Deutsche Orchideen-Gesellschaft e.V.

Phragmipedium Eumelia Arias

Am 19. Februar 2018 um 0:01 veröffentlicht. Kategorie:

Phragmipedium Eumelia Arias

Foto: Thomas Lehmann

Eumelia Arias ist eine recht junge Hybride, die im Jahr 2007 von Manolo Arias, dem Besitzer der Orchideengärtnerei Peruflora in Peru, erstmalig zur Blüte gebracht und im Register der Royal Horticultural Society (RHS) in England registriert wurde. Die Eltern dieser ansprechenden Primärhybride sind die beiden Naturformen Phragmipedium kovachii und Phragmipedium schlimii. Die Blüten der Kreuzung variieren nicht sonderlich stark. Die Färbung reicht von einem hellen Violettton bis zu einem kräftigen Rosa. Die Form ist recht stabil und wird oft scherzhaft als »schlimii auf Anabolika« bezeichnet, da die eigentliche Form sehr nach Phragmipedium schlimii kommt, die Größe aber eindeutig von Phragmipedium kovachii beeinflusst wird.

 

Foto: Thomas Lehmann

Phragmipedium schlimii wurde im Jahre 1852 von Louis Joseph Schlim, dem Halbbruder des Botanikers Jean Jules Linden, entdeckt. Linden und Reichenbach f. beschrieben diese neue Art dann im Jahre 1854 in der Bonplandia 2:227 als Selenipedium schlimii. Heimisch ist diese Naturform in Kolumbien und an den Ost- und  Zentralkordilleren (Gebirgskette, zu der auch die Anden gehören) in Höhen von 1200 -1900 Metern. Dort wächst schlimii in Humusnestern und zwischen hohen Gräsern, die teilweise mit Moos und Flechten bedeckt sind. Die Standorte sind immer relativ feucht und meist halbschattig. Die Temperaturen steigen im Sommer bis auf 25 Grad Celcius an und können im Winter nachts auch mal auf 8 Grad Celcius fallen. Relative Luftfeuchte ist mit 70% bis 80% immer sehr hoch.

 

 

 

 

Foto: Thomas Lehmann

Erst im Jahre 2001 wurde Phragmipedium kovachii im Norden Perus von Faustino Medina Bautista entdeckt. 2002 wurde diese imposante neue Naturform dann gleich zweimal neu beschrieben. Der Name Phragmipedium peruvianum gilt als Synonym. Die Pflanzen wachsen terrestrisch und litophytisch an steilen Kalksteinfelsen mit Humus- oder Moosauflage. Die Standorte sind meistens sehr gut drainiert und selten der vollen Sonne ausgesetzt. Temperaturen bewegen sich zwischen 18 Grad und 26 Grad im Durchschnitt. Wobei es im Winter auch mal deutlich kühler werden kann. In der Region, in der kovachii wächst, gibt es fast täglich Niederschlag. Nicht immer sehr heftig, aber dafür ständig. Dadurch stehen die Pflanzen auch immer dauerfeucht und trocknen niemals aus.

 

 

 

 

Da sich die Ansprüche der beiden Elternteile dieser Hybride nicht sehr voneinander unterscheiden, können wir für die Kultur Folgendes daraus ableiten:

  • Dauerfeuchtigkeit muss gegeben werden
  • Temperaturen möglichst nicht über 30 Grad, im Winter darf sie auch mal auf 10 Grad nachts fallen
  • Starke Mittagssonne im Sommer sollte vermieden werden
  • Luftbewegung und Luftfeuchtigkeit sollten ähnlich den Naturstandorten herrschen

Da ich diese Kreuzung sehr mag, besitze ich gleich mehrere Pflanzen aus unterschiedlichen Aussaaten. Alle wachsen sehr gut und blühen regelmäßig, meistens im Herbst/Winter. Als Substrat verwende ich mittelgroße Pinienrinde, gemischt mit Perlite, Bims und Holzkohle. Das Ganze kalke ich mit Hüttenkalk (kohlensaurer Kalk, der gut wasserlöslich ist) alle 6 Monate auf, da besonders Phragmipedium kovachii einen recht hohen Kalkbedarf hat. Gelegentlich mische ich in das Substrat auch Steinwollwürfel, Tongranulat, Moos oder Akadama mit hinein. Ich habe schon einiges ausprobiert und festgestellt, dass fast alles, was gut die Feuchtigkeit hält, von den meisten Phragmipedium sehr gut angenommen wird. Besonders die Hybriden scheinen da keine allzu großen Ansprüche zu haben, solange es luftig ist und immer feucht bleibt. Naturformen gibt es einige, die höhere Ansprüche an das Substrat stellen. Darüber werde ich dann in den entsprechenden Artikeln berichten. Für Eunelia Arias klappt dies beschriebene Mischung sehr gut.

Wie alle meine Phragmipedium kultiviere ich Eumelia Arias auch in einer Schale Wasser stehend, mit nassem Fuß. Gelegentlich lasse ich die Schale austrocknen, um eine Verbreitung von Bakterien zu verhindern. Sonst steht immer Wassser in der Schale. Die Hybride ist nicht ganz so salzempfindlich wie andere Pflanzen aus der Gattung, besonders einige Naturformen. Das Wasser, mit dem ich gieße bzw. die Schale auffülle, hat immer so um die 200 Mikrosiemens. Im Sommer wird ca. alle 3 Wochen mit Düngerwasser durchdringend gegossen. Das Düngerwasser für meine kovachii-Hybriden hat dann ca. 300-400 Mikrosiemens. Den Sommer über verbringen meine Eumelia Arias allesamt im Freien, vor der Mittagssonne geschützt. Bevor es im Herbst dann wieder nach Innen geht, werden die Töpfe  einmal ausgiebig mit destilliertem Wasser duchgespült, da sich durch die recht hohen Düngergaben im Sommer zu viele Salze im Substrat anreichern, welche im Winter mangels Licht nicht verstoffwechselt werden können und den Wurzeln eventuell Schaden könnten.

Im Winter steht diese Kreuzung bei mir an der Südseite, direkt an der Scheibe meiner Glasfront, da es dort nachts auch mal etwas kühler wird. Temperaturen sinken an der Stelle auch mal auf 10-12 Grad ab. Tagsüber herschen dort in der Regel 22-24 Grad, bei Sonnenschein auch schnell mal etwas mehr, was aber sehr gut vertragen wird. An besonders kalten Tagen sind es auch mal nur 19-20 Grad.

Autor: Thomas Lehmann