Maxillaria variabilis

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Maxillaria variabilis – ein gelber Klon
(Foto:Irene Bock)

Autor/in: Thomas Lehmann
Veröffentlicht: 16.05.2022
Synonyme: Maxillariella variabilis

Der Beitrag über Maxillaria variabilis erschien bereits in ähnlicher Form am 23.04.2018. Hier gibt der Autor ein Update zu seiner Kulturmethode, die er vor drei Jahren umgestellt hat.

John LINDLEY beschrieb diese eher kleinwüchsige Maxillaria erstmals im Jahr 1837 in Edwards’s Botanical Register nach einem Manuskript von James BATEMAN. Beides waren britische Botaniker.

Maxillaria variabilis kommt in Mittel- und Südamerika von Mexiko über Guatemala, Belize, El Salvador, Honduras, Nicaragua, Costa Rica, Panama, Kolumbien bis nach Ecuador vor. Durch diese weitreichende Verbreitung lässt sie sich keiner Klimazone zuordnen, d. h. sie wächst in kühlen wie auch in warmen und heißen Gegenden, meist epiphytisch auf Bäumen oder lithophytisch auf Steinen in dichten feuchten Wäldern in Höhenlagen von 500 – 2 500 Metern. Die Pflanzen siedeln meist im Schatten.

Auf jeder Pseudobulbe, die recht eng beieinander wachsen, sitzt ein einzelnes, sehr festes Blatt. Die bis zu 5 cm langen Infloreszenzen, die am unteren Ende der Pseudobulbe entspringen, tragen jeweils eine einzelne Blüte, die ca. 3 cm groß ist und sehr unterschiedlich gefärbt sein kann – daher auch der Name variabilis. Die Blüten zeigen sich in Gelb-, Rot- sowie Orangetönen, sind sehr lange, teilweise sogar mehrere Monate haltbar und können das ganze Jahr über entstehen.

Als Substrat gibt es, wie immer, tausend mögliche Rezepte. Da Maxillarien immer feucht, aber nicht nass sein möchten, wie alle Epiphyten, empfiehlt sich ein Substrat, das gut drainiert ist, dabei aber trotzdem reichlich Wasser speichert. Anfangs hielt ich die Pflanze in Rinde mit etwas getrocknetem Sphagnum-Moos. Das war auch erfolgreich, nur wurde es mir mit zunehmender Anzahl an Pflanzen in meiner Orchideensammlung einfach zu viel Arbeit, immer gießen oder tauchen zu müssen. Seitdem steht sie bei mir in mineralischem Substrat, einer Mischung aus Lava, Bims und Akadama, alles in der Körnung 5 – 10 mm. Sie wächst darin genauso gut, nur ist die Pflege etwas weniger zeitintensiv, da man sie im mineralischen Substrat einfach in eine mit Wasser gefüllte Schale stellen kann. Wenn die Schale vollständig ausgetrocknet ist, wird sie wieder mit Wassser gefüllt, das war’s. Die Steinchen des Substrats ziehen die Feuchtigkeit durch die Kapillarwirkung nach oben, werden dabei aber nicht zu nass. Außerdem bildet sich durch die andauernde Feuchtigkeit recht schnell ein Moospolster auf dem Pflanzstoff, was sehr dekorativ aussieht. Natürlich kann man auch andere Substrate verwenden, da muss man einfach etwas ausprobieren und das für sich passende finden.

Zusammenfassend möchte ich sagen, dass Maxillaria variabilis eine sehr einfach zu kultivierende Naturform ist, die regelmäßig blüht und viel Freude macht!

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Die Blüten von Maxillaria variabilis können auch dunkelrot gefärbt sein.
(Foto: Irene Bock)

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Bei guter Kultur bildet Maxillaria variabilis viele Blüten aus.
(Foto: Irene Bock)

Update vom 16.05.2022 zur Kulturmethode:

Kurz nach dem Erscheinen des Beitrags musste ich meine Maxillaria variabilis neu topfen, da die kleine Pflanze ihren 6 cm großen Topf bereits ausfüllte. Um mir die Kultur noch etwas einfacher zu gestalten, entschied ich mich dazu, Maxillaria variabilis in einen Gießtopf mit Wasserreservoir zu pflanzen. Als Pflanzstoff verwendete ich das mineralische Substrat, das bei den Gießtöpfen im Gartencenter mit enthalten ist. Es ist wesentlich feiner und vorgedüngt – nicht das also, was epiphytisch wachsende Orchideen eigentlich mögen. Durch die feinere Körnung gibt es natürlich auch weniger Luftbewegung an den Wurzeln. Der bereits enthaltene Dünger lässt sich nicht exakt dosieren und man läuft Gefahr, dass die feinen Wurzeln aufgrund des hohen Salzgehalts verbrennen. Da jedoch nicht mein ganzes Herz an dieser Pflanze hing und ich sehr gerne auch mal experimentiere, setzte ich die Pseudobulben auf dieses Medium, obwohl es nicht besonders günstig erschien.

Gegossen wurde anfangs ausschließlich mit reinem Quellwasser, das eine Leitfähigkeit von ungefähr 150 µS/cm hat. In den ersten zwei Jahren gab es keinerlei zusätzlichen Dünger, da das Substrat ja bereits vorgedüngt war. Seit ca. einem Jahr wird nun wieder regelmäßig gedüngt, da ich davon ausgehe, dass die Salze inzwischen aus dem Substrat gespült wurden. Während der Sommermonate fülle ich den Tank des Gießtopfs mindestens einmal im Monat mit Düngerwasser (ca. 400 µS/cm) auf. Zwischen den Düngergaben gibt es nur reines Regenwasser mit einer Leitfähigkeit von 18 – 20 µS/cm.

Nach drei Jahren hat Maxillaria variabilis nun den quadratischen Gießtopf mit einer Kantenlänge von ungefähr 10 cm in alle Richtungen überwuchert und ist außerdem auch ordentlich in die Höhe gewachsen. Im Moment (10.05.2022) trägt sie über 60 offene Blüten, einige sind schon abgeblüht und einige Knospen kommen noch nach, sodass es die Pflanze dieses Jahr locker auf mehr als 100 Blüten bringt, was für ihre Größe schon ganz ordentlich ist, wie ich finde.

Das Experiment scheint also geglückt zu sein!

Obwohl Maxillaria variabilis an ihren natürlichen Standorten keiner ausgeprägten Trockenzeit ausgesetzt ist, steht sie bei mir in den Wintermonaten (Januar bis zum Erscheinen der ersten Knospen) vollkommen trocken und relativ kühl. Die nächtlichen Temperaturen fallen auch mal auf 8 °C ab. Sobald im März/April die ersten Knospen erscheinen, gibt es wieder ordentlich Wasser und auch direkt Dünger. Kurz nach der ersten Wassergabe explodiert die Pflanze förmlich und an allen Ecken und Enden erscheinen weitere Knsopen. Die Blütezeit erstreckt sich bis in den Juni. Diese Zeit verbringt die Pflanze nicht an ihrem angestammten kühlen Platz an einem sehr hellen Fenster mit südwestlicher Ausrichtung, sondern in unserem hellen Wohnzimmer, das dann über Monate von ihrem frischen und intensiven Duft erfüllt wird.

Ich kultiviere meine Maxillaria variabilis an einem sehr hellen Fenster mit Sonnenschein von den frühen Nachmittagsstunden bis Sonnenuntergang. Vermutlich trägt sie wegen der hohen Lichtintensität vergleichsweise kurzes Laub. Außerdem hat sich die Blütenfarbe von einem strahlenden Hellgelb hin zu einem hellen Orange geändert. Auch das führe ich auf die direkte Sonneneinstrahlung zurück.

Eine wirklich einfach zu kultivierende Naturform, die mit ihrer langen Blütezeit das gesamte Frühjahr versüßt!

Viel Erfolg beim Kultivieren!

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Habitus meiner Maxillaria variabilis mit zahlreichen Blüten – die Pseudobulben wachsen bereits über den Rand des 10 cm großen Gießtopfs.
(Foto: Thomas Jacob)

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Maxillaria variabilis produziert von März bis Juni zahlreiche Blüten.
(Foto: Thomas Jacob)