHMANN)