Paphiopedilum micranthum var. eburneum

Paphiopedilum micranthum var. eburneum 01

Paphiopedilum micranthum var. eburneum – Erstblüte der Pflanze aus dem Jahr 2017
(Foto: Edith Thon)

Autor/in: Edith Thon / Dr. Holger Perner
Veröffentlicht: 16.08.2021

Unsere heutige Orchidee der Woche – Paphiopedilum micranthum var. eburneum – stammt von unserem Mitglied Edith Thon aus Dresden. Sie erwarb die Pflanze im Jahr 2015 auf einer der vielen Ausstellungen, die die Deutsche Orchideen-Gesellschaft organisiert. Zusammen mit ihren zahlreichen anderen Paphiopedilen steht auch Paphiopedilum micranthum var. eburneum auf einem Blumentisch vor dem Balkonfenster in ihrem Wohnzimmer. Da das Fenster eine südwestliche Ausrichtung hat, muss im Sommer stark schattiert werden, damit die Blätter keine Verbrennungen erleiden. Durch die starke Sonneneinstrahlung erwärmt sich der Kulturraum schnell auf über 30 °C. Zur nächtlichen Temperaturabsenkung wird während der heißen Sommermonate die Balkontür geöffnet. Dadurch kühlt sich der Raum auf ca. 15 °C ab. Auch im Winter sind die Temperaturen nicht sehr niedrig, da das Wohnzimmer natürlich beheizt wird.

2017 blühte Paphiopedilum micranthum var. eburneum erstmalig und zeigte seine volle Schönheit. Danach wartete Edith Thon zunächst vergeblich auf weitere Blüten. Inzwischen ist sie sich sicher, dass das damals verwendete Rindensubstrat nicht ideal für ihre Kulturbedingungen war. Anfang des Jahres beschloss sie also, die Pflanze in einen speziell für die Orchideenkultur entwickelten Gittertopf zu pflanzen und dazu ein mineralisches Frauenschuhgranulat (Name von Topf und Substrat kann in der Onlineredaktion erfragt werden) zu verwenden. Die Besonderheit an dem speziellen Topf ist, dass der Untersetzer einfach mit Wasser gefüllt werden kann und sich der Pflanzstoff durch seine Kapillarität gleichmäßig vollsaugt. Die Wurzeln haben dadurch eine dauerhaft feuchte, aber nicht nasse Umgebung, ideal für Paphiopedilen.

Kein halbes Jahr nach dem Substratwechsel blühte Paphiopedilum micranthum var. eburneum nach vier Jahren endlich wieder.

Paphiopedilum micranthum var. eburneum 02

Seitenansicht von Paphiopedilum micranthum var. eburneum
(Foto: Edith Thon)

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Habitus von Paphiopedilum micranthum var. eburneum
(Foto: Edith Thon)

Wissenswertes zu Paphipedilum micranthum Tang et Wang (aus Perner, H. (2012): Die Paphiopedilumarten Chinas, Teil 2; Die Orchidee 63(5): 349-350)

“Das Verbreitungsgebiet von Paphiopedilum micranthum ist erheblich größer als das von Paphiopedilum armeniacum und reicht von Nordostguizhou über Westguangxi und Ostyunnan nach Nordvietnam hinein. Die Art ist vegetativ Paphiopedilum armeniacum recht ähnlich, sie wächst aber etwas wärmer, besonders im Winter, und mit höherer Standortfeuchtigkeit. Außerdem kommt sie nicht nur in krümeligen mineralischen Böden über Kalkfels vor, sondern oft in lockerem Humus oder Moos auf Kalk. Sie passt sich gewöhnlich etwas besser an die Pflegebedingungen von nicht spezialisierten Orchideenpflegern an als Paphiopedilum armeniacum. Die Blüte unterscheidet sich deutlich von der Schwesternart. Sie hat eine aufgeblasenere Lippe, ein stark rinnenförmiges Staminodium (u-förmig im Querschnitt) und eine lebhafte Färbung mit rosa und rotbraunen Tönen. Ihr wissenschaftlicher Name »zwergblütiger Frauenschuh» spottet der Wirklichkeit und beruht auf der Tatsache, dass die Autoren Tsin Tang und Fa-Tsuan Wang nur ein getrocknetes, gepresstes Exemplar in sehr früher Blütenknospe vor sich hatten, als sie die Art 1951 beschrieben. Die album-Form wurde 1999 als Paphiopedilum micranthum forma glanzeanum Gruss et Röth beschrieben. Die semi-album-Form entspricht laut Gruss Paphiopedilum micranthum forma alboflavum Braem 1998. Eine dritte Sippe (Paphiopedilum micranthum var. eburneum, d. Red.) unterscheidet sich in Blüte und Habitus ebenfalls deutlich vom normalen Typ. Sie bildet geografisch isolierte Populationen, beschränkt auf drei Landkreise in Nordwestguangxi. Die Blätter sind konstant relativ einheitlich dunkelgrün mit einer schwächer ausgeprägten silbrig bis blassgrünen Schachbrettzeichnung von feinerer Struktur. Die Blattspitzen sind meist weniger spitz zulaufend als bei der Typus-Varietät und die Spreiten breiter. Die Blattunterseite ist normalerweise flächig intensiv dunkelrot. Die Blüte hat gewöhnlich dieselbe Breite wie die Typus-Varietät, aber die Lippe ist meist kürzer und rundlicher, die Form somit harmonischer. Die Lippe ist weiß oder nur an der Basis blassrosa und die Sepalen und Petalen sind blasser. (…).

Aus dem nordöstlichen Nordvietnam sind ähnliche Formen bekannt und werden im Handel als Eburneum-Typ angeboten. Die Blätter sind ebenfalls mehr dunkelgrün mit feinerer silbriger Netzzeichnung, die Spreiten aber nicht so breit und ähnlich lang wie bei der Typus-Varietät. Die Blüten sind zwar ähnlich gefärbt wie Paphiopedilum micranthum var. eburneum, aber die Lippe ist meist sehr groß und aufgeblasen. Diese Pflanzen haben somit eine Gesamtfärbung wie die Varietät eburneum, aber die typische Morphologie des normalen Typus und stellen somit nur eine blasse Form innerhalb der Typus-Varietät dar.”