Deutsche Orchideen-Gesellschaft e.V.

Maxillaria schunkeana

Am 7. Januar 2019 um 0:01 veröffentlicht. Kategorie:

Maxillaria schunkeana

Maxillaria schunkeana (Foto: D.O.G.-Archiv)

Die beiden brasilianischen Botaniker Marcos Antonio CAMPACCI und Roberto Anselmo KAUTSKY veröffentlichten in Orquidário 7(4): 136 (1993) einen Beitrag, in dem sie Maxillaria schunkeana erstmalig beschrieben und gaben ihr den bis heute gültigen Artnamen. Im Jahr 2007 wurde sie in einer Veröffentlichung in die Gattung Brasiliorchis überführt und vier Jahre später in die Gattung Bolbidium. Beide Überführungen haben sich bis heute allerdings nicht durchgesetzt. Zwar laufen sie als Synonyme bei KEW´s World Checklist of Selected Plant Families (WCSP), aber sie finden bei  Züchtern und Orchideen-Enthusiasten nur selten bis gar nicht Verwendung.

Habitusbild von Maxillaria schunkeana, die aufgebunden kultiviert wird (Foto: Norbert BAUMBACH)

Beheimatet ist Maxillaria schunkeana ausschließlich in Espírito Santo, einem Bundeststaat im südöstlichen Brasilien. Sie kommt dort auf Höhen zwischen 600 und 700 Metern über dem Meeresspiegel vor. Die Temperaturen im Winter können dort sehr kühl werden, die Sommer sind sehr heiß. Eine ausgeprägte Trockenzeit gibt es im Süden von Espírito Santo nicht. Je nach Standort der Pflanzen gibt es entweder gar keine Trockenzeit oder aber eine sehr schwach ausgeprägte. Maxillaria schunkeana wächst epiphytisch in küstennahen Regenwäldern, meist auf Bäumen aufsitzend, und ist nur selten der vollen Sonne ausgesetzt.

Die Pflanzen sind eher kleinwüchsig und bilden kleine, zylindrische Pseudobulben aus, die circa. 3-5 cm hoch und jeweils mit zwei festen, spitz zulaufenden Blättern besetzt sind. Die Blätter erreichen eine Länge von 5-7 cm. An der Basis der Pseudobulben entspringen meist im Frühjahr kurze Infloreszenzen, die jeweils eine einzelne nur 1,5-2 cm breite Blüte tragen, die je nach Lichteinfall blutrot bis fast tiefschwarz wirkt. Die Blüten überragen die Pseudobulben gerade so, verstecken sich aber zwischen dem Laub.

Die Kultur auf der Fensterbank sollte im Winter in einem nicht beheizten Raum stattfinden, da die kühleren Temperaturen die Blüteninduktion fördern. Es muss aber nicht eiskalt sein. Besonders auf Fensterbänken aus Stein wird es im Winter oft recht kühl, wenn nicht direkt darunter eine Heizung läuft. Das sollte für Maxillaria schunkeana ausreichen. Auch an den Naturstandorten gibt es Pflanzen, die etwas wärmer stehen als andere Artgenossen. Grundsätzlich gilt dann aber: Je kühler, desto trockener!

6 Blüten hat meine Pflanze geschafft – eine ist leider auf der Rückseite versteckt (Foto: Thomas LEHMANN)

Von Frühjahr bis Herbst mag Maxillaria schunkeana dauerfeucht stehen. Der Pflanzstoff sollte also niemals durchtrocknen. Je nachdem, welches Substrat verwendet wird, muss besonders im Sommer sehr regelmäßig getaucht werden. Im Moment habe ich meine Pflanze noch in feiner Rinde mit Perliten getopft, was mir im Sommer aber zu schnell abtrocknet und daher zu viel Arbeit macht. Ich werde sie im Frühjahr auf mineralisches Substrat umsetzen, da ich bei Maxillarien gute Erfahrungen damit gemacht habe. Ich werde eine Mischung aus Lavagranulat, Bimskies, Perlite und Akadama nehmen, alles in einer Körnung von 2-8 mm. Gröber sollte mineralisches Substrat nicht gewählt werden, da die Kapillarität sonst stark nachlässt und sich die Feuchtigkeit nicht mehr gleichmäßig im Topf verteilt.  Wichtig bei mineralischen Substraten ist auch, dass die Pseudobulben nur auf dem Pflanzstoff aufsitzen dürfen, da sie sehr schnell faulen können, wenn sie im Substrat vergraben sind. Wie schon oft in anderen Beiträgen erwähnt, muss der Topf immer in einer Schale stehen, die mit 1-2 cm Wasser gefüllt ist, wenn die Pflanze mineralisch getopft ist.

Den Winter verbringt meine Pflanze unter kühl-temperierten Bedingungen an einem südwestlich ausgerichteten Fenster. Das Zimmer bleibt ungeheizt, allerdings erwärmt sich der Raum bei Sonnenschein recht schnell . An kalten, bewölkten Tagen steht die Pflanze recht trocken und wird nur einmal pro Woche etwas gegossen. Wasser, das unten herausläuft, bleibt in der Schale stehen. Es sollte aber nicht so viel sein wie im Sommer und innerhalb von 2-3 Tagen aufgesogen sein. Den Rest der Woche bleibt die Pflanze dann trocken. Wenn es längere Zeit sonnig und wärmer ist, bekommt sie auch etwas mehr Wasser.

In den wärmeren Monaten dünge ich mein Wasser auf einen Leitwert von ca. 150-200 Mikrosiemens auf. Viel mehr sollte es nicht sein, da die feinen Wurzeln von Maxillaria schunkeana  sehr salzempfindlich sind und bei höheren Düngergaben „verbrennen“. Das Salz verstopft die Poren des Velamens und die Wurzel wird braun und stirbt ab. Gelegentlich spüle ich den Topf auch mit klarem Wasser ohne Dünger durch, um ein Versalzen des Substrats zu vermeiden.

Im Sommer kann Maxillaria schunkeana auch sehr gut an einem schattigen Platz im Garten oder auf dem Balkon gepflegt werden. Da sie Temperaturschwankungen und Luftbewegung mag, sorgt ein Aufenthalt im Freien dafür, dass sie gesund und kräftig wächst und jedes Jahr mehr Blüten trägt. Nur direkte Mittagssonne sollte im Sommer auf jeden Fall vermieden werden. Im Winter verträgt sie auch die Mittagssonne.

Die fast schwarzen Blüten ziehen alle Blicke auf sich. Eine wirklich tolle Naturform, die durch ihre geringe Größe in jeder Orchideensammlung Platz findet! Viel Erfolg beim Kultivieren!

Autor: Thomas LEHMANN

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Seitenansicht der Blüte (Foto: Norbert BAUMBACH)
Seitenansicht der Blüte (Foto: Norbert BAUMBACH)
Seitenansicht der Blüte (Foto: Thomas LEHMANN)
Die Blüten verstecken sich regelrecht unter dem Laub (Foto: Norbert BAUMBACH)
Meine Pflanze im Dezember (Foto: Thomas LEHMANN)
Die Blüten sind aufgrund ihrer Größe und dunklen Farbe sehr schwer zu fotografieren (Foto: Thomas LEHMANN)