Deutsche Orchideen-Gesellschaft e.V.

Ludisia discolor

Am 19. November 2018 um 0:01 veröffentlicht. Kategorie: ,

Ludisia discolor

Ludisia discolor (Foto: Thomas LEHMANN)

Bereits 1818 beschrieb der britische Botaniker John Bellenden Ker GAWLER diese Art ersmalig als Goodyera discolor in „Botanical Register“. Der französische Arzt und Botaniker Achille RICHARD, der von seinem Vater Louis Claude Marie RICHARD schon während der Kindheit an die Botanik herangeführt wurde, erwähnte die Art im Jahr 1825 als Ludisia discolor in einem der 17. Bände von „Dictionnaire Classique d’Histoire Naturelle“. Allerdings blieb es bei dieser Erwähnung und es folgte keine genaue Beschreibung, weshalb die Überführung in die Gattung Ludisia durch A. RICHARD nicht offiziell anerkannt wurde. Fälschlicherweise wird RICHARD aber im „International Plant Name Index“ (kurz: IPNI) als Autor der Art Ludisia discolor angegeben. Die Übersetzung des Originaltextes lautet in etwa:

Die „Standardfarbe“ der Blätter (Foto: Thomas LEHMANN)

„Eine weitere Pflanze wurde kürzlich in England unter dem Namen Goodyera discolor beschrieben, aber sie scheint uns nicht zu dieser Gattung zu gehören. Sie unterscheidet sich vor allem durch ihre nicht konkave Lippe, bietet aber an ihrem Grund einen kleinen zweilappigen Beutel. Ihre Pollen sind zwei gestielte Massen ohne Drüsen. Wir glauben, dass diese Art eine neue Art bildet, die wir unter dem Namen Ludisia beschreiben werden.“

Für eine korrekte Umkombination hätte Achilles RlCHARD die Quelle angeben müssen, wo und von wem Goodyera discolor beschrieben wurde. Außerdem schreibt er ja selbst „wir werden beschreiben“, also im Futur. Die angekündigte Beschreibung wurde bis dato aber noch nicht gefunden. Die korrekte, anerkannte Überführung in die Gattung Ludisia stammt vom deutsch-niederländischen Botaniker Carl Ludwig Ritter von BLUME. In „Flora Javae nec non insularium adjacentiu“  erkennt er zum einen den neuen Gattungsnamen an und nennt dazu die korrekte Quelle. Zum anderen gibt er auch bei der korrekten Umkombination in die Gattung Ludisia John Bellenden Ker GAWLER als Autor der Erstbeschreibung von Goodyera discolor an. Veröffentlicht wurde die korrekte Umkombination im Jahr 1859. Es gab seitdem einige weiterer Umkombinationen, die sich allerdings allesamt nicht durchsetzten. Ludisia discolor ist bis heute der offiziell anerkannte Name. 

Das Verbreitungsgebiet von Ludisia discolor erstreckt sich von China über Myanmar, Laos, Thailand und Kambodscha bis nach Vietnam, Malaysia, Sumatra und Borneo. Sie kommt dort meist terrestrisch, gelegentlich auch  lithophytisch in der Nähe von Flüssen und Bächen in Höhenlagen von 70 – 1100 Metern unter warmen bis heißen Bedingungen vor. Die Standorte sind umgeben von immergrünen, feuchten Auwäldern und dadurch sehr schattig und ganzjährig feucht.

Die hellere Blattfarbe, die oft als var. alba verkauft wird (Foto: Thomas LEHMANN)

Die einzelnen Triebe dieser sympodialen Orchidee haben fleischige Stiele, die sowohl aufrecht als auch hängend wachsen und sich teilweise sogar verdrehen. An den Stielen bilden sich im Abstand von 0,5 – 1 cm wechselständige Blätter. Diese sind rosettenartig angelegt, meist dunkelgrün mit roten Adern durchzogen, wirken fast samtartig und fühlen sich auch so an. Selten findet man Pflanzen, deren Blätter hellgrün und mit weißen Adern durchzogen sind. Diese werden dann meist als Ludisia discolor „var. alba“ angeboten, allerdings ist dies keine offiziell beschriebene Varietät. Aufgrund der sehr dekorativen Blätter werden sie auch gerne „Jewel Orchid“ oder „Juwel-Orchidee“ genannt, da sie selbst ohne Blütenstände sehr ansprechend aussehen. Die Blätter sind tropfenförmig und werden bis zu 8 cm lang und ca. 4 cm breit. An jedem Stiel bilden sich etwa 5-8 Blätter aus, bevor sich die endständige Infloreszenz  entwickelt und den Triebwuchs damit beendet. Die Blütentriebe wachsen aufrecht und können bis zu 30 cm lang werden. Jede Infloreszenz trägt eine Vielzahl von kleinen weißen Blüten mit einer leuchtend gelben Säule. Die Blüten sind 1 -1,5 cm breit und nur 0,5 – 1 cm hoch. Sie duften nicht, halten sich dafür aber über mehrere Wochen. Hauptblütezeit ist im späten Herbst bis in den Winter, gelegentlich blüht die Art auch zu anderen Jahreszeiten.

Ludisia discolor lässt sich wunderbar an einem Nordfenster oder auch etwas weiter im Raum kultivieren, da sie wirklich nicht viel Licht braucht. Ein Zuviel an Licht erkennt man daran, dass die Blätter ihr sattes Grün verlieren und leicht rötlich werden. Direktes Sonnenlicht sollte zu jeder Jahres- und Tageszeit vermieden werden.

Da die Art meist terrestrisch wächst, nutze ich richtige Blumenerde als Planzstoff, allerdings nicht pur. Ich mische etwas feine Rinde und Perlite darunter, damit das Substrat locker und luftig bleibt. Die helle Variation, die ich vor einiger Zeit als Steckling bekam, habe ich in reinem, lebendem Sphagnum-Moos getopft. Auch eine rein mineralische Kultur sollte möglich sein, da manche Pflanzen am Naturstandort litophytisch wachsen. Wichtig ist nur, dass das Substrat möglichst nicht völlig austrocknet. Dann wirft die Pflanze erst ihre Blätter ab, bevor der ganze Trieb eintrocknet und abstirbt. Alte blattlose und abgeblühte Triebe sollten nicht abgeschnitten werden, da aus ihnen neue Triebe wachsen können. Bricht man versehentlich mal einen Teil eines Triebs ab, lässt sich dieser problemlos bewurzeln. Einfach direkt in Substrat oder Moos stecken und immer feucht halten. Innerhalb kurzer Zeit bekommt der Steckling Wurzeln und bildet Neutriebe.

Gegossen oder getaucht wird sehr regelmäßig. Im Sommer dünge ich bei jedem Wässern mit einem Leitwert von ungefähr 200-250 Mikrosiemens. Im Winter dünge ich gar nicht. Die Nährstoffe, die sich den Sommer über im Substrat angereichtert haben genügen in der lichtarmen Jahrezeit, um die Pflanze ausreichend zu versorgen.

Die Erstblüte meines kleinen Stecklings der helleren Blattvariation (Foto: Thomas LEHMANN)

Ludisia discolor liebt es warm, eine ideale Orchidee also für beheizte Räume im Winter. Auch mit etwas niedrigerer Luftfeuchtigkeit kommt sie meiner Erfahrung nach gut zurecht. Nächtliche Temperaturen sollten nicht weit unter 15 Grad fallen, besser sind Temperaturen darüber. Ich pflege meine Pflanzen ganzjährig drinnen. Man kann die Pflanzen aber den Sommer über auch an einem schattigen Platz im Freien halten, wenn sie früh genug wieder ins Haus geholt werden, bevor die Temperaturen im Spätsommer/Herbst wieder fallen.

Eine wirklich anspruchslose Orchidee, die mit ihren schön gezeichneten Blättern alle Blicke auf sich zieht – auch ohne Blüten. Besonders im Spätherbst und Winter wird sie oft in gut sortierten Gartencentern angeboten. Wer also noch keine hat, aber gerne eine hätte, sollte in den nächsten Monaten die Augen offen halten! Viel Spaß beim Kultivieren!

Autor: Thomas LEHMANN

Du möchtest gerne eine deiner Orchideen als „Orchidee der Woche“ vorstellen? Sehr gerne! Melde dich bei uns unter onlineredaktion@orchidee.de

Die Infloreszenen wachsen aufrecht nach oben und es kommen ständig neue Knospen nach (Foto: Thomas LEHMANN)
Nahaufnahme einer Infloreszenz (Foto: Thomas LEHMANN)
Nahaufnahme der kleinen Blüte (Foto: Thomas LEHMANN)
Nahaufnahme der kleinen Blüte (Foto: Thomas LEHMANN)