Deutsche Orchideen-Gesellschaft e.V.

Masdevallia veitchiana

Am 18. Juni 2018 um 0:01 veröffentlicht. Kategorie: ,

Masdevallia veitchiana

Masdevallia veitchiana ‚Prince de Galle‘ (Foto: Thomas LEHMANN)

Heinrich Gustav REICHENBACH war ein deutscher Botaniker und Orchideensammler, der mit der Erstbeschreibung von Masdevallia veitchiana den englischen Orchideenzüchter John VEITCH ehrte. Veröffentlicht wurde die Erstbeschreibung im Jahre 1886 in „The Gardeners‘ Chronicle“. Masdevallia veitchiana ist eine überwiegend terrestrisch wachsende Naturform. Gelegentlich wächst sie epiphytisch und sehr selten auch epiphytisch. Sie ist beheimatet im Gebiet von Machu Picchu in Peru und wächst dort unter kalten Bedingungen auf Höhenlgen von 2000 – 4000 Metern. Oft findet man die Pflanzen an steilen, mit Gräsern und Sträuchern bedeckten felsigen Abhängen in voller Sonne, wobei ihre Blätter meist von den benachbarten Gewächsen vor zu hoher Sonneneinstrahlung geschützt werden. Niederschläge gibt es das ganze Jahr über und es herrscht eine andauernd hohe Luftfeuchtigkeit. Wie alle Masdevallien treibt auch Masdevallia veitchiana einzelne aufrechte Blätter an dünnen Stielen aus, die in etwa 20 cm hoch werden können und sehr fest sind. Die Infloreszenz entspringt dem unteren Stielende und ragt mit bis zu 45 cm Länge deutlich über die Blätter hinaus. Am Blütentrieb entsteht jeweils eine einzelne Blüte, die in der Mitte kelchförmig ist und sich flächig in 3 einzelne Bütenblätter teilt, welche wiederum in fadenähnliche Verlängerungen auslaufen. Die Blüte ist orange gefärbt und mit unzähligen violetten Härchen besetzt, sodass ein prismatisch visuelles Farbenspiel entsteht. Die Blüte sieht je nach Lichteinfall und Blickwinkel anders gefärbt aus.

Masdevallia veitchiana ‚Prince de Galle‘ – hier sieht man schön wie weit die Blüten über das Blattwerk hinausragen (Foto: Thomas LEHMANN)

Die Kultur von Masd. veitchiana ist identisch mit der Kultur der bereits vorgestellten Masd. ignea und der in Kürze kommenden Masd. coccinea. Im Beitrag von Masdevallia ignea ging ich auf die Kultur in mineralischem Substrat ein, im Beitrag von Masdevallia coccinea, der in Kürze folgt, wird die Topfkultur in Sphagnum-Moos vorgestellt. Beide Kulturformen können 1:1 für Masdevallia veitchiana übernommen werden. Eine weitere Möglichkeit möchte ich im Folgenden noch aufzeigen. Wer ein Kalthaus oder eine Orchideenvitrine mit kalten Temperaturen besitzt, kann Masdevallien auch aufgebunden kultivieren. Entweder auf Kork- oder Rindenstücken oder in sogenannten Gießröhren aus Ton. Für die Kultur im Wohnraum sind diese beiden aufgebundenen Varianten eher ungeeignet, da die Luftfeuchtigkeit im Wohnraum nicht so hoch gehalten werden kann, dass sich Masdevallien wohlfühlen. Man müsste dadurch sehr regelmäßig (mehrmals täglich) sprühen, um die Wurzeln dauerhaft feucht halten zu können.

Zum Aufbinden auf Kork, Rinde oder Tonröhren bringt man am besten zuerst eine Lage Moos auf. Befestigen lässt sich das Ganze mit spezieller, dehnbarer Aufbindeschnur oder mit einer in Streifen geschnittenen Damenstrumpfhose. Ein normaler Faden oder gar Draht, der nicht dehnbar ist, würde sich auf Dauer in die Wurzeln schneiden und diese abtöten. Nachdem man ein Moospolster auf der Unterlage befestigt hat, legt man die Wurzeln der Pflanze auf dieses Moospolster und bedeckt diese wiederum mit Moos. Zum Schluss wickelt man mit besagter Aufbindeschnur (o. ä. geeignetem Material) das Ganze noch fest, ohne zu starken Druck auf die Wurzeln auszuüben. Im Laufe der Zeit wächst Masdevallia veitchiana (oder eben alle anderen Masdevallien) auf der Unterlage fest und ist dann auch nicht mehr so leicht davon zu trennen. Die neuen Wurzeln gehen regelrecht eine Verbindung mit dem Material ein.

Wie gesagt benötigt veitchiana möglichst kalte Temperaturen. Im Sommer ist dies bei uns natürlich nur bedingt möglich, weshalb sie unbedingt schattig stehen sollte. Im Winter sollten die nächtlichen Temperaturen nach meinen Erfahrungen unter 10 Grad liegen. Zumindest mit meinen Kulturmöglichkeiten habe ich die Pflanze in wärmeren Wintern nicht zum Blühen gebracht. Es wurden zwar jedes Jahr mehrmals Infloreszenzen angesetzt, aber sie verkümmerten immer, bevor sie zur Blüte kamen.

Das Wasser muss, wie in den Beiträgen zu ignea und coccinea beschrieben, sehr salzarm sein. Auch mit Dünger überschreite ich niemals die 150 Mikrosiemens, da die Wurzeln sehr schnell mit Verbrennungen auf die gelösten Salze im Wasser reagieren.

Besonders wichtig bei der aufgebundenen Kultur ist auch für ausreichend Luftbewegung und Frischluftzufuhr zu sorgen, besonders in einer kalten Orchideenvitrine. Sonst kann es sehr schnell zu Fäulnis oder Pilzbefall an der Pflanze kommen.

Die größte Herausforderung in der Kultur der meisten Masdevallien ist meiner Meinung nach die kalte Temperatur, die besonders einige Naturformen wirklich lieben und benötigen. Für den Einsteiger wäre eine etwas wärmetolerantere Hybride wahrscheinlich die einfachere Variante. Wer die Herausforderung liebt, sollte es mit Masdevallia veitchiana und ihrem herrlichen Farbenspiel versuchen. Es lohnt sich!

Autor: Thomas LEHMANN

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Masdevallia veitchiana ‚Wolfi‘ BM/DOG (Foto: D.O.G.-Archiv)
Masdevallia veitchiana ‚Kerstin‘ BM/DOG (Foto: D.O.G.-Archiv)
Masdevallia veitchiana ‚Prince de Galle-Weiskirchen‘ BM/DOG (Foto: D.O.G.-Archiv)
Masdevallia veitchiana ‚Prince de Galle‘ (Foto: Thomas LEHMANN)
Detailaufnahme der lilafarbenen Härchen (Foto: Thomas LEHMANN)
Weitere Detailaufnahme der lilafarbenen Härchen (Foto: Thomas LEHMANN)