Deutsche Orchideen-Gesellschaft e.V.

Paphiopedilum Connie

Am 16. September 2019 um 0:01 veröffentlicht. Kategorie: ,

Paphiopedilum Connie

Paphiopedilum Connie (Foto: Thomas Lehmann)

Bereits im Jahr 1911 hatte die britische Orchideenzucht Charlesworth Ltd. die Hybride aus Paphiopedilum glaucophyllum und Paphiopedilum fairrieanum bei der RHS (Royal Horticultural Society) angemeldet, woraufhin sie in das dortige Register für Orchideen-Hybriden eingetragen wurde. Joseph Charlesworth, der Inhaber von Charlesworth Ltd., war ein leidenschaftlicher Orchideenzüchter und -sammler, nach dem auch einige Naturformen benannnt wurden. Ob Connie seine Frau, Tochter oder eine Mitarbeiterin war, konnte ich leider bis heute nicht herausfinden. Fakt ist, dass er zu Connie wohl eine engere Bindung hatte. Sonst hätte er wohl kaum eine Orchidee nach ihr benannt. Da Paphiopedilum Connie eine Primärhybride aus zwei Naturformen ist, teilt sich der Genpool natürlich zu gleichen Teilen auf:

  • 50% Paphiopedilum glaucophyllum
  • 50% Paphiopedilum fairrieanum
Paphiopedilum glaucophyllum – ein Elternteil der Hybride (Foto: D.O.G.-Archiv)

Auf Sumatra und Java ist Paphiopedilum glaucophyllum heimisch. Die Art wächst dort terrestrisch unter warmen bis heißen Bedingungen in kleinen Humusnestern, die sich zwischen Vulkangestein angesammelt haben. Die Standorte sind hell, aber meist ohne direkte Sonneneinstrahlung. Niederschläge gibt es das ganze Jahr über, sodass das Habitat niemals austrocknet. Paph. glaucophyllum gehört zu den sogenannten „Revolverblühern“, an deren Infloreszenzen über viele Monate hinweg eine Blüte nach der anderen produziert wird. Meist ist aber immer nur eine Blüte geöffnet, die dann verwelkt, ehe sich die nächste Knospe entfaltet.

Paphiopedilum fairrieanum – der andere Elternteil von Paph. Connie (Foto: D.O.G.-Archiv)

Paphiopedilum fairrieanum wächst eher unter kühlen bis hin zu kalten Bedingungen. Man findet die Naturform im indischen Himalaya und Bhutan auf Höhen von 1300 – 2200 Metern über dem Meeresspiegel. Auch bei Paph. fairrieanum sind die Standorte zwar hell, aber schattig – also ohne direktes Sonnenlicht. Oft findet man Pflanzen der Naturform in hohem Gras wachsend oder lithophytisch auf Kalksteinfelsen sitzend. Niederschlag gibt es zwar das ganze Jahr über, allerdings regnet es in den Wintermonaten nur sehr wenig. Zum Sommer hin nehmen die Niederschläge stark zu. Durch die sehr hohe Luftfeuchtigkeit trocknet das Habitat aber niemals ganz aus.

Paphiopedilum Connie bildet einen sehr kurzen Stamm aus, der wechselständig von  3 – 6  grünen Blättern umhüllt wird, die bis zu 20 cm lang und 5 cm breit werden. Sie sind leicht gekielt und glänzend. Die Blattspitze ist stark abgerundet. Endständig erscheint die Infloreszenz, die bis zu 40 cm lang werden kann –  je nachdem wie stark sich Paphiopedilum glaucophyllum durchsetzt und wie viele Knospen somit gebildet werden. Die Blüten sind ca. 6 cm hoch und 5 cm breit. Ihre Farbe  variiert von Pflanze zu Pflanze leicht. Die Grundfarbe ist aber meist Gelbgrün mit roten Akzenten. Auf dem Rand der Petalen sitzen lange glänzend rote Haare.

Kultivieren lässt sich Paphiopedilum Connie auch sehr gut auf der Fensterbank. Durch die recht unterschiedlichen Temperaturansprüche der Elternpflanzen können einzelne Individuen etwas anspruchsvoller sein. Die meisten Pflanzen der Kreuzung kommen aber sowohl mit wärmeren, als auch mit kühleren Bedingungen zurecht. Bei mir steht die Hybride temperiert bis warm. Im Winter fallen die Temperaturen in der Nacht selten unter 16 Grad.

Als Substrat nutze ich eine Mischung aus feiner und mittlerer Rinde, Perlite, Bimskies und Holzkohle. Einige ander Paphiopedilen halte ich auch in mineralischem Substrat, was die Versorgung der Pflanze etwas erleichtert, da der Topf dann immer in einer kleinen Pfütze Wasser stehen darf. Der Pflanzstoff wird regelmäßig aufgekalkt. Ich benutze für alle meine kalkliebenden Paphiopedilum und Phragmipedium Hüttenkalk – ein kohlensaurer Kalk, der von den Pflanzen leichter und besser aufgenommen werden kann.Davon streue ich alle 2-3 Monate etwas auf das Substrat und gieße es leicht ein. Es ist aber auch möglich, den Kalk in Wasser aufzulösen und damit zu gießen oder zu tauchen. Man muss nur beachten, dass der Kalk recht lange benötigt, um sich aufzulösen. Deshalb sollte man sein Gießwasser am besten schon am Tag vorher ansetzen und mehrmals umrühren.

Eine Gruppe mit mehreren Pflanzen von Paphiopedilum Connie, die mit einer Silbermedaille ausgezeichnet wurde (Foto: D.O.G.-Archiv)

Getaucht wird alle 5-7 Tage im Winter. Das Substrat sollte stets bügelfeucht sein und niemals komplett durchtrocknen. Im Sommer – besonders während der extrem heißen Tage – stehen bei mir die Paphiopedilen sogar in einer kleinen Pfütze Wasser, durch die sich das Substrat kontinuierlich mit Feuchtigkeit versorgt. Bei kühlen Temperaturen sollte ein nasser Fuß aber tunlichst vermieden werden, da Kälte in Verbindung mit Nässe dafür sorgt, dass die Wurzeln faulen. Das Tauchwasser hat im Sommer einen Leitwert von ca. 350 Mikrosiemens/cm, im Winter aber nur 150 – 200 Mikrosiemens/cm.

Direktes Sonnenlicht sollte vom Frühjahr bis in den Herbst wirklich vermieden werden, da es sonst schnell zu Verbrennungen an den Blättern kommt. Aus diesem Grund schattiere ich das westseitige Fenster, an dem Paphiopedilum Connie steht, von März bis Mitte Oktober. Im Winter, der bei uns ja eher dunkel und sonnenarm ist, darf das Licht ungefiltert auf die Pflanze fallen.

Eine wirklich unkomplizierte Paphiopedilum-Hybride, die über viele Monate blühen kann und viel Freude macht. Viel Erfolg beim Kultivieren!

Autor: Thomas Lehmann

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Direkt hinter der aktuellen Blüte steht die nächste Knospe schon in den Startlöchern. (Foto: Thomas Lehmann)
Seitenansicht von Paphiopedilum Connie (Foto: Thomas Lehmann)
Paphiopedilum Connie ‚Niep‘ BM/DOG (Foto: D.O.G.-Archiv)
Habitusfoto von Paphiopedilum Connie (Foto: Thomas Lehmann)