Deutsche Orchideen-Gesellschaft e.V.

Maxillaria sanguinea

Am 29. Juli 2019 um 0:01 veröffentlicht. Kategorie: ,

Maxillaria sanguinea

Maxillaria sanguinea – das obere Sepalum und die Petalen öffnen sich bei dieser Art nur ganz wenig, während sich die unteren Sepalen strecken (Foto: Thomas Lehmann)

Robert Allen ROLFE, der erste Kurator des Orchideen-Herbariums der Royal Botanic Gardens in Kew und Gründer des Orchideen-Magazins “The Orchid Review“, beschrieb diese kleinbleibende Art erstmals im Jahr 1895 in „Bulletin of Miscellaneous Information“, dem Magazin der Kew Gardens, in dem regelmäßig Erstbeschreibungen von führenden Orchideenforschern publiziert wurden. Der costa-ricanische Botaniker Mario Alberto BLANCO und sein venezolanischer Kollege Germán CARNEVALI überführten die Art in „Lankesteriana : la revista cientifica del Jardin Botanico Lankester“ im Jahr 2007 in die Gattung Maxillariella. In der WCSP (World Checklist of Selected Plant Families) wird Maxillariella sanguinea allerdings bis heute nur als Synonym zu Maxillaria sanguinea geführt.

Die Art wächst epiphytisch auf Bäumen der Regenwälder in Costa Rica und Panama. Man findet Maxillaria sanguinea auf Höhen von 50-900 Metern über dem Meeresspiegel. Je nach Standort variieren auch die klimatischen Bedingungen etwas. In tieferen Lagen herrschen warme, teilweise sogar heiße, Temperaturen. In höheren Lagen weisen die Standorte eher temperiert-kühle Bedingungen auf. Niederschlag gibt es das ganze Jahr hindurch. Durch die hohe Luftfeuchtigkeit der Regenwälder trocknet das Habitat niemals aus. Dadurch sind die Pflanzen einer andauernden Feuchtigkeit ausgesetzt. Durch das immergrüne Laub der Bäume wächst Maxillaria sanguinea zwar sehr hell, aber meist ohne direkte Sonneneinstrahlung.

Habitus von Maxillaria sanguinea (Foto: Thomas Lehmann)

Die Art bildet ca. 2-3 cm große eiförmige Pseudobulben aus, auf denen jeweils ein einzelnes Blatt sitzt. Die Blätter sind nicht breiter als 3 mm – meist sogar schmaler – werden aber bis zu 20 cm lang. Dadurch wirken sie grasartig fragil. An den neu gebildeten Pseudobulben entstehen im Winter die meist nur 1 cm langen Infloreszenzen, die lediglich eine einzelne Blüten tragen. Die Blüten sind ca. 3 cm breit und 2-2,5 cm hoch. Die Tepalen haben eine orangegelbe Farbe und sind mit rotbraunen Flecken besetzt. Das Labellum ist weißgrundig und flächig mit einem leuchtenden Rosa bis Rot überhaucht, wobei der Vorderlappen lediglich mit wenigen rosafarbenen Punkten besetzt ist. Während die unteren Sepalen richtig gestreckt werden, öffnen sich die Petalen und das obere Sepalum kaum. Die Blüten haben einen leicht fruchtigen Duft.

Die Art lässt sich problemlos auf der Fensterbank kultivieren. Allerdings nimmt sie nach einigen Jahren Ausmaße an, die den Rahmen der Fensterbankkultur sprengen. Da sie sich aber sehr leicht teilen lässt, kann man sie auch über einen längeren Zeitraum auf Fensterbankgröße halten. Ich selbst habe vor ungefähr zwei Jahren ein kleines Teilstück mit wenigen Bulben bekommen, das inzischen ordentlich gewachsen ist und in diesem Winter erstmalig – wenn auch nicht besonders üppig – geblüht hat.

Getopft habe ich meine Maxillaria sanguinea in mineralischem Substrat. Bimskies, Akadama und Lava habe ich mit ein wenig Perliten nach Gefühl zusammengemischt und meine Pflanze vor  zwei Jahren darin eingepflanzt. Wichtig dabei ist, dass die Pflanzenteile (Pseudobulben, Blätter, Rhizome, etc.) nicht im Substrat vergraben werden. Sie sollten lediglich auf dem Pflanzstoff aufsitzen, da sie sonst durch die andauernde Feuchigkeit faulen könnten. Der große Vorteil von mineralischen Substraten ist, dass sie absolut strukturstabil sind und nicht verrotten. Neu getopft werden muss also nur, wenn der Topf zu klein wird und die Pflanze über den Rand hinauswachsen möchte. Natürlich eignen sich auch alle anderen gängigen Pflanzstoffe, die eine Dauerfeuchtigkeit ermöglichen. Jeder hat da sein eigenes Rezept, mit dem er gut klarkommt.

Im direkten Vergleich mit den kleinen Pseudobulben wirkt ein Daumen echt groß. (Foto: Thomas Lehmann)

Das Wässern erfolgt bei mineralischen Substraten durch eine kleine, ständig mit Wasser gefüllte Schale, in der der Topf steht. Durch die Kapillarität der Mineralien zieht sich das Wasser bis an die Substratoberfläche. Es entsteht eine gleichmäßige Feuchtigkeit im gesamten Topf. Das mineralische Substrat kann dabei auch niemals zu nass werden – ein weiterer Vorteil der mineralischen Kultur.

Maxillaria sanguinea wird vom Frühjahr bis in den Herbst regelmäßig gedüngt. Der Leitwert des Düngerwassers beträgt dabei 300-350 Mikrosiemens/cm. Gelegentlich wird der Topf mit klarem Wasser durchgespült, um ein zu starkes Versalzen des Substrats zu vermeiden. In den Wintermonaten dünge ich gar nicht. Während der dunklen Jahreszeit, in der es bei uns in Deutschland wesentlich weniger Sonnenstunden pro Tag gibt als in Costa Rica und Panama, fährt der Stoffwechsel der Pflanze deutlich herunter und verbraucht somit auch weniger Nährstoffe. Die im Pflanzstoff angereichterten Nährstoffe genügen, um Maxillaria sanguinea gut durch den Winter zu bringen.

Da die Art am Naturstandort in verschiedenen Temperaturbereichen heimisch ist, kann sie sich auch in Kultur an die Gegebenheiten anpassen, solange es nicht zu kalt ist. Temperierte bis warme Bereiche sollten überhaupt kein Problem sein. Meine Maxillaria sanguinea steht in meinem beheizten Orchideenzimmer, das ganzjährig warm ist. Auch im Winter fallen die Temperaturen nicht unter 16-17 Grad in der Nacht, am Tag kann es dann bis auf 28 Grad aufheizen, wenn die Sonne scheint. Dadurch entsteht natürlich ein recht großes Tag-Nacht-Gefälle, das der Pflanze offenbar sehr gut gefällt. Ob es zwingend nötig ist zur Blüteninduktion, kann ich nich mit Sicherheit sagen, da ich sie bisher nur so kultiviert habe.

Im Sommer kann man Maxillaria sanguinea auch gut im Freien kultivieren, wenn sie vor zu starker Sonneneinstrahlung geschützt wird. Bei mir steht sie allerdings ganzjährig im Zimmer an einem schattierten Südfenster. Direkte Sonnenstrahlen fallen somit niemals auf die Pflanze, wobei sie den ganzen Tag über sehr viel Licht erhält. Da der Lichtbedarf der Art aber nicht so groß ist, kann sie auch gut an Fenstern mit anderer Himmelsrichtung stehen. Selbst ein helles Nordfenster sollte eigentlich geeignet sein.

Mit den kleinen Pseudobulben und den grasartigen Blättern finde ich Maxillaria sanguinea auch ohne Blüten recht imposant und eine Bereicherung für die Fensterbank. Die duftenden Blüten im Winter sprechen natürlich auch für die Pflanze. Viel Erfolg beim Kultivieren!

Autor: Thomas Lehmann

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Blütenbild von Maxillaria sanguinea (Foto: Thomas Lehmann)
Seitenansicht der Blüte (Foto: Thomas Lehmann)
Ein Blick von unten auf die Blüte (Foto: Thomas Lehmann)
Schon die Knospe ist fast so lang wie eine Pseudobulbe. (Foto: Thomas Lehmann)
Die Blüten an ihren kurzen Infloreszenzen verstecken sich regelrecht im Laub der Pflanzen. (Foto: Thomas Lehmann)