Deutsche Orchideen-Gesellschaft e.V.

Paphiopedilum Struber Zwerg

Am 4. Juni 2018 um 0:01 veröffentlicht. Kategorie:

Paphiopedilum Struber Zwerg

Paphiopedilum Struber Zwerg (Foto: Thomas LEHMANN)

Paphiopedilum Struber Zwerg ist eine recht kleinwüchsige Hybride aus Paphiopedilum Pinocchio und Paphiopedilum thaianum. Sie wurde von Giselher CRAMER, dem Besitzer von Cramer Orchideen in Strub, am 01. September 2015 bei der Royal Horticultural Society (RHS) angemeldet. Der Elternteil Paph. Pinocchio ist die Kreuzung aus Paph. primulinum und Paph. glaucophyllum. Somit sind bei Paphiopedilum Struber Zwerg drei Naturformen beteiligt:

  • 50% Paphiopedilum thaianum
  • 25% Paphiopedilum primulinum
  • 25% Paphiopedilum glaucophyllum
Paphiopedilum thaianum ist zur Hälfte an der vorgestellten Hybride beteiligt (Foto: Thomas LEHMANN)
Paphiopedilum glaucophyllum gibt 25% der Gene an den Struber Zwerg (Foto: D.O.G.-Archiv)
Paphiopedilum primulinum, ebenfalls zu einem Viertel beteiligt (Foto: Thomas LEHMANN)

Paphiopedilum Pinocchio ist eine sehr robuste und unkomplizierte Hybride, die wunderbar auf der Fensterbank gedeiht. Beide Elternteile, Paph. glaucophyllum und Paph. primulinum, wachsen am Naturstandort unter warmen bis heißen Bedingungen sowohl terrestrisch als auch litophytisch. Paph. primulinum findet man oft auf oder in der Nähe von Kalkfelsen, Paph. glaucophyllum eher auf Lavagestein. Beide sind recht kleinwüchsige Frauenschuhorchideen und sogenannte Revolverblüher. Das heißt, sie bilden an einem Blütentrieb nacheinander mehrere Blüten aus, sodass ein Blütentrieb über viele Monate, manchmal länger als ein Jahr, blühen kann. Die Standorte sind ganzjährig feucht und eher schattig.

Paphiopedilum thaianum ist in Thailand beheimatet und wächst ebenfalls unter sehr warmen bis heißen Bedingungen in schattigen und feuchten Wäldern. Paph. thaianum findet sich fast ausschließlich an steilen Klippen und Abhängen von sehr stark erodiertem Kalkstein. Im Gegensatz zu Paph. primulinum und Paph. glaucophyllum bildet es nur eine einzelne weiße Blüte, meist im Frühjahr, aus.

Unsere „Orchidee der Woche“ – Paphiopedilum Struber Zwerg – braucht also definitiv viel Kalk (Calcium). Ich benutze für alle meine kalkliebenden Paphiopedilum und Phragmipedium Hüttenkalk – ein kohlensaurer Kalk, der von den Pflanzen leichter und besser aufgenommen werden kann.Davon streue ich alle 2-3 Monate etwas auf das Substrat. Es ist aber auch möglich, den Kalk in Wasser aufzulösen und damit zu gießen oder zu tauchen. Man muss nur beachten, dass der Kalk recht lange benötigt, um sich aufzulösen. Deshalb sollte man sein Gießwasser am besten schon am Tag vorher ansetzen und mehrmals umrühren.

Als Substrat nutze ich bei meinen Paphiopedilum feine und mittlere Rinde mit mineralischen Anteilen, wie Bimskies, Perlite und Akadama. Mein Paph. Struber Zwerg habe ich vor einem Jahr testweise in pures Akadama in einen Lechuza-Pflanztopf gesetzt. Seitdem ist es förmlich explodiert und hat sich mehr als verdoppelt, fast verdreifacht – in nur einem Jahr! Die Dauerfeuchtigkeit lässt sich in solchen Pflanzsystemen sehr gut gewährleisten. Das Akadama, ein Zuschlagstoff aus der Bonsaikultur, sorgt für Feuchtikeit ohne Nässe.

Direkt nach dem Öffnen der Blüte ist sie noch richtig grün. Nach ein paar Tagen wird sie dann wesentlicher heller, teilweise fast komplett weiß (Foto: Thomas LEHMANN)

Das Gießwasser hat im Sommer einen Leitwert von circa 300-350 Mikrosiemens und wird mit einem calciumhaltigen Orchideendünger auf diesen Wert aufgedüngt. Im Winter wird nicht gedüngt. In den dunklen Monaten hat das Gießwasser in etwa 150 Mikrosiemens. Das Substrat wird aber trozdem aufgekalkt.

Die Temperatur ist natürlich ganzjährig so warm wie möglich, da ja alle beteiligten Naturformen unter sehr warmen bis heißen Bedingungen wachsen. Auch im Winter gehen die Temperaturen in meinem Orchideenzimmer bei Sonnenschein mal auf 30 Grad und höher. Im Sommer steht Paph. Struber Zwerg an der Ostseite mit etwas Morgensonne. Im Winter steht es an der Westseite mit viel Nachmittag- und Abendsonne.

Struber Zwerg blüht meistens mit 2-3 Blüten nacheinander, also leider mit nicht ganz so vielen wie Pinocchio, aber wenigstens mit mehr als  Paphiopedilum thaianum. Die Blüten sind beim Aufgehen eher grünlich und werden nach ein paar Tagen weiß. Die einzelne Blüte hält einige Wochen, sodass ein Blütentrieb 2-3 Monate blühen kann. Eine wirklich attraktive und unkomlizierte Hybride, die übrigens auch die schön marmorierte Blattzeichnung von Paph. thaianum geerbt hat.

Autor: Thomas LEHMANN

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Seitenansicht mit zweiter Knospe, die hier noch sehr klein ist (Foto: Thomas LEHMANN)
Seitenansicht mit sich öffnender, zweiten Blüte. Hier kann man den Farbunterschied sehr gut sehen (Foto: Thomas LEHMANN)
Blüten mit Habitus. Die Blätter sind saftig dunkelgrün, fest und marmoriert (Foto: Thomas LEHMANN)