Deutsche Orchideen-Gesellschaft e.V.

Papilionanda Pink Fairy

Am 24. August 2020 um 0:01 veröffentlicht. Kategorie: ,

Papilionanda Pink Fairy

Papilionanda Pink Fairy (Foto: Thomas Jacob)

Die noch recht junge taiwanesische Orchideenzucht Ten Shin Gardens bestäubte vor gut zehn Jahren – nicht sonderlich lange nach Gründung des Unternehmens – die Blüte einer Vanda falcata mit dem Pollen einer Papilionanthe teres. Heraus kam die sehr gelungene Kreuzung Papilionanda Pink Fairy, die im Jahr 2014 in das Register der Royal Horticultural Society (RHS) eingetragen wurde. Pink Fairy heißt übersetzt pinkfarbene Fee, was wegen der rosa gefärbten Blüten der meisten Pflanzen, deren Form an eine Fee erinnert, sehr passend ist. Dennoch suchte ich mir bewusst ein weiß blühendes Individuum aus, da mir die großen weißen Blüten noch besser gefallen. Zusammen mit der wirklich auffälligen Wuchsform der Pflanzen wirken diese tatsächlich wie aus einem Märchenfilm entsprungen.

Habitus von Papilionanda Pink Fairy (Foto: Thomas Jacob)

Beheimatet ist Vanda falcata in Japan, Korea und auf den Ryūkyū-Inseln. Sie wächst dort ausschließlich epiphytisch unter kühlen und kalten klimatischen Bedingungen. Die kleinen Pflanzen besiedeln am Naturstandort meist laubabwerfende Bäume und haben somit schattige Sommer – im Winter sind sie dann der vollen Sonne ausgesetzt. Vanda falcata ist eine monopodial wachsende Orchidee, die ab einer bestimmten Größe mehrere fächerartig beblätterte Sprosse ausbildet. Die Blätter sind etwa 5-12 cm lang, dünn, kräftig und starr. Oft werden im Herbst die Blütentriebe angesetzt, die dann den Winter über ruhen und im Frühjahr weiterwachsen und zur Blüte kommen. Die Infloreszenz entspringt einer Blattachse, wird ca. 7 cm lang und trägt mehrere Blüten, die am Abend einen angenehmen Duft verbreiten. Die Blütenfarbe von V. falcata ist nicht so variabel, wie es scheint. Sie wird zwar in Weiß, Rosa, Gelb, Grün und Violett, teilweise einfarbig, teilweise zweifarbig angeboten, allerdings findet man in der Natur fast ausschließlich weiße Blüten, selten mit einem Hauch von Rosa oder Grün. Die Lippe ist bei den natürlichen Farbvariationen immer komplett weiß. Kräftigere Rosa-, Gelb-, Violett- oder Grüntöne sind Ergebnisse jahrhundertelanger Zucht, bei denen vermutlich andere Arten von Vandeen mit eingekreuzt wurden. An der Rückseite der Blüte befindet sich ein langer Sporn, der nach unten zeigt.

Papilionanthe teres ist eine groß wachsende Art, die weite Teile des asiatischen Kontinents besiedelt. Die monopodialen Pflanzen wachsen epiphytisch unter sehr warmen Bedingungen. Die Standorte liegen im Himalaya, in Assam, Bangladesch, Indien, Nepal und auf den Andamanen. Außerdem findet man die Art in Myanmar, Thailand, Laos und Vietnam. An einem langen und sehr dünnen Stamm sitzen wechselständig angeordnete, fast steckenartige Blätter, die 10-15 cm lang werden und dunkelgrün gefärbt sind. Papilionanthe teres wächst in voller Sonne und benötigt viel Licht, um zur Blüte zu kommen. Am Stamm entspringen die bis zu 30 cm langen Infloreszenzen, die 3-6 Blüten tragen. Die Blüten sind weiß bis rosafarben gefärbt und duften.

Aufgrund der sehr unterschiedlichen Ansprüche, die beide Elternteile haben, muss man in der Kultur ein wenig ausprobieren, was die eingene Pflanze mag und was nicht. Papilonanda Pink Fariy aus meiner Sammlung scheint das sehr helle, unschattierte Sonnenlicht auch im Sommer zu benötigen, damit sie zur Blüte kommt. Ob das bei allen Individuen der Kreuzung der Fall ist, kann ich nicht mit Sicherheit sagen. Je sonniger sie steht, desto mehr Wasser sollte man ihr geben, damit das Laub nicht zu stark dehydriert und faltig wird. Ansonsten scheint diese Hybride recht pfegeleicht zu sein – auch auf der Fensterbank.

Da der Elternteil Papilionanthe teres sehr hohe  Temperaturen mag, ist auch ein gut beheiztes Wohnzimmer im Winter ein geeigneter Ort für diese Hybride. Nachts fallen die Temperaturen in meinem Kulturraum niemals unter 16-18 Grad. Tagsüber klettert das Thermometer auch im Winter auf bis zu 30 Grad, besonders an sehr sonnigen Tagen. Natürlich sollte man versuchen, die Luftfeuchtigkeit möglichst hoch zu halten. Wasserschalen, die zwischen den Orchideen platziert werden, können helfen. Regelmäßiges Besprühen sollte vermieden werden, auch wenn dies in einigen Quellen empfohlen wird. Zum einen steigt die Luftfeuchtigkeit nach dem Sprühen nur sehr kurz an. Dies lässt sich sehr leicht mit einem Hygrometer testen. Direkt nach dem Sprühen werden 70-90% Luftfeuchtigkeit angezeigt. Nach 1-2 Minuten fällt der Wert aber rasant wieder ab. Zum anderen ist die Gefahr groß, dass sich beim Sprühen Wasser in den Blattachseln sammelt. Trocknet das stehende Wasser wegen der mangelnden  Luftbewegung in geschlossenen Räumen nicht schnell genug ab, droht Fäulnis, die nur schwer zu behandeln ist. Meistens verliert man seine Pflanze dadurch. Meine Papilionanda Pink Fairy steht ganzjährig sehr hell und erhält volle Sonne vom zeitigen Nachmittag bis zur Dämmerung.

Als Pflanzstoff eignet sich Rinde in mittlerer bis grober Körnung am besten. Wichtig ist, dass die Feuchtigkeit innerhalb von ein paar Tagen komplett abtrocknet. Dauert es wesentlich länger, bis der Topf durchgetrocknet ist, ist das Substrat zu fein. Epiphyten zeigen uns ganz genau, wann sie gegossen werden sollten. Sobald die Wurzeln im Topf silbrig weiß sind, kann gewässert werden. Ein ausgiebiges Tauchbad, bis sich das Velamen der Wurzeln vollgesogen hat und diese wieder sattgrün sind, ist besser als das oft erwähnte „Schnapsglas in der Woche“. Erst wenn die Wurzeln wieder ganz silbrig sind und im Topf keine Feuchtigkeit mehr zu sehen ist, wird wieder gewässert. An besonders heißen Tagen im Hochsommer gieße ich auch zwischen den Tauchgängen zusätzlich etwas Wasser, sodass die Wurzeln in dieser Zeit nicht ganz durchtrocknen. Durch den Einsatz von transparenten Töpfen lässt sich der Feuchtigkeitshaushalt sehr gut beobachten. Das Tauchwasser darf bei dieser Hybride den Sommer über einen Leitwert von 300-450 Mikrosiemens/cm haben. Im Winter sollte es etwas weniger Salzgehalt sein. 200 Mikrosiemens/cm reichen in den dunklen Monaten, es sei denn, man arbeitet mit künstlicher Beleuchtung, die den Stoffwechsel der Pflanze auch im Winter hochhält. Gelegentlich sollte man das Substrat mit klarem Wasser durchspülen, um ein Versalzen des Pflanzstoffes zu vermeiden.

Papilionanda Pink Fairy ist durch ihren eigenartigen Wuchs auch ohne Blüten ein echter Hingucker auf jeder Fensterbank und auch in jedem Gewächshaus. Viel Erfolg beim Kultivieren!

Autor: Thomas Jacob

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Papilionanda Pink Fairy – Größenvergleich mit meinem Daumen (Foto: Thomas Jacob)
Profilaufnahme einer Einzelblüte (Foto: Thomas Jacob)
Eine Infloreszenez mit vier Blüten von Papilionanda Pink Fairy (Foto: Thomas Jacob)
Seitenansicht der Infloreszenz (Foto: Thomas Jacob)