Deutsche Orchideen-Gesellschaft e.V.

Phalaenopsis Mini Mark

Am 13. Juli 2020 um 0:01 veröffentlicht. Kategorie: ,

Phalaenopsis Mini Mark

Phalaenopsis Mini Mark ‚Maria Theresa‘ – ein eher klein bleibender Klon der Kreuzung (Foto: Thomas Lehmann)

Mark Rose, der ehemalige Inhaber der amerikanischen Orchideenzucht Breckinridge Orchids, meldete diese Hybride  bei der Royal Horticultural Society (RHS) an, woraufhin sie am 21. Januar 1992 in das dortige Orchideenregister eingetragen wurde. Über die Jahre entwickelte sich die Kreuzung aus Phalaenopsis Micro Nova und Phalaenopsis philippinensis zu einer regelrechten Kultpflanze, die nicht nur durch ihre Schlichtheit überzeugt. Sie ist außerdem problemlos in der Kultur und dazu noch sehr blühfreudig. Gleich mehrere Orchideengärtner in Europa produzierten diesen Kassenschlager durch Meristemierung in einer Millionenauflage und vermarkteten Phalaenopsis Mini Mark sehr erfolgreich. Pflanzen der Kreuzung finden sich sowohl bei vielen Orchideengärtnern als auch in etlichen Bau- und Gartenmärkten. Die kleinen weißen Blüten mit den feinen violettroten Punkten und der gelborangefarbenen Lippe erinnern mich immer an ein Spiegelei mit Paprikapulver. Da der Elternteil Phalaenopsis Micro Nova eine Primärhybride ist, sind lediglich drei Naturformen am Genpool von Phalaenopsis Mini Mark beteiligt:

  • 50% Phalaenopsis philippinense
  • 25% Phalaenopsis lobbii
  • 25% Phalaenopsis maculata
Phalaenopsis Mini Mark ‚3 Lips‘, die labelloide Form (Foto: Thomas Lehmann)

Auf jede einzelne dieser drei Naturformen möchte ich in diesem Beitrag nicht eingehen. Alle beteiligten Arten wachsen epiphytisch unter warmen Bedingungen in asiatischen Regenwäldern. Man findet sie eher in schattigen, vor direkter Sonneneinstrahlung geschützten Bereichen. Das ganze Jahr über herrscht sehr hohe Luftfeuchtigkeit mit regelmäßigen Niederschlägen in Form von Nebel und Regen. Alle Pflanzen der Gattung Phalaenopsis wachsen monopodial und haben fleischige, feste Blätter, die wechselständig angeordnet sind. Die Infloreszenzen entstehen am Stamm zwischen den einzelnen Blättern.

Die Hybride Phalaenopsis Mini Mark bleibt recht kompakt und zählt zu den mittelgroßen Phalaenopsen. Ihre Infloreszenzen wachsen eher überhängend und nicht aufrecht. Sie können sehr  lang werden und über viele Monate immer wieder neue Knospen hervorbringen, solange der Blütentrieb nicht eintrocknet. Die Infloreszenzen von Phalaenopsis Mini Mark bleiben recht dünn und dadurch sehr flexibel, sodass sie auch unproblematisch hochgebunden werden können. Die Blüten sind ca. 3 cm breit und fast genauso hoch. Die Grundfarbe ist weiß, lediglich der Klon ‚Sunsplash‘ und die labelloide Form ‚3 Lips‘ sind an den Petalen entweder zart gelb überhaucht oder orangegelb durchgefärbt. Alle Tepalen sind mit feinen violettroten Punkten besetzt.

Eine Kultur auf der Fensterbank ist ohne großen Aufwand möglich. Da die beteiligten Naturformen allesamt hohe  Temperaturen mögen, ist auch ein gut beheiztes Wohnzimmer im Winter ein geeigneter Ort für diese Phalaenopsis-Hybride. Nachts sollten die Temperaturen niemals unter 16-18 Grad fallen. Auch die Luftfeuchtigkeit sollte nicht allzu niedrig sein, was besonders im Winter, wenn die Heizung läuft, schnell passiert. Wasserschalen, die zwischen den Orchideen platziert werden, können Abhilfe schaffen. Regelmäßiges Besprühen sollte vermieden werden, auch wenn dies in einigen Quellen empfohlen wird. Zum einen steigt die Luftfeuchtigkeit nach dem Sprühen nur sehr kurz an. Dies lässt sich sehr leicht mit einem Hygrometer testen. Direkt nach dem Sprühen werden 70-90% Luftfeuchtigkeit angezeigt. Nach 1-2 Minuten fällt der Wert aber rasant wieder ab. Zum anderen ist die Gefahr groß, dass sich beim Sprühen Wasser in den Blattachseln sammelt. Trocknet das stehende Wasser wegen der mangelnden  Luftbewegung nicht schnell genug ab, droht Fäulnis, die nur schwer zu behandeln ist. Meistens verliert man seine Pflanze dadurch.

Als Pflanzstoff für Phalaenopsis eignet sich Rinde in mittlerer bis grober Körnung am besten. Bei sehr kleinen Töpfen geht auch Substrat aus Kokosfasern gut. Wichtig ist, dass die Feuchtigkeit innerhalb von ein paar Tagen – höchstens einer Woche – komplett abtrocknet. Dauert es wesentlich länger, bis der Topf durchgetrocknet ist, ist das Substrat zu fein. Phalaenopsis-Pflanzen zeigen uns ganz genau, wann sie gegossen werden sollten. Sobald die Wurzeln im Topf silbrig weiß sind, kann gewässert werden. Ein ausgiebiges Tauchbad, bis sich das Velamen der Wurzeln vollgesogen hat und diese wieder sattgrün sind, ist besser als das oft erwähnte „Schnapsglas in der Woche“. Erst wenn die Wurzeln wieder ganz silbrig sind und im Topf keine Feuchtigkeit mehr zu sehen ist, wird wieder gewässert. Durch den Einsatz von transparenten Töpfen lässt sich der Feuchtigkeitshaushalt sehr gut beobachten. Das Tauchwasser darf bei dieser Hybride den Sommer über einen Leitwert von 300-450 Mikrosiemens/cm haben. Im Winter sollte es etwas weniger Salzgehalt sein. 200 Mikrosiemens/cm reichen in den dunklen Monaten, es sei denn man arbeitet mit künstlicher Beleuchtung, die den Stoffwechsel der Pflanze auch im Winter hochhält. Gelegentlich sollte man das Substrat mit klarem Wasser durchspülen, um ein Versalzen des Pflanzstoffes zu vermeiden.

Im Sommer, oft auch schon ab März, muss unbedingt darauf geachtet werden, dass die Blätter vor direkter Sonneneinstrahlung geschützt werden, damit sie nicht verbrennen. Kurzfristiger Sonnenschein in den frühen Morgen- und späten Abendstunden wird jedoch vertragen. Bis in den September hinein schattiere ich deswegen mein Südseitenfenster mit einem dünnen Vorhang, der die Sonnenstrahlung abmildert, aber noch genug Licht hindurchlässt. Von Oktober bis Februar, wenn die Sonne tief steht und meist durch Wolken oder Nebel verdeckt ist, kann Phalaenopsis Mini Mark auch unschattiert auf dem Fensterbrett stehen.

Ihre wirklich an Spiegeleier erinnernden kleinen Blüten machen diese blühfreudige Hybride zu einem echten Hingucker auf jeder Fensterbank. Viel Erfolg beim Kultivieren!

Autor: Thomas LEHMANN

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Zart gelb überhauchte Petalen findet man beim Klon ‚Sunsplash‘. (Foto: Thomas Lehmann)
Die Blüten dieser Pflanze sind im unteren Bereich grün überhaucht. Die Pflanze stammt aus der ursprünglichen Aussaat und wurde nicht durch Meristeme vermehrt. (Foto: Thomas Lehmann)
Phalaenopsis Mini Mark macht oft mehrere Infloreszenzen gleichzeitig. (Foto: Thomas Lehmann)
Phalaenopsis Mini Mark ‚Maria Theresa‘ im direkten Vergleich mit der labelloiden Form (Foto: Thomas Lehmann)