Deutsche Orchideen-Gesellschaft e.V.

Maxillaria sophronitis

Am 22. Juni 2020 um 0:01 veröffentlicht. Kategorie: ,

Maxillaria sophronitis

Maxillaria sophronitis (Foto: Thomas Lehmann)

Im Jahr 1854 beschrieb der deutsche Botaniker Heinrich Gustav REICHENBACH  in „Bonplandia“ die Art erstmalig unter dem Namen Ornithidium sophronitis. Im Jahre 1958 kombinierte Leslie Andrew GARAY in „Botanical Museum Leaflets“ die gesamte Gattung Ornithidium in die Gattung Maxillaria um. Trotz zwei weiterer Umkombinationen der Art aus neuerer Zeit ist Maxillaria sophronitis bis heute der von Kew akzeptierte Name. Der Gattungsname Maxillaria leitet sich vom lateinischen Wort maxilla ab, das übersetzt Kinnbacken bedeutet. Der Name wurde gewählt, da die Struktur von Lippe und Säule dem Aufbau von Unterkiefer und Unterlippe einiger Insekten ähnelt. Für den Artnamen sophronitis entschied sich REICHENBACH, da der niedrige Wuchs und die Blütenfarbe an Sophronitis-Arten erinnern.

Maxillaria sophronitis ‚Hagelschaden‘ BM/D.O.G. (Foto: D.O.G.-Archiv)

Das natürliche Verbreitungsgebiet von Maxillaria sophronitis erstreckt sich von Venezuela bis ins nordöstliche Kolumbien. Die Art wächst dort epiphythisch in Regenwäldern von 750 – 1700 Metern über dem Meeresspiegel. Die klimatischen Bedingungen sind kühl-temperiert, an manchen Standorten auch warm. Niederschlag gibt es das ganze Jahr über, auch die Luftfeuchtigkeit ist ganzjährig sehr hoch.

An wenigen Zentimeter langen Rhizomen wachsen kleine eiförmige Bulben heran, auf denen jeweils ein kleines Blatt sitzt. Das Laub ist dunkelgrün und sehr fest. Durch den kriechenden Wuchs bilden die Pflanzen kleine Teppiche aus. An der Basis der Pseudobulben treten die nur einen Zentimeter langen Infloreszenzen hervor, die jeweils eine leuchtend rote Blüte tragen. Während sich die Sepalen weit öffnen und fast ein Dreieck bilden, bleiben die Petalen wesentlich kleiner und stark nach vorne geneigt. Sie legen sich regelrecht über die Geschlechtsorgane. Die Blütezeit beginnt im Herbst und erstreckt sich bis in den zeitigen Winter hinein.

Die Art lässt sich getopft auf der Fensterbank kultivieren. Allerdings nimmt sie durch ihren Wuchs nach einigen Jahren Ausmaße an, die den Rahmen der Fensterbankkultur – besonders getopft – sprengen. Da sie sich aber sehr leicht teilen lässt, kann man sie auch über einen längeren Zeitraum auf Fensterbankgröße halten und die Orchideenfreunde mit Teilstücken erfreuen. In einer Orchideenvitrine oder einem Gewächshaus lässt sich Maxillaria sophronitis auch sehr gut aufgebunden kultivieren.

Getopft habe ich meine Maxillaria sophronitis in mineralischem Substrat. Lavagranulat von 2 – 8 mm bietet eine gute und gleichmäßige Feuchtigkeit, wenn der Topf immer in einer kleinen Pfütze Wasser steht. Auch Bimskies, Akadama, Kanuma oder eine Mischung daraus sollten funktionieren. Wichtig dabei ist, dass die Pflanzenteile (Pseudobulben, Blätter, Rhizome, etc.) nicht im Substrat vergraben werden. Sie sollten lediglich auf dem Pflanzstoff aufsitzen, da sie sonst durch die andauernde Feuchigkeit faulen könnten. Der große Vorteil von mineralischen Substraten ist, dass sie absolut strukturstabil sind und nicht verrotten. Neu getopft werden muss also erst, wenn der Topf zu klein wird und die Pflanze über den Rand hinauswachsen möchte. Wobei mein Exemplar längst über den Rand hinausgewachsen ist und viele der Neutriebe in die Luft und nicht in den Pflanzstoff wurzeln. Noch stört es mich nicht und scheinbar fühlt sich auch die Pflanze damit noch wohl, da sie regelmäßig blüht. Natürlich eignen sich auch alle anderen gängigen Pflanzstoffe, die eine gleichmäßige Dauerfeuchtigkeit ermöglichen. Jeder hat da sein eigenes Rezept, mit dem er gut klarkommt.

Das Wässern erfolgt bei mineralischen Substraten durch eine kleine, ständig mit Wasser gefüllte Schale, in der der Topf steht. Durch die Kapillarität der Mineralien zieht sich das Wasser bis an die Substratoberfläche. Es entsteht eine gleichmäßige Feuchtigkeit im gesamten Topf. Mineralisches Substrat kann dabei auch niemals zu nass werden – ein weiterer Vorteil dieser Kultur. Maxillaria sophronitis wird vom Frühjahr bis in den Herbst regelmäßig gedüngt. Der Leitwert des Düngerwassers beträgt dabei 300-350 Mikrosiemens/cm. Gelegentlich wird der Topf mit ungedüngtem Wasser durchgespült, um ein zu starkes Versalzen des Substrats zu vermeiden. In den Wintermonaten dünge ich gar nicht. Während der dunklen Jahreszeit, in der es bei uns in Deutschland wesentlich weniger Sonnenstunden pro Tag gibt als in Venezuela und Kolumbien, fährt der Stoffwechsel der Pflanze deutlich herunter und verbraucht somit auch weniger Nährstoffe. Die im Pflanzstoff angereichterten genügen, um Maxillaria sophronitis gut durch den Winter zu bringen.

Da die Art in der Natur in unterschiedlichen Höhenlagen und damit auch in unterschiedlichen Temperaturbereichen vorkommt, kann sie sich auch in Kultur an die Gegebenheiten anpassen, solange es nicht zu kalt ist. Temperierte bis warme Bereiche verträgt meine Pflanze sehr gut, wirklich kühl hat sie es an ihrem Standort im Orchideenzimmer bei mir nie. Auch im Winter fallen die Temperaturen nicht unter 16-17 Grad in der Nacht, am Tag kann es dann bis auf 28 Grad aufheizen, wenn die Sonne scheint. Dadurch entsteht natürlich ein recht großes Tag-Nacht-Gefälle, das der Pflanze offenbar zusagt. Ob dies  zur Blüteninduktion zwingend nötig ist, kann ich nicht mit Sicherheit sagen, da ich sie bisher nur so kultiviert habe.

Im Sommer lässt sich Maxillaria sophronitis auch gut im Freien kultivieren, wenn sie vor zu starker Sonneneinstrahlung geschützt wird. Bei mir steht sie allerdings ganzjährig im Zimmer an einem schattierten Südfenster. Direkte Sonnenstrahlen fallen somit niemals auf die Pflanze, wobei sie den ganzen Tag über sehr viel Licht erhält. Da der Lichtbedarf der Art aber nicht so groß ist, kommt sie auch gut an Fenstern mit anderer Himmelsrichtung zurecht. Selbst ein helles Nordfenster sollte sich eignen.

Die rot leuchtenden Blüten ziehen automatisch alle Blicke auf sich. Obwohl die Blütezeit im Herbst beginnt, blüht meine Maxillaria sophronitis auch oft vom Frühjahr bis in den frühen Sommer hinein. Viel Erfolg beim Kultivieren!

Autor: Thomas Lehmann

Eine Übersicht aller Beiträge der Kategorie „Orchidee der Woche“ findet ihr hier.

Du möchtest gerne eine deiner Orchideen als „Orchidee der Woche“ vorstellen? Sehr gerne! Melde dich bei uns unter onlineredaktion@orchidee.de

Maxillaria sophronitis ‚Wasen‘ BM/D.O.G. (Foto: D.O.G.-Archiv)
Habitus von Maxillaria sophronitis (Foto: Thomas Lehmann)
Seitenansicht der Blüte (Foto: Thomas Lehmann)
Die Blüte von Maxillaria sophronitis im Profil (Foto: Thomas Lehmann)
Die Infloreszenzen entspringen an der Basis der neuen Pseudobulben. (Foto: Thomas Lehmann)