Deutsche Orchideen-Gesellschaft e.V.

Paphiopedilum helenae

Am 12. März 2018 um 0:01 veröffentlicht. Kategorie:

Paphiopedilum helenae

Foto: Thomas Lehmann

Der russische Botaniker Leonid Vladimirovich Averyanov (Aver.) beschrieb dieses kleinwüchsige Paphiopedilum erstmalig im Jahr 1996. Es gilt als eine der kleinsten Paphiopedilum-Arten und ist beheimatet in Nordvietnam und Südchina. In offenen, gemischten und oft laubabwerfenden Wäldern wächst helenae meist auf der Nordseite von Kalksteinfelsen und Klippen unter warmen bis heißen klimatischen Bedingungen. Durch die offenen Wälder, in denen viele Bäume im Winter ihr Laub abwerfen, bekommt dieses Paphiopedilum sehr viel Licht ab. Da es aber eher an den Nordseiten von Felsen und Klippen gefunden wird, steht es niemals in der direkten Mittagssonne. Die Sommer sind durch den Monsunregen sehr feucht und niemals trocken. Im Winter gibt es deutlich weniger Niederschlag, aber auch hier trocknet das Habitat niemals komplett ab. Paphiopedilum helenae hat seine ganz feste Blütezeit im Spätsommer und Herbst. Es blüht so gut wie nie außerhalb dieser Zeit. Der Habitus dieser Naturform bleibt mit circa 10-15 cm Blattspannweite sehr klein und bildet 3-5 feste und ledrige Blätter, die wechselständig an einem sehr kurzen Stamm wachsen. Die Infloreszenz wird nur 5-7 cm lang und wächst leicht überhängend. Die Blüte von helenae ist 5-6 cm groß und variiert farblich in verschiedenen Gelb- und Brauntönen.

Paphiopedilum helenae ‚Geli‘ Silbermedaille der Deutschen Orchideengesellschaft e. V. auf die Kultur (Foto: D.O.G.-Archiv)

Ich kultiviere mein Paphiopedilum helenae in einer Mischung aus mittlerer und feiner Rinde, Bimskies und Perlite. Das Substrat kalke ich alle 6 Monate mit Hüttenkalk auf. Auch andere Substrate und Zuschlagstoffe sind natürlich möglich. Wichtig ist, dass die Feuchtigkeit gut gehalten werden kann. Steinwollwürfel, Sphagnum-Moos, Akadama, Schaumstoffwürfel, Kokosfasern etc. ‒ Ich habe fast alles schon ausprobiert, helenae scheint keine besonderen Ansprüche an das Substrat zu stellen. Solange es immer feucht ist ‒ im Sommer richtig feucht bis nass, im Winter darf es leicht antrocknen ‒ und ausreichend Kalk geboten wird, ist dieses Paphiopedilum gerne bereit zu wachsen und zu blühen. Das Thema Kalk handhabt auch jeder ein bisschen anders. Wie oben schon geschrieben, kalke ich das Substrat alle 6 Monate mit Hüttenkalk auf. Hüttenkalk ist ein kohlensaurer Kalk, der leicht wasserlöslich ist und gut von der Pflanze aufgenommen werden kann. Damit habe ich die besten Erfahrungen gesammelt. Ich habe aber auch schon sehr gut kultivierte helenae gesehen, die Muschelgritt im Substrat hatten, welches den nötigen Kalk liefert, oder auch Pflanzen, die gelegentlich mit Leitungswasser gegossen werden, um Kalk verfügbar zu halten. Auch hier muss jeder seine eigenen Erfahrungen sammeln, um herauszufinden, welcher der beste Weg ist.

Das Gießwasser hat bei mir einen Leitwert von ca. 150-200 Mikrosiemens. Im Sommer wird alle paar Tage getaucht, im Hochsommer steht der Topf auch mal 1-3 Tage in einer Wasserpfütze. Beim andauernden Monsunregen steht Paphiopedilum helenae im natürlichen Habitat auch mal kurzzeitig im Wasser. Das verträgt es gut, aber eben nur im Hochsommer, wenn die Temperaturen auch entsprechend hoch sind. Stehendes Wasser in Verbindung mit Kälte lässt die Wurzeln sofort faulen. Im Winter gieße ich nur alle paar Tage etwas auf das Substrat, sodass es nicht ganz austrocknet, aber auch nicht zu nass ist. Gedüngt wird bei mir nur von Frühling bis Anfang Herbst, alle 2- 4 Wochen. Das Düngerwasser hat dann einen Leitwert von 300-400 Mikrosiemens. Auch mein Dünger enthält zusätzlich nochmal etwas Kalk, was nicht bei jedem Dünger gegeben ist.

 

Wenn im Sommer die nächtlichen Temperaturen nicht unter 15 Grad fallen, stelle ich mein kleines Paphiopedilum schattig ins Freie. Im Winter steht es hell am Westfenster im beheizten Orchideenzimmer bei 20-28 Grad tagsüber. Bei Sonnenschein steigen die Temperaturen durch eine große südseitige Glasfront auch mal auf 30-32 Grad. Nachts fallen die Temperaturen nie unter 18 Grad. Wie im ersten Absatz schon erwähnt, ist Paphiopedilum helenae ein warm-heißes Paphiopedilum. Temperaturen unter 15 Grad verträgt es auf Dauer daher nicht.

Im Allgemeinen ist Paphiopedilum helenae aber eine sehr unkomplizierte Orchidee, die sehr zuverlässig blüht. Außerdem findet sie durch ihre geringe Größe auch überall einen Platz. Auf den Fotos unten sieht man sehr schön, wie diese Naturform farblich variiert. Von zartem Gelb über Orange bis hin zu Rotbraun ist alles möglich.

 

 

Foto: Thomas Lehnann

Autor: Thomas Lehmann

Paphiopedilum helenae ‚Franziska‘ BM/DOG, ein recht dunkler und fast komplett brauner Klon (Foto: D.O.G.-Archiv)
Paphiopedilum helenae ‚Geli‘ SM/DOG (Foto: D.O.G.-Archiv)
Paphiopedilum helenae ‚Ines‘ BM/DOG (Foto: D.O.G.-Archiv)
Paphiopedilum helenae ‚Lina‘ BM/DOG (Foto: D.O.G.-Archiv)
Paphiopedilum helenae ‚Quirin‘ BM/DOG (Foto: D.O.G.-Archiv)
Paphiopedilum helenae ‚Sammy‘ SM/DOG mit schön arrangiertem Blütenkranz (Foto: D.O.G.-Archiv)