Deutsche Orchideen-Gesellschaft e.V.

Paphiopedilum Delophyllum

Am 25. März 2019 um 0:01 veröffentlicht. Kategorie: ,

Paphiopedilum Delophyllum

Paphiopedilum Delophyllum (Foto: Thomas Lehmann)

Bereits am 01. November 1940 meldete die britische Orchideenfarm Black & Flory diese Primärhybride bei der Royal Horticultural Society (RHS) zur Registrierung an. Einige Jahre zuvor hatten sie eine Pflanze von Paphiopedilum delenatii mit dem Pollen von Paphiopedilum glaucophyllum bestäubt und diese robuste Hybride dann im Jahr 1940 zur Blüte gebracht. Da es sich um eine Primärhybride handelt, teilt sich der Genpool natürlich zu zwei gleichen Teilen auf – jeweils also 50%.

Paphiopedilum delenatii – eines der Elternteile von Paphiopedilum Delophyllum (Foto: D.O.G.-Archiv)

Paphiopedilum delenatii ist heimisch im südlichen Vietnam und kommt dort unter temperiert-warmen Bedingungen vor. Man findet die Art sowohl terrestrisch als auch lithophytisch wachsend in immergrünen Wäldern in Höhenlagen von 750-1500 Metern. Häufig siedeln die Pflanzen dieser Naturform in schattigen Lagen entlang von Flüssen und Bächen. Die fünf bis sieben Blätter der einzelnen Triebe sind stark gemustert und sehr fest. Die Infloreszenzen entwickeln sich vom späten Herbst bis ins zeitige Frühjahr und tragen ein bis zwei, in Ausnahmefällen auch mal drei Blüten. Fahne und Petalen sind immer weiß. Das Labellum variiert in der Färbung von weiß über zartrosa bis hin zu weinrot.

Das andere Elternteil ist Paphiopedilum glaucophyllum (Foto: D.O.G.-Archiv)

Paphiopedilum glaucophyllum findet man auf Sumatra und Java in Höhenlagen von 200-800 Metern über dem Meeresspiegel. Die Temperaturbedingungen sind ganzjährig warm bis heiß. Meist wachsen die Pflanzen terrestrisch in Humusansammlungen auf vulkanischen Berghängen. Die vier bis sieben blaugrünen, stumpfen Blätter umhüllen den kurzen Stamm vollständig. An der bis zu 40 cm langen Infloreszenz, die sich vom Frühjahr bis zum Sommer entwickeln kann, entstehen bis zu 20 Blüten, die sich nacheinander öffnen. Meist ist nur eine einzelne Blüte geöffnet. Erst wenn diese verwelkt ist, öffnet sich die nächste. Gelegentlich kommt es vor, dass zwei Blüten gleichzeitig offen sind.

Die Hybride Paphiopedilum Delophyllum ist eine wirklich robuste und leicht zu kultivierende Kreuzung, die sich sehr gut für die Fensterbank eignet. Sie gedeiht bei etwas wärmeren Temperaturen im Winter deutlich besser. Bei zu kühler Kultur wächst sie nur sehr langsam. Genau richtig also für ein wohlig warm beheiztes Wohnzimmer. Selbst etwas trockenere Luft direkt über der Heizung verträgt meine Pflanze seit einigen Jahren sehr gut. Im Sommer kann sie auch geschützt ins Freie gestellt werden, aber es ist nicht zwingend erforderlich. Die ersten Jahre stand meine Pflanze im Sommer draußen. Seit zwei Jahren ist sie aber ganzjährig im Wohnzimmer und ich kann keinen Unterschied in Wachstum, Blühfreudigketit oder Haltbarkeit der Blüten feststellen.

Paphiopedilum Delophyllum ‚Waltraud Glow‘ BM/DOG (Foto: Frank Glow)

Getopft ist mein Paphiopedilum Delophyllum in Standard-Substrat für meine Phragmipedien: Rinde, Bimskies, Perlite und Holzkohle. Rinde, Bimskies und Perlite speichern gut Wasser und geben es nach und nach an die Pflanze ab. Bimskies gibt zusätzlich etwas Kalk frei. Die Perlite verleihen dem Substrat durch ihr geringes Eigengewicht eine gewisse Leichtigkeit, ebenso die Holzkohle, die nicht so viel Wasser aufnimmt und dadurch etwas trockenere Bereiche im Pflanzstoff schafft. Damit fahre ich seit Jahren gut.

Beim Wasser scheint diese Primärhybride keine großen Ansprüche zu stellen. Sie verträgt sogar unser sehr salzhaltiges und hartes Wasser aus der Leitung sehr gut. Ich bekam meine Pflanze vor vielen Jahren, als ich mit der Orchideenkultur gerade anfing und noch nicht viel Ahnung hatte. Ohne groß darüber nachzudenken, bekam sie in der Zeit nur Leitungswasser, das ich alle zwei Wochen auch noch aufgedüngt habe. Von Leitwert und gelösten Salzen hatte ich damals noch keine Ahnung. Paphiopedilum Delophyllum scheint davon aber auch keine Ahnung zu haben, denn sie wuchs und blühte und tut es bis heute noch. Wenn ich heute dünge, bekommt sie aufgedüngtes Regen- oder Osmosewasser mit einem Leitwert von ungefähr 400 Mikrosiemens/cm. Zwischendurch gieße ich aber auch heute noch mit Leitungswasser, weil ich ja weiß, dass sie es verträgt. Im Winter dünge ich gar nicht.

Im Sommer steht sie am unschattierten Ostfenster, also mit Morgensonne. Im Winter stelle ich sie an das Fenster gegenüber mit Westausrichtung. Dort hat sie dann in der dunklen Jahreszeit etwas mehr Licht als am Ostfenster. Grundsätzlich kommt diese Kreuzung aber auch gut mit weniger Licht zurecht.

Jedes Jahr im späten Winter oder Frühjahr kommen zuverlässig die Blütentriebe zum Vorschein. An der ca. 20 cm langen Infloreszenz öffnen sich meistens 2-3 Blüten. Einmal gab es 4 Blüten an einem Trieb, aber das scheint eine Ausnahme gewesen zu sein. Leider hat sie nicht die „Blüten-Gene“ von Paphiopedilum glaucophyllum geerbt, das bis zu 20 Blüten schafft. Die Blüten sind ca. 8-10 cm breit und zartrosa gefärbt.

Eine wirklich unkomplizierte Anfänger-Hybride, bei der man nicht viel falsch machen kann. Viel Erfolg beim Kultivieren!

Autor: Thomas Lehmann

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Paphiopedilum Delophyllum ‚Waltraud Glow‘ BM/DOG mit mehreren Infloreszenzen (Foto: Frank Glow)
Paphiopedilum Delophyllum ‚Waltraud Glow‘ BM/DOG (Foto: Frank Glow)
Meine Pflanze besitzt sehr dunkle Blüten, dafür gibt es bisher in jedem Jahr nur einen Neutrieb – man kann nicht alles haben. (Foto: Thomas Lehmann)
Paphiopedilum Dellohyllum – Seitenansicht (Foto: Thomas Lehmann)
Paphiopedilum Dellohyllum – Seitenansicht (Foto: Thomas Lehmann)