Deutsche Orchideen-Gesellschaft e.V.

Phragmipedium Ely’s Colombian Pride

Am 5. Oktober 2020 um 0:01 veröffentlicht. Kategorie: ,

     Phragmipedium Ely’s Colombian Pride

Phragmipedium Ely’s Colombian Pride ‚Zuckersüß‘ BM/DOG (Foto: Thoma Jacob)

Am 16. Dezember 2013 wurde Phragmipedium Ely’s Colombian Pride in das Register der Royal Horticultural Society (RHS) eingetragen. Die Kreuzung aus den beiden Naturformen Phragmipedium andreettae und Phragmipedium schlimii wurde von Eliseo Teson geschaffen, der sich hobbymäßig mit der Gattung und deren Hybridisierung beschäftigt. Der gebürtige Spanier, der seit einigen Jahren in der kolumbianischen Hauptstadt Bogotá D.C. lebt, arbeitete unter anderem mit an Prof. Guido J. BRAEMs Buch „The Genus Phragmipedium“, das im Jahr 2018 erschien. Gemeinsam kombinierten die beiden einige Arten und Naturhybriden aus dem Phragmipedium schlimii-Komplex um, wozu auch die beiden Elternteile von Phragmipedium Ely’s Colombian Pride gehören. Übersetzt bedeutet der Hybridname Ely´s Colombian Pride soviel wie Ely´s kolumbianischer Stolz, wobei Ely die Abkürzung für Eliseo ist.

Phragmipedium andreettae – ein Elternteil der Hybride (Foto: Thomas Jacob)

Die kleinwüchsige Art Phragmipedium andreettae ist heimisch in Nordwestecuador und Kolumbien, wo sie lithophytisch und terrestrisch in Höhenlagen von 500-1000 Metern über dem Meeresspiegel anzutreffen ist. Da die Pflanzen oft zusammen mit Phrag. schlimii und Phrag. fischeri wachsen, kommt es zu einer natürlichen Hybridisierung der Arten. Die genaue Erforschung dieser Naturhybriden ist jedoch noch nicht endgültig abgeschlossen. Das Klima am Standort bietet ganzjährig hohe Luftfeuchtigkeit, ständige Luftbewegung und regelmäßige Niederschläge bei Tagestemperaturen von 26-30 Grad und ca. 20 Grad in der Nacht. Die Standorte sind stets hell, aber nicht direkter Sonneneinstrahlung ausgesetzt. Sehr häufig ist Phrag. andreettae in der Nähe von Flüssen und Bächen zu finden und wächst dort direkt auf feuchten Klippen oder zwischen Gräsern und Moosen.

Phragmipedium schlimii – der andere Elternteil (Foto: Thomas Jacob)

Phragmipedium schlimii ist ebenfalls in Kolumbien beheimatet und wächst dort in Höhenlagen von 1 200 -1 900 Metern in immerfeuchten Humus- und Moosnestern auf Granitfelsen und offenliegenden Baumwurzeln, oft zwischen hohen Gräsern in der Nähe von Gewässern. Die meisten bekannten Standorte liegen halbschattig. Das Klima bietet Temperaturen von 8 Grad nachts bis 25 Grad tagsüber, je nach Standort also deutlich kühler in den Winternächten als bei Phragmipedium andreettae. Da beide sich einige Standorte teilen, scheinen sie aber anpassungsfähig zu sein, was die Temperaturen angeht. Die ganzjährigen Regenfälle sind im Frühjahr und Herbst etwas ausgeprägter.

Da Phragmipedien viel Feuchtigkeit brauchen, sollten sie stets in einer mit Wasser gefüllten Schale stehen. Besonders im Sommer darf das Substrat auch richtig nass sein. Zu viel Wasser ist bei Phragmipedien fast nicht möglich. Nur gelegentlich sollte die Schale ganz abtrocknen, damit sich keine unerwünschten Bakterien im Wasser ausbreiten können. Meine Pflanzen stehen in großen Wannen, die ich alle paar Tage mit frischem Wasser fülle, sobald das alte aufgesogen ist. Im Sommer sind die Schalen alle 3-4 Tage leer, im Winter dauert es 6-7 Tage. Oft ist zu lesen, dass Phragmipedien sehr salzempfindlich sind und bei zu hohen Düngergaben braune Blattspitzen bekommen. Für einige Naturformen und Primärhybriden trifft es auch zu, dass die Wurzeln bei zu vielen Salzen verbrennen und absterben. Allerdings gibt es einige Naturformen und daher auch Hybriden, die wesentlich besser wachsen und blühen, wenn sie etwas mehr Dünger bekommen. Braune Blattspitzen habe ich nicht mehr bei meinen Pflanzen, seit ich einen Dünger verwende, der sowohl Calcium als auch Magnesium enthält und den ich auch höher dosiere als früher. Meiner Erfahrung nach sind die braunen Blattspitzen eher auf einen Mangel an Calcium und Magnesium und nicht auf zu hohe Düngergaben zurückzuführen. Im Sommer bekommen meine Hybriden zwischen 350 und 450 Mikrosiemens bei jedem Wässern. Nur im Winter  stelle ich das Düngen komplett ein. Die angereicherten Salze im Substrat genügen den Pflanzen, um durch die dunkle Jahreszeit zu kommen.

Mein Standard-Phragmipedium-Substrat ist eine Mischung aus Rinde, Perlite, Bimskies und Holzkohle. Die Körnung der Rinde passe ich an die Topfgröße an. Bei kleinen Töpfen nehme ich feinere Rinde, bei großen Töpfen verwende ich gerne gröbere. Perlite verwende ich in der Körnung 2-4 Millimeter. Durch ihr geringes Gewicht machen sie das Substrat locker und sorgen für eine gute Belüftung der Wurzeln. Der Bimskies versorgt die Pflanzen zusätzlich mit Calcium, da er diesen durch die andauernde Feuchtigkeit freigibt. Die Körnung spielt dabei nur eine untergeordnete Rolle. Ich nutze gerne 5-10 Millimeter. Um einige trockenere Stellen im Pflanzstoff zu schaffen, füge ich immer Holzkohle in einer Körnung von 7-14 Millimeter hinzu. Die Holzkohle saugt sich nicht mit Wasser voll und bleibt trocken. Durch die etwas gröberen Brocken entstehen zusätzlich ein paar Luftlöcher im Substrat, die eine Luftzirkulation im Topf zulassen.

Natürlich gibt es auch einige andere Substrate, die gut für Phragmipedium geeignet sind. Jedes hat seine eigenen Vor- und Nachteile. Der größte Nachteil von Rinde ist, dass sie regelmäßig gewechselt werden muss, da sie durch die Dauerfeuchte sehr schnell zerfällt. Mineralische Sustrate zerfallen nicht und müssen daher nicht so oft gewechselt werden. Jeder sollte da seine eigenen Erfahrungen machen und ausprobieren, was zu seiner Kultur am besten passt. Außer mit meinem Standardsubstrat habe ich auch gute Erfahrungen gemacht mit:

  • Akadama
  • Sphagnum-Moos
  • Steinwollwürfeln
  • Bimskies
  • Lavagranulat

Im Sommer stehen Phragmipedien gerne im Freien, da sie Frischluft und Luftbewegung wirklich lieben. Ein Muss ist der Aufenthalt im Freien aber nicht. Auch eine ganzjährige Kultur in der Wohnung ist möglich, wenn regelmäßig gelüftet wird. Steht die Luft zu lange, bilden sich am Ansatz der Triebe leicht Pilze, die unbehandelt die ganze Pflanze vernichten können. Die hohenTemperaturen im Sommer vertragen meine Pflanze allesamt sehr gut, wenn die Luftfeuchtigkeit hoch ist. Dies erreiche ich durch die großen mit Wasser gefüllten Wannen, die reichlich Feuchtigkeit verdunsten. Ich benutze keinen zusätzlichen Nebler. Die nächtlichen Temperaturen liegen bei mir zwischen 14 und 18 Grad, je nach Außentemperatur. An bewölkten Wintertagen liegen sie bei etwa 24 Grad. Wenn die Sonne auf das große Fenster scheint, steigen sie auch mal über 30 Grad. Im Sommer sollte direkte Mittagssonne vermieden werden, da die Blätter sehr schnell verbrennen können. Es gibt einzelne Pflanzen, die nicht so empfindlich zu sein scheinen, allerdings wachsen alle Pflanzen nach meiner Erfahrung etwas schattiger besser. Auch die Blattfarbe ist bei schattiger Kultur dunkler und kräftiger. Bei zu wenig Licht werden die Blätter der Neutriebe länger und schmaler. Meist fällt dann auch die Blüte aus. Im Winter darf die Sonne auch mittags unschattiert auf die Pflanzen fallen.

Phragmipedium Ely’s Colombian Pride ist ein zuverlässiger Blüher, der über viele Wochen hinweg eine Blüte nach der anderen öffnet. Da beide Elternteile recht kompakte Größen haben, bleibt auch die Hybride absolut fensterbanktauglich. Viel Erfolg beim Kultivieren!

Autor: Thomas Jacob

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Seitenansicht Phragmipedium Ely’s Colombian Pride (Foto: Thoma Jacob)
Phragmipedium Ely’s Colombian Pride  im Profil (Foto: Thoma Jacob)
Habitus von Phragmipedium Ely’s Colombian Pride (Foto: Thoma Jacob)