Deutsche Orchideen-Gesellschaft e.V.

Lepanthopsis astrophora

Am 2. Juli 2018 um 0:01 veröffentlicht. Kategorie: ,

Lepanthopsis astrophora

Lepanthopsis astrophora ‚Maintal‘ BM/DOG (Foto: D.O.G.-Archiv)

Bereits 1892 beschrieben Heinrich Gustav REICHENBACH und Friedrich Wilhelm Ludwig KRAENZLIN diese Naturform erstmalig unter dem Namen Pleurothallis astrophora in Xenia Orchidacea. Leslie Andrew GARAY, ein Botankiker aus den USA, ordnete im Jahr 1962 Pleurothallis astrophora der neuen Gattung Lepanhopsis zu und beschrieb diese in Caldasia neu. An den Küsten Venezuelas und Kolumbiens wächst diese epiphytische Miniatur-Orchidee in Höhenlagen von 700 – 1500 Metern unter temperiert-warmen Bedingungen. Je nach Standort kann es auch sehr heiß sein. Durch die Nähe zum Meer ist die Luftfeuchtigkeit ganzjährig hoch und es gibt auch ganzjährig Niederschläge. Lepanthopsis astrophora bildet einzelne kleine Blätter an kurzen Stielen aus, die eine Höhe von ungefähr 4 cm erreichen. Am oberen Stielende entspringt meist im Herbst die Infloreszenz, welche circa 12 cm lang wird und 6 – 8 sehr kleine sternförmige Blüten trägt, die sich innerhalb weniger Tage gleichzeitig öffnen. Die einzelnen Blüten sind nur 2 mm breit und 3 mm hoch und  hellviolett gefärbt.

Im Vergleich mit meinem Zeigefinger lässt sich gut zeigen, wie klein die Blüten sind (Foto: Thomas LEHMANN)

Wie alle Miniaturorchideen ist auch Lepanthopsis astrophora sehr empfindlich gegenüber Salzen im Gießwasser. Die feinen Wurzeln reagieren sehr schnell mit Verbrennungen und sterben dann ab. Deshalb ist es sehr wichtig mit möglichst reinem, salzarmem Wasser zu gießen. Mein normales Gießwasser hat einen Leitwert von 30 – 50 Mikrosiemens. Gedüngt wird alle 3 – 4 Wochen mit einem Leitwert von 80 – 100 Mikrosiemens. Leitungswassser scheidet aufgrund der hohen Leitfähigkeit bei den Miniaturen immer aus. Gut geeignet ist Regenwasser oder sehr schwach aufgedüngtes Osmose- oder destilliertes Wasser. Auch ein Verschneiden von Leitungswasser und einem der salzarmen Varianten auf den gewünschten Leitwert ist natürlich möglich.

Diese Pflanze bekam ich vor 2 Jahren als kleines Kindel mit 3 Blättern. Sie ist sehr wüchsig und blüht sehr regelmäßig (Foto: Thomas LEHMANN)

Wer eine warme Orchideenvitirine zu Hause hat, kann Lepanthopsis astrophora natürlich aufgebunden auf Kork oder Rinde darin unterbringen und durch eine Beregnungsanlage oder tägliches Sprühen wässern. Wer keine Vitrine hat, kann diese zuckersüße Naturform auch gut in einer Glaskugel im Moosbett kultivieren. Diese Kulturform hatte ich schon in den Beiträgen zu Lepanthes telipogoniflora und Platystele umbellata vorgestellt, sie kann für Lepanthopsis astrophora übernommen werden. Nur die Größe der Glaskugel sollte in diesem Fall etwas größer sein, da die Pflanzen mit Blütentrieben auch 25 cm breit werden können und dementsprechend Platz brauchen. Stoßen die Spitzen der Infloreszenzen an der Glaswand an, wachsen sie oft nicht weiter oder die Blüten verkrüppeln und sehen nicht sehr schön aus. Ich habe meine Lepanthopsis astrophora zusammen mit ein paar anderen Miniaturorchideen in einen ausgedienten Lampenschirm gesetzt. Im Folgenden beschreibe ich noch einmal kurz, wie man so eine Glaskugel am besten einrichtet.

Als Unterlage kann man in den unteren Bereich der Glaskugel ein mineralisches Substrat in feiner Körnung füllen oder man gibt einfach direkt Moos unten hinein. Am geeignetsten finde ich lebendes Sphagnum-Moos, da es leicht desinfizierend und antibakteriell wirkt und außerdem durch die grüne Farbe sehr ansprechend ausssieht. Nachteil ist, dass es weiter wächst und regelmäßig zurückgeschnitten werden muss, damit es die Pflanze nicht überwuchert. Wer als Unterlage mineralisches Substrat hat, gibt darauf dann eine Schicht Moos. Auf dieses Moos setzt man die Pflanze, am besten mit einer Pinzette mit den Wurzeln voraus. Will man sie anders herum durch die Glasöffnung stecken, bleibt man oft mit ein oder zwei Blättern hängen und bricht diese ab. Nachdem man die Pflanze positioniert hat, kommt über die Wurzeln eine weitere Schicht  Moos. Fertig.

Ab jetzt muss man nur noch dafür sorgen, dass das Moos unter keinen Umständen austrocknet, es muss immer feucht gehalten werden. Dazu kann man ruhig im unteren Bereich der Glaskugel eine Pfütze stehen haben. Solange es salzarmes Wasser ist, macht diese Staunässe den Pflanzen nichts aus. Gelegentlich sollte man die Pfütze aber schon antrocknen lassen, um ein Ansiedeln von Bakterien und Keimen zu vermeiden. Nur nicht so lange trocken stehen lassen, dass das gesamte Moos austrocknet. Das führt zum Absterben der ganz feinen Wurzeln, was meist den Tod der Pflanze bedeutet.

Diese winzigen, zarten und sternförmigen Blüten sehen während der Blütezeit wie ein kleines Feuerwerk aus und machen wirklich Freude. Übrigens muss es auch gar keine Glaskugel sein. Ein Bonbon-Glas eignet sich genauso dafür. Wichtig ist nur, dass es eine seitliche Öffnung gibt. Eine Öffnung nur oben lässt zu wenig Luftaustausch zu und erzeugt kein gleichmäßiges Mikroklima wie ein Glas mit seitlicher Öffnung. Viel Spaß beim Kultivieren!

Autor: Thomas LEHMANN

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Lepanthopsis astrophora ‚Wolfgang‘ BM/DOG (Foto: D.O.G.-Archiv)
Lepanthopsis astrophora ‚Maintal‘ BM/DOG (Foto: D.O.G.-Archiv)
Ohne Makroobjektiv nicht zu fotografieren (Foto:Thomas LEHMANN)