Deutsche Orchideen-Gesellschaft e.V.

Phalaenopsis equestris

Am 6. Mai 2019 um 0:01 veröffentlicht. Kategorie: ,

Phalaenopsis equestris

Phalaenopsis equestris (Foto: Thomas Lehmann)

Die Erstbeschreibung dieser klein bleibenden Naturform erfolgte durch den deutschen Botaniker Johannes Conrad SCHAUER. In seinem Werk „Novorum Actorum Academiae Caesareae Leopoldinae-Carolinae Naturae Curiosorum“ aus dem Jahr 1843 gruppierte er die Art in die Gattung Stauroglottis ein. Sieben Jahre später – im Mai 1850 – erfolgte bereits die Umkombination zur Gattung Phalaenopsis durch Heinrich Gustav REICHENBACH, der ebenfalls ein deutscher Botaniker war. Den vorherigen Gattungsnamen verwendete REICHENBACH fil. für die Sektion Stauroglottis, da er für die Art passend war. Stauroglottis bedeutet übersetzt soviel wie „Kreuzzunge“. Mit den länglichen Seitenlappen der Lippe bildet diese ein Kreuz. REICHENBACH fil. veröffentlichte diese Umkombination in „Linnaea; Ein Journal für die Botanik in ihrem ganzen Umfange“. Bei den meisten Neubeschreibungen, die darauf folgten, handelte es sich um Varietäten bzw. Farbformen der Art, wie zum Beispiel die bereits vorgestellte Phalaenopsis equestris var. rosea. Schon über 150 Jahre zählt Phalaenopsis equestris also zur selben Gattung. Man könnte fast meinen, sie wäre von den Taxonomen bisher übersehen worden! In der World Checklist of Selected Plant Families (WCSP) der Kew Gardens sind alle beschriebenen Farbformen und Varietäten lediglich als Synonym geführt, was ich persönlich schade finde, da sie sich doch oft in einigen typischen Merkmalen unterscheiden. Die endemische Varietät Phalaenopsis equestris var. rosea zum Beispiel, hat, wie im Beitrag dazu ausführlich beschrieben, eine ganz typische Blütenform, die sich klar von der Standardform abgrenzen lässt.

Phalaenopsis equestris ‚3 Lips‘ – eine weitverbreitete labelloide Form, die auch unter dem Kultivar ‚Fairy Tale‘ angeboten wird (Foto: Thomas Lehmann)

Das natürliche Verbreitungsgebiet von Phalaenopsis equestris erstreckt sich vom südlichen Taiwan über die gesamten Philippinen. Man findet sie dort in heißen Tälern vom Meeresspiegel bis auf Höhen um die 300 Meter darüber. Die Art wächst epiphytisch auf Bäumen entlang von Flüssen und Bächen. Die Temperaturen sind ganzjährig sehr warm bis heiß. Nur äußerst selten fallen sie in den Winternächten unter 20 Grad. Auch Niederschläge gibt es durch alle Jahreszeiten hindurch, allerdings in den Wintermonaten etwas weniger als im Sommer. Durch das Laub der immergrünen Bäume, auf denen sie aufsitzt, ist Phalaenopsis equestris ganzjährig vor der prallen Sonne geschützt, lediglich die tiefstehende Morgen- oder Abendsonne erreicht unter Umständen die Pflanzen. Die Luftfeuchtigkeit ist ganzjährig sehr hoch.

Die wirklich kleinbleibenden Pflanzen bilden einen recht kurzen Stamm aus, der fast vollständig von den wechselständigen, festen Blättern umschlossen wird. Die Blätter sind dunkelgrün, leicht glänzend und oval geformt. Die kleinen Blüten sind ca. 3-4 cm breit und 2,5-3 cm hoch. Die Ausfärbung der Blüten variiert von Weiß über Orange zu Rosa und kann bis ins Violette gehen. Phalaenopsis equestris neigt stark zur Kindelbildung und blüht sehr reichlich, fast das ganze Jahr hindurch. An alten Blütentrieben können immer wieder neue Knospen entstehen, weshalb man die Blütentriebe nicht abschneiden sollte, solange sie nicht eintrocknen.

Ganz kurz möchte ich noch auf die Mutationsfreudigkeit von Phalaenopsis equestris eingehen. Die Art neigt sehr stark dazu, an den Petalen zu mutieren. Meistens versuchen die Petalen dann die Farbe und Form des Labellums anzunehmen. Solche Pflanzen werden immer wieder als „pelorisch“ oder „peloric“ verkauft, was nicht wirklich stimmt. Eine echte Pelorie muss radiärsymmetrisch sein. Das heißt vereinfacht gesagt, dass sie mindestens 3 – oder mehr – Spiegelachsen haben muss. Aber nur die allerwenigsten Phalaenopsis zeigen bei einer Mutation der Petalen wirklich diese drei Spiegelachsen und wenn, dann ist diese Mutation oft nicht stabil und taucht nur sporadisch auf. Die stabilen Mutationen von Phalaenopsis equestris sind einfach nur achsensymmetrisch, d. h. sie haben lediglich eine Spiegelachse. Somit ist der Begriff „pelorisch“ eigentlich falsch. Olaf GRUSS nennt diese Formen in seinem Buch „Alle Phalaenopsis-Arten im Bild“ labelloid. Diesen Begriff halte ich für wesentlich besser geeignet.

Phalaenopsis equestris ‚Struber‘ BM/DOG – eine ebenfalls labelloide Form (Foto: Thomas Lehmann)

Die Kultur dieser Naturform ist recht einfach, solange man die hohen Temperaturen auch im Winter bieten kann. Ich versuche nachts möglichst nicht unter 20 Grad zu kommen. In besonders kalten Winternächten geht es mal auf 18-19 Grad runter, kälter hat sie es aber nie bei mir. Tagsüber sorge ich für 24 Grad Minimum an trüben Tagen, an sonnigen Wintertagen geht es auch schnell mal auf 30 Grad und höher. Im Sommer sind die Temperaturen ja nicht das Problem. Im Winter steht die Pflanze unschattiert an der Südseite, im Sommer wird schattiert, da die Blätter sonst durch die starke Sonneneinstrahlung verbrennen würden. Am Naturstandort sind die Pflanzen durch das Laub der Bäume, auf denen sie wachsen, davor geschützt.

Ich persönlich halte Rindenstücke für das beste Substrat bei der Kultur von Phalaenopsis im Topf, da sie als Epiphyten viel Luft und Licht an den Wurzeln gewohnt sind. Die Körnungsgröße der Rinde mache ich abhängig von der Pflanzen- und Topfgröße. Bei kleinen Kindeln und Jungpflanzen nehme ich auch mal 6-9 mm, bei größeren Phalaenopsis equestris 9-12 mm. Manchmal mische ich etwas Tongranulat und Perlite mit unter. Natürlich kann man Phalaenopsis auch aufgebunden mit etwas Moos kultivieren, oder auch in Moos getopft klappt bei einigen gut. Mit dem Aufbinden von Phalaenopsis habe ich keinerlei Erfahrungen und kann deswegen auch nichts dazu sagen. Getopft in Moos habe ich mehrmals versucht, wirklich funktioniert hat es bei mir leider nie. Man braucht dafür ein extrem gutes Gefühl für die Wassergaben, welches mir scheinbar nicht in die Wiege gelegt wurde.

Phalaenopsis werden bei mir nicht gegossen, sondern getaucht. Ich tauche den Topf für 2-3 Minuten in Wasser, bis sich die Wurzeln vollgesogen haben und grün sind. Danach darf der Topf abtropfen und wieder zurück an seinen Platz. Sobald die Wurzeln wieder komplett silbrig sind, wird erneut getaucht. Der Zeitraum ist von Pflanze zu Pflanze verschieden und außerdem abhängig von der Jahreszeit. Auch Topfgröße und Substrat spielen eine große Rolle. Ein kleiner Topf trocknet schneller ab als ein großer, grobes Substrat schneller als feines. Mit der Zeit bekommt man aber ein Gefühl dafür, wann welche Pflanze Wasser braucht. Ich benutze grundsätzlich nur transparente Töpfe, da ich in diesen natürlich sehr gut sehen kann, wie viel Feuchtigkeit noch im Topf ist. Besonders den epiphytisch wachsenden Orchideen tun diese transparenten Töpfe auch deshalb gut, da sie Licht an die Wurzeln lassen, welche bei Phalaenopsis in der Lage sind, Photosynthese zu betreiben.

Das Gießwasser hat bei meinen Phalaenopsis equestris ca. 200-300 Mikrosiemens/cm Leitfähigkeit. Wenn gedüngt wird ‒ bei mir nur im Sommer, in etwa alle 2-4 Wochen ‒ gehe ich inzwischen auf 400-500 Mikrosiemens/cm hoch. Im Winter findet durch das wenige Licht kaum Photosynthese statt und somit wird auch wenig Nährstoff benötigt. Anders sieht es aus, wenn man im Winter zusätzlich mit künstlicher Beleuchtung arbeitet. Dann kann auch im Winter gedüngt werden.

Wie oben schon erwähnt, neigt Phalaenopsis equestris sehr zur Kindelbildung. Anders als der weitverbreitete Glauben, dass Kindelbildung immer ein Zeichen für eine absterbende Mutterpflanze ist, ist das bei den Arten aus der Sektion Stauroglottis vollkommen normal. Besonders ältere Pflanzen bilden oft mehrere Blütentriebe aus, die mit zahlreichen kleinen Blüten bestückt sind und teilweise viele Monate lang immer neue Knospen nachschieben. Phalaenopsis equestris ist bei richtiger Kultur also ein echter Dauerblüher!

Autor: Thomas Lehmann

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Phalaenopsis equestris ‚Anja‘ BM/DOG in der Kategorie Kultur (Foto: D.O.G.-Archiv)
Phalaenopsis equestris ‚Anja‘ BM/DOG in der Kategorie Botanische Art (Foto: D.O.G.-Archiv)
Phalaenopsis equestris var. rosea, die wir bereits im letzten Jahr als „Orchidee der Woche“ vorgestellt hatten (Foto: Thomas Lehmann)
Die labelloide Phalaenopsis equestris ‚3 Lips‘ (Foto: Thomsa Lehmann)
Eine fast weiße Form von Phalaenopsis equestris (Foto: Thomas Lehmann)