Micropera utriculosa

Micropera utriculosa 01

Micropera utriculosa
(Foto: Thomas Jacob)

Autor/in: Thomas Lehmann
Veröffentlicht: 08.04.2019

Unter dem Namen Camarotis utriculosa wurde diese Art im Jahr 1915 vom amerikanischen Botaniker Oakes AMES erstmalig in „Orchidaceae: Illustrations and Studies of the Family Orchidaceae Issuing from the Ames Botanical Laboratory“ beschrieben. Der ehemalige Kurator der botanischen Abteilung des Chicago Natural History Museum, Louis Otho WILLIAMS, überführte sie im Jahr 1937 in „Botanical Museum Leaflets“ in die Gattung Sarcanthus. Ihren heute gültigen Namen Micropera utriculosa erhielt die Art durch Leslie Andrew GARAY im Jahr 1972, der sie ebenfalls in „Botanical Museum Leaflets“ in die Gattung Micropera überführte.

Heimisch ist die kleinwüchsige Art ausschließlich auf den Philippinen. Die klimatischen Bedingungen sind ganzjährig warm mit einer sehr hohen Luftfeuchtigkeit. Während die südlichen Inseln das ganze Jahr über regelmäßig Niederschläge erhalten, wird das Klima im Norden vom Südwest-Monsun bestimmt. Hier werden extreme Niederschlagsmengen zwischen Juni und Oktober von einer „kühlen“ Trockenzeit bis Februar und einer warmen Trockenperiode bis Mai unterbrochen, wobei auch in der „kühlen“ Zeit die Temperaturen nur selten unter 20 Grad fallen. Durch die dauerhaft extrem hohe Luftfeuchtigkeit trocknet das Habitat aber niemals ganz aus. Micropera utriculosa kommt epiphytisch in feuchten Bergwäldern bis auf Höhen von 1200 Metern über dem Meeresspiegel vor.

Micropera utriculosa 02

Habitus von Micropera utriculosa
(Foto: Thomas Jacob)

Micropera utriculosa 03

Seitenansicht von Micropera utriculosa
(Foto: Thomas Jacob)

Die monopodial wachsende Art bildet einen dünnen, aufrechten Stamm, an dem wechselständig angeordnete Blätter sitzen. Zwischen den einzelnen ledrigen Blättern sind meist mehrere Zentimeter Stamm zu sehen. Die Blätter werden ca. 6-8 cm lang, sind fleischig, fest und dunkelgrün. Der Habitus erinnert an eine langgezogene Vanda mit viel Platz zwischen den Blättern. Die Infloreszenzen erscheinen meist im Sommer und entspringen genau gegenständig zu den Blättern. Sie werden nur wenige Zentimeter lang und tragen bis zu 12 einzelne kleine Blüten von 1 cm Höhe und 0,5 cm Breite. Die Blüten sind zweifarbig. Während das Labellum milchig weiß ist, sind die Petalen und Sepalen in einem leuchtenden Pink gefärbt. Die langgezogene Lippe dominiert das Aussehen der Blüte.

Da ich die Art selbst noch nicht so lange pflege, sind folgende Kulturvorschläge noch nicht dauerhaft erprobt, sollten aber erfolgreich sein.

Bei der Wahl des Temperaturbereichs halte ich mich an die natürlichen Gegebenheiten und kultiviere Micropera utriculosa dauerhaft warm. Die nächtlichen Temperaturen im Winter fallen gelegentlich auf 18 Grad ab, kühler wird es aber nicht. Wegen des hohen Wärmebedarfs steht meine Pflanze ganzjährig im Wohnraum und verbringt den Sommer nicht im Garten oder auf dem Balkon, wo die Temperaturen auch im Hochsommer in der Nacht gerne mal auf 15 Grad und tiefer fallen. Vielleicht würde sie es vertragen – ich habe es nie ausprobiert. Allerdings versuche ich generell, die klimatischen Bedingungen des Standortes zu simulieren, soweit es bei mir machbar ist.

Den Sommer über steht die Pflanze für einen Epiphyten recht feucht. Ich tauche regelmäßig und lasse das Substrat nur gelegentlich richtig gut antrocknen. Im Winter tauche ich erst wieder, wenn das Substrat komplett durchgetrocknet und kein Kondenswassser mehr im transparenten Topf zu sehen ist. Es hat in diesem Winter sehr gut geklappt mit dieser Methode.

Gedüngt wird im Sommer in etwa alle zwei Wochen. Der Leitwert des Düngerwassers liegt bei 300-400 Mikrosiemens/cm. Im Winter dünge ich nicht, da durch die geringe Lichtintensität der kurzen Tage der Stoffwechsel der Pflanze auf ein Minimum herunterfährt. Die Pflanzen kommen in dieser Zeit mit den Nährstoffen aus, die sich im Laufe des Sommers im Substrat angereichert haben.

Getopft habe ich meine Micropera utriculosa in mittelgrober Rinde mit einem kleinen Anteil feiner Rinde und Perlite. Wer eine warme Vitrine oder gar ein beheiztes Gewächshaus hat, kann die Art mit Sicherheit auch sehr gut aufgebunden kultivieren. Wer auf dem Fensterbrett kultiviert, sollte allerdings davon absehen die Pflanze aufzubinden, da die Luftfeuchtigkeit niemals so hoch gehalten werden kann, wie die Wurzeln der Pflanze es benötigen!

Besonders in den Sommermonaten sollte direkte Sonneneinstrahlung vermieden werden. Da Micropera utriculosa am Naturstandort epiphytisch auf immergrünen Bäumen wächst, ist sie durch das Laub auch ganzjährig vor direkter Sonneneinstrahlung geschützt. Lediglich die ganz frühen Sonnenstrahlen am Morgen und die letzten am Abend, wenn die Sonne sehr tief steht, können so auf die Pflanze fallen. Da sich die Sonne bei uns in den Wintermonaten nur selten zeigt und auch nicht so intensiv strahlt wie auf den Philippinen, sollte direkte Sonne in den Wintermonaten vertragen werden.

Die wirklich kleinen Blüten bestechen durch ihre intensiv leuchtende Farbe und den starken Kontrast zur farblosen Lippe. Viel Erfolg beim Kultivieren!

Micropera utriculosa 04

Die kurzen Infloreszenzen von Micropera utriculosa verstecken sich zwischen dem Laub
(Foto: Thomas Jacob)

Mexipedium xerophyticum 05

Mexipedium xerophyticum – im Profil
(Foto: Thomas Jacob)

Als Substrat nutze ich bei den meisten eine Mischung aus mittlerer und feiner Rinde, Perlite, Bims und Holzkohle. Die Rinde speichert gut Wasser und gibt durch den Zersetzungsprozess Nährstoffe frei. In der Natur wurzeln sie ja auch oft in verrottendes organisches Material in den Felsspalten und nutzen die dadurch verfügbaren Nährstoffe. Perlite mische ich mit hinein, weil es zum einen das Substrat locker und luftig macht und zum anderen ebenfalls gut Wasser speichert und mit der Zeit abgibt. Bimskies ist ein Mineralgestein, das Calcium, also Kalk, freigibt. Da Mexipedium am Naturstandort ja ausschließlich auf Kalkstein zu finden ist, haben die Pflanzen einen erhöhten Calciumbedarf, den ich zu einem Teil mit dem Bimskies abdecken kann. Zusätzlich gebe ich alle 3-4 Monate Hüttenkalk auf die Substratoberfläche und gieße diesen in das Substrat ein. Hüttenkalk ist ein kohlensaurer Kalk, der gut wasserlöslich ist und von der Pflanze gut verstoffwechselt werden kann. Die Holzkohle im Substrat dient dazu, ein paar trockenere Bereiche im Topf zu schaffen, da sie kaum Wasser aufnimmt und sehr schnell abtrocknet. Im Grunde ist das auch mein Standard-Phragmipedium-Substrat, weshalb ich es auch von Anfang an für die Mexipedien nutzte und damit gut zurechtkam.

Ich hätte wahrscheinlich gar kein anderes Substrat ausprobiert, wenn ich das oben erwähnte Teilstück nicht in purem Kanuma vom Vorbesitzer bekommen hätte. Kanuma ist ein mineralisches Substrat, das aus der Azaleen- und Bonsai-Kultur kommt. Benannt ist es nach der japanischen Stadt, in der es abgebaut wird. Es hat einen sauren PH-Wert, weswegen ich nie auf die Idee gekommen wäre, es für Mexipedium zu nutzen. Da es mich aber sehr interessierte, fragte ich den Verkäufer, von dem ich das Teilstück hatte, über seine Kultur in diesem Substrat aus. Er verwendet Kanuma schon sehr lange, da es sehr gut Wasser aufnimmt und lange feucht bleibt, ohne Staunässe zuzulassen. Gegen den sauren PH-Wert nutzt er Leitungswasser, mit dem er bei jedem zweiten Wässern gießt. Ich fand die Kulturmöglichkeit interessant und kannte Kanuma und seine positiven Eigenschaften bereits. Also beschloss ich, mein Mxdm. xerophyticum darin zu belassen und es einfach auszuprobieren. Nur mit dem Leitungswasser konnte ich mich nicht anfreunden, weil ich lieber mit gutem Dünger den Leitwert des Wassers erhöhe, als dass ich ein bereits salzhaltiges Wasser nutze, bei dem ich nicht weiß, was alles darin enthalten ist. Deswegen entschied ich mich dazu, auch das Kanuma regelmäßig mit Hüttenkalk zu bestreuen. Wie oben schon erwähnt, war das Teilstück nur ein halbwüchsiger Trieb mit zwei Wurzeln. Innerhalb von 4 Wochen sah ich die ersten aktiven Wurzelspitzen am Topfrand. Nach 2 Monaten bildete sich dann ein Rhizom, an dem nach 5 cm ein neuer Trieb entstand. Heute, ca. 8 Monate später, ist der halbwüchsige Trieb von damals ausgewachsen und ein Blütentrieb hat sich entwickelt. Somit ist für mich klar, dass auch Kanuma, solange ich etwas gegen den sauren PH-Wert unternehme, ein gut geeignetes Substrat für die Kultur von Mxdm. xerophyticum ist.

In den Sommermonaten bis in den Herbst hinein wird alle paar Tage getaucht – in beiden Substratvarianten. Je nach Wärme alle 3-5 Tage. Ich lasse in dieser Zeit das Substrat zwar antrocknen, aber niemals ganz abtrocknen. In den Töpfen und Schalen bleibt es immer so feucht, dass sich Algen innen am Pflanzgefäß bilden. Staunässe vermeide ich aber auch in dieser Zeit. Ich habe es nie selbst ausprobiert, aber Staunässe sollen sie wohl gar nicht vertragen. Vom Winter bis ins Frühjahr wird nur alle 7 Tage getaucht. Auch da ist der Topf nicht vollkommen trocken, aber trockener als im Sommer. Eigentlich sollte man beim Namen xerophyticum (xero = trocken) erwarten, dass es ausgeprägte Trockenzeiten gibt. Dem ist aber nicht so am Naturstandort. Eine gewisse Feuchtigkeit herrscht dort immer, auch wenn es von Januar bis April deutlich weniger regnet. Obwohl die Luftfeuchtigkeit am Naturstandort ganzjährig sehr hoch ist, haben meine Mexipedien mit trockener Luft keine Probleme.

Das Tauchwasser wird im Sommer auf ca. 350 Mikrosiemens aufgedüngt, im Winter auf ungefähr 200 Mikrosiemens, da ich im Winter mit künstlicher Beleuchtung kultiviere. Gelegentlich spüle ich die Töpfe mit klarem Wasser durch, um ein Versalzen des Substrats zu verhindern. Auch wenn Mexipedium xerophyticum fast ausschließlich an der Nordseite der Kalkfelsen wächst, ist die Lichtintensität in Mexiko deutlich höher als bei uns in Mitteleuropa. Deswegen hatte ich mich von Anfang an für die künstliche Beleuchtung im Winter entschieden. Ob sie entscheidend für eine erfolgreiche Kultur ist, kann ich nicht sagen. Beleuchtet werden die Pflanzen mit Leuchtstoffröhren aus der Aquaristik, die speziell für das Pflanzenwachstum entwickelt sind und dementsprechend einen hohen Anteil an rotem und blauem Licht haben.

Die Temperaturen stellen im Wohnraum keine besondere Herausforderung dar. Im Sommer ist es ja ohnehin warm bei uns. Im Winter läuft die Heizung und macht es schön warm. Obwohl die Temperaturen am Natrurstandort eindeutig warm sind, verträgt Mexipedium xerophyticum aber auch kühlere Bedingungen sehr gut, wenn es dann auch etwas trockener gehalten wird. Ich habe in einigen Quellen schon gelesen, dass selbst Temperaturen um 5 Grad nachts gut vertragen werden. Also selbst wenn die Heizung einmal ausfällt, dürfte es mit dem „Mexchen“ – wie ich es immer nenne – keine Probleme geben. Temperaturen von weit über 30 Grad im vergangenen Sommer wurden ohne Probleme vertragen. Nur etwas öfter tauchen musste ich bei dieser trockenen Hitze.

Mexipedium xerophyticum 06

Mexipedium xerophyticum – Seitenansicht
(Foto: Thomas Jacob)

Mexipedium xerophyticum 07

Die kleine Blüte von Mexipedium xerophyticum verschwindet fast zwischen meinen Fingern
(Foto: Thomas Jacob)

Da die Pflanzen im Laufe der Jahre recht breite Ausmaße annehmen können durch die langen Rhizome zwischen den Pflanzen, sollten sie ab einer gewissen Größe in Schalen kultiviert werden. Außerdem ist es zu empfehlen, Mexipedium etwas tiefer in das Pflanzgefäß zu setzen und das Substrat nicht bis zum Topfrand aufzufüllen, sodass ein Rand entsteht, über den die Rhizome nicht hinwegwachsen können. Wachsen sie in die Luft, dann bilden sich keine Wurzeln. Diese Triebe können zwar trotzdem blühen, aber da Mexipedium ohnehin nicht zu den Vielwurzlern gehört, sollte man schon schauen, dass jeder Trieb auch seine Wurzeln schlagen kann. Sollten dennoch Rhizome in die Luft wachsen, werden sie, je nach verfügbarem Platz, bei mir mit Steinen beschwert oder mit Krampen aus rostfreiem Edelstahl im Substrat fixiert.

Ich hoffe, mit diesem Beitrag ein wenig Interesse an dieser vom Aussterben bedrohten Naturform geweckt zu haben, damit möglichst viele Pflanzen in Kultur erhalten bleiben, falls die letzten in der Natur verbliebenen Pflanzen vom nächsten Waldbrand – was in der Gegend leider keine Seltenheit ist- dahingerafft werden und für immer verloren sind. Traut euch an die Kultur, sie ist gar nicht so kompliziert, wie man immer wieder liest! Und diese kleinen zarten Blüten verzaubern einen immer wieder aufs Neue.