Deutsche Orchideen-Gesellschaft e.V.

Paraphadenia Juraj Kojs

Am 14. September 2020 um 0:00 veröffentlicht. Kategorie: ,

Paraphadenia Juraj Kojs

Paraphadenia Juraj Kojs (Foto: Thomas Jacob)

Die Orchideenzucht Kultana Orchids, die in Bangkok ansässig ist und sich auf die Zucht von Orchideen und deren Export spezialisiert hat, bestäubte für diese Hybride eine Blüte von Seidenfadenia mitrata mit dem Pollen einer Paraphalaenopsis labukensis. Am 09. Oktober 2019 wurde Paraphadenia Juraj Kojs in das Register der Royal Horticultural Society eingetragen – angemeldet von der US-amerikanischen  Orchideengärtnerei R. F. Orchids in Florida, wo sie auch erstmals zur Blüte gekommen war. Benannt wurde sie nach Juraj Kojš, Leiter der Music and Multimedia Programs der Harold Golen Gallery in Wynwood, Miami. Der gebürtige Slovake kreiert selbst Musik- und Multimedia-Installationen, produziert die Musik anderer Künstler und unterrichtet an der Universität.

Paraphalaenopsis labukensis (Foto: D.O.G.-Archiv)

Seidenfadenia mitrata ist heimisch in Myanmar, Laos und Thailand. Sie wächst dort ausschließlich epiphytisch auf Bäumen. Die Standorte liegen auf Höhen von 100 – 800 Metern über dem Meeresspiegel. Die Temperaturbedingungen sind ganzjährig warm bis heiß. Während es in den Sommermonaten durch den Monsun sehr viel Niederschlag gibt, sind die Wintermonate von trockener Wärme geprägt. Die Luftfeuchtigkeit ist ganzjährig sehr hoch. Im malaysischen Bundesstaat Sabah ist der zweite Elternteil – Paraphalaenopsis labukensis – heimisch. Auch sie wächst epiphytisch an Bäumen. Die Standorte liegen 500 bis 1000 Meter über dem Meeresspiegel. Monsunregen und Temperaturbedingungen sind ebenfalls identisch mit denen von Seidenfadenia mitrata. Allerdings erreicht Paraphal. labukensis deutlich größere Ausmaße. In Kultur kann das herabhängende und stiftförmige Laub bis zu 2 Meter lang werden.

Seidenfadenia mitrata (Foto: Thomas Jacob)

Von einem kurzen Stamm hängen bei meiner Paraphadenia Juraj Kojs sehr schmale, fast röhrenartige Blätter herab, die bisher ca. 30 cm lang sind. Ich hoffe, dass die Hybride nicht im Laufe der Jahre die Ausmaße von Paraphal. labukensis annimmt. Das Laub ist sehr fest und fleischig. Paraphadenia Juraj Kojs wächst nie aufrecht, sondern immer überhängend. Die Infloreszenzen entspringen am Stamm zwischen den Blättern und sind immer deutlich kürzer als das Laub. Meist verzweigen sich die Blütentriebe nicht. Die Wurzeln sind, für Epiphyten typisch, sehr dick und fest. Das Velamen speichert bei Regen Wasser und verfärbt sich grün. Sobald die gespeicherte Feuchtigkeit an die Pflanze abgegeben wurde, sind die Wurzeln wieder silbrig grau. An den Infloreszenzen bilden sich mehrere Blüten, die zart duften. Die Grundfarbe der Blüten variiert von weiß über gelbgrün bis zu bräunlich, manchmal sind sie zart rosa überhaucht. Das Labellum und die Spitze der Säule sind leuchtend rosa bis violettrot gefärbt. Blütezeit ist vom späten Frühjahr bis in den frühen Sommer.

Ich erhielt meine Pflanze wurzelnackt in einem kleinen Plastikkörbchen. Die Wurzeln waren zwar nicht zahlreich, aber es gab einige aktive Wurzelspitzen, die durch die Umstellung vom Gewächshaus des Orchideengärtners in meine Wohnung leider alle recht zügig inaktiv wurden. Die Luftfeuchtigkeit in meiner Wohnung schien also deutlich zu niedrig zu sein, obwohl ich regelmäßig zweimal täglich die Wurzeln für 5 Minuten in einem Wasserbad tauchte. Da der Elternteil Paraphal. labukensis in Rinde getopft zu kultivieren ist, Seidenfadenia mitrata aber auch bei mir sehr gut wurzelnackt auf Holz gedeiht, entschied ich mich für eine Zwischenlösung. Die Pflanze blieb in ihrem Körbchen und wurde damit in sehr grobe Rinde getopft, sodass die Wurzeln nicht zu zügig abtrocknen, der Stamm aber in jedem Fall sehr schnell trocknen kann. In diesem System kultivierte ich sie dann wie meine Phalaenopsen. Schon kurz nach dem Umtopfen bildeten sich wieder neue Wurzelspitzen. Im Wohnraum scheint sie sich also getopft wohler zu fühlen als wurzelnackt oder aufgebunden.

Durch diese Methode ist eine Kultur auf der Fensterbank ohne großen Aufwand möglich. Da die beteiligten Naturformen allesamt warme bis heiße Bedingungen mögen, ist auch ein gut beheiztes Wohnzimmer im Winter ein geeigneter Ort für Paraphadenia Juraj Kojs. Nachts sollten die Temperaturen niemals unter 15-18 Grad fallen. Im Sommer, oft auch schon ab März, muss unbedingt darauf geachtet werden, dass die Blätter vor zu starker Mittagssonne geschützt werden, damit sie nicht verbrennen. Kurzfristiger Sonnenschein am Vor- und Nachmittag wird jedoch vertragen. Bei sehr heller Kultur färben sich die Blätter leicht rötlich. Bis in den September hinein schattiere ich deswegen mein Südseitenfenster mit einem dünnen Vorhang, der die Sonnenstrahlung abmildert, aber noch genug Licht hindurchlässt. Von Oktober bis Februar, wenn die Sonne tief steht und meist durch Wolken oder Nebel verdeckt ist, kann Paraphadenia Juraj Kojs auch unschattiert auf dem Fensterbrett stehen.

Als Pflanzstoff eignet sich Rinde in grober Körnung am besten. Wichtig ist, dass die Feuchtigkeit innerhalb von wenigen Tagen komplett abtrocknet. Dauert es länger, bis der Topf durchgetrocknet ist, ist das Substrat zu fein. Epiphyten zeigen uns ganz genau, wann sie gegossen werden sollten. Sobald die Wurzeln im Topf silbrig weiß sind, kann gewässert werden. Ein ausgiebiges Tauchbad für wenige Minuten genügt, sodass sich das Velamen der Wurzeln wieder vollsaugt und diese wieder sattgrün sind. Erst wenn die Wurzeln wieder komplett silbrig sind und im Topf keine Feuchtigkeit mehr zu sehen ist, wird wieder gewässert. Durch den Einsatz von transparenten Töpfen lässt sich der Feuchtigkeitsgehalt sehr gut beobachten.

Das Tauchwasser darf bei dieser Hybride den Sommer über einen Leitwert von 300-500 Mikrosiemens/cm haben. Im Winter sollte es etwas weniger Salzgehalt sein. 200 Mikrosiemens/cm reichen in den dunklen Monaten, es sei denn, man arbeitet mit künstlicher Beleuchtung, die den Stoffwechsel der Pflanze auch im Winter hochhält. Gelegentlich sollte man das Substrat mit klarem Wasser durchspülen, um ein Versalzen des Pflanzstoffes zu vermeiden.

Die außergewöhnliche Form des Laubs zieht alle Blicke auf sich. Somit ist Paraphadenia  Juraj Kojs auch ohne Infloreszenzen ein echter Hingucker. Viel Erfolg beim Kultivieren!

Autor: Thomas Jacob

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Habitus von Paraphadenia Juraj Kojs (Foto: Thomas Jacob)
Seitenansicht von Paraphadenia Juraj Kojs (Foto: Thomas Jacob)
In diesem Jahr gab es drei Infloreszenzen. (Foto: Thomas Jacob)
Ein Klon mit weniger nach hinten geneigten Blütenblättern (Foto: Thomas Jacob)