Deutsche Orchideen-Gesellschaft e.V.

Phalaenopsis Liu’s Yellow Star Dust

Am 17. Dezember 2018 um 0:01 veröffentlicht. Kategorie:

Phalaenopsis Liu’s Yellow Star Dust

Phalaenopsis Liu`s Yellow Star Dust (Foto: Thomas LEHMANN)
Die Hybride kann schon blühen, wenn sie noch sehr klein ist (Foto: Thomas LEHMANN)

Phalaenopsis Liu’s Yellow Star Dust ist eine sehr komplexe Hybride von Kuang Feng Ji An Orchids, die am 25. September 2012 bei der RHS (Royal Horticultural Society) registriert wurde. Hwa-Tung LIU, der Besitzer der Orchideengärtnerei, kreuzte einige Jahre zuvor Phalaenopsis Caribbean Sunset mit der Naturform Phalaenopsis finleyi und brachte diese Kreuzung erstmalig im Jahr 2012 zur Blüte. Insgesamt sind fünf Arten der Gattung Phalaenopsis an dieser Hybride beteiligt. Der Genpool teilt sich wie folgt auf:

  • 50% Phalaenopsis finleyi
  • 12,5% Phalaenopsis amboinensis
  • 12,5% Phalaenopsis equestris
  • 12,5% Phalaenopsis mannii
  • 12,5% Phalaenopsis stuartiana

Auf jede einzelne dieser Arten werde ich nicht im Speziellen eingehen. Das würde den Rahmen dieses Beitrags sprengen. Generell sind aber alle 5 Arten Epiphyten, die unter warmen bis heißen Bedingungen wachsen. Sie alle bevölkern unterschiedliche Gebiete im asiatischen Raum und zählen zu den kleinwüchsigen bis mittelgroßen Phalaenopsis-Arten. Niederschläge gibt es an sämtlichen Standorten regelmäßig. Sowohl starker Nebel wie auch Regenschauer sorgen für ein ganzjährig feuchtes Klima ohne ausgeprägte Trockenzeit. Die Pflanzen wachsen allesamt in eher schattigen Lagen und sind höchstens im Winter der vollen Sonne ausgesetzt.

Mehr als zwei Blüten gleichzeitig hat meine kleine Pflanze von Phal. Liu`s Yellow Star Dust noch nicht geschafft. Dafür halten die Blüten lange und es kommen oft weitere nach. (Foto: Thomas LEHMANN)

Eine Kultur auf der Fensterbank ist ohne großen Aufwand möglich. Da die beteiligten Naturformen allesamt warme bis heiße Temperaturen mögen, ist auch ein gut beheiztes Wohnzimmer im Winter ein geeigneter Ort für diese Phalaenopsis-Hybride. Nachts sollten die Temperaturen niemals unter 16-18 Grad fallen. Auch die Luftfeuchtigkeit sollte nicht allzu niedrig sein, was besonders im Winter, wenn die Heizung läuft, schnell passiert. Wasserschalen, die zwischen den Orchideen platziert werden, können Abhilfe schaffen. Regelmäßiges Besprühen sollte vermieden werden, auch wenn dies in einigen Quellen empfohlen wird. Zum einen steigt die Luftfeuchtigkeit nach dem Sprühen nur sehr kurz an. Dies lässt sich sehr leicht mit einem Hygrometer testen. Direkt nach dem Sprühen werden 70-90% Luftfeuchtigkeit angezeigt. Nach 1-2 Minuten fällt der Wert aber rasant wieder ab. Zum anderen ist die Gefahr groß, dass sich beim Sprühen Wasser in den Blattachseln sammelt. Trocknet das stehende Wasser wegen der mangelnden  Luftbewegung nicht schnell genug ab, droht Fäulnis, die nur schwer zu behandeln ist. Meistens verliert man seine Pflanze dadurch.

Seitenansicht der Blüte (Foto: Thomas LEHMANN)

Als Pflanzstoff für Phalaenopsis eignet sich Rinde in mittlerer bis grober Körnung am besten. Bei sehr kleinen Töpfen geht auch Substrat aus Kokosfasern gut. Wichtig ist, dass die Feuchtigkeit innerhalb von ein paar Tagen – höchstens einer Woche – komplett abtrocknet. Dauert es wesentlich länger, bis der Topf durchgetrocknet ist, ist das Substrat zu fein. Phalaenopsis zeigen uns ganz genau, wann sie gegossen werden sollten. Sobald die Wurzeln im Topf silbrig weiß sind, kann gewässert werden. Ein ausgiebiges Tauchbad, bis sich das Velamen der Wurzeln vollgesogen hat und diese wieder sattgrün sind, ist besser als das oft erwähnte „Schnapsglas in der Woche“. Erst wenn die Wurzeln wieder komplett silbrig sind und im Topf keine Feuchtigkeit mehr zu sehen ist, wird wieder gewässert. Durch den Einsatz von transparenten Töpfen lässt sich der Feuchtigkeitshaushalt sehr gut beobachten.

Das Tauchwasser darf bei dieser Hybride den Sommer über einen Leitwert von 300-350 Mikrosiemens haben. Im Winter sollte es etwas weniger Salzgehalt sein. 200 Mikrosiemens reichen in den dunklen Monaten, es sei denn man arbeitet mit künstlicher Beleuchtung, die den Stoffwechsel der Pflanze auch im Winter hochhält. Gelegentlich sollte man das Substrat mit klarem Wasser durchspülen, um ein Versalzen des Pflanzstoffes zu vermeiden.

Im Sommer, oft auch schon ab März, muss unbedingt darauf geachtet werden, dass die Blätter vor direkter Sonneneinstrahlung geschützt werden, damit sie nicht verbrennen. Kurzfristiger Sonnenschein in den frühen Morgen- und späten Abendstunden wird jedoch vertragen. Bis in den September hinein schattiere ich deswegen mein Südseitenfenster mit einem dünnen Vorhang, der die Sonnenstrahlung abmildert, aber noch genug Licht hindurchlässt. Von Oktober bis Februar, wenn die Sonne tief steht und meist durch Wolken oder Nebel verdeckt ist, kann Phalaenopsis Liu`s Yellow Star Dust auch unschattiert auf dem Fensterbrett stehen.

Eine sehr ausdrucksstarke und eigenwillige Blütenform, die ich immer gerne als „Sturmfrisur“ bezeichne, ist das besondere Merkmal dieser einfach zu pflegenden Hybride. Viel Erfolg beim Kultivieren!

Autor: Thomas LEHMANN

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50% Phalaenopsis finleyi sind im Genpool der Hybride vertreten (Foto: D.O.G.-Archiv)
Phalaenopsis amboinensis ‚Gerda‘ SM/DOG – Diese Naturform ist mit 12,5% am Genpool beteiligt (Foto: D.O.G.-Archiv)
Phalaenopsis equestris gibt ebenfalls 12,5% der Gene an die Hybride (Foto: D.O.G.-Archiv)
Phalaenopsis mannii ‚Barbarossa‘ SM/DOG – Auch diese Naturform beteiligt sich mit 12,5% (Foto: D.O.G.-Archiv)
Die letzten 12,5% kommen von Phalaenopsis stuartiana – auf dem Foto der Klon ‚Weißkirchen‘ SM/DOG (Foto: D.O.G.-Archiv)