Lepanthes Sauron

Lepanthes Sauron – Einzelblüte
(Foto: Thomas Jacob)

Autor/in: Thomas Jacob
Veröffentlicht: 26.09.2022

Lepantes Sauron – eine ganz neue Hybride – wurde von Laurent Minet, einem belgischen Orchideenzüchter erschaffen. Die Eltern dieser Primärhybride sind Lepanthes dalessandroi und Lepanthes inca. Erstaunlicherweise werden die Blüten der Hybride etwas größer als die der beiden Elternteile, sodass sie zu den größten Blüten innerhalb der Gattung gehören. Sie sind rotbraun gefärbt und stellenweise gelb gezeichnet.

Ich erwarb die Pflanze als Lepanthes n. r. (Lths. guatemalensis × Lths. curiosa) und war von Anfang an verwundert, dass manchmal deutlich kleinere und gelb gefärbte Blüten erschienen und andere Male die großen rotbraunen. Einmal blühte sie sogar mit zwei unterschiedlichen Blüten gleichzeitig. Als ich die aktuelle Blüte, die auf den Fotos in diesem Beitrag zu sehen ist, im Internet zeigte und das merkwürdige Blühverhalten der Pflanze dazu postete, meldete sich Laurent Minet bei mir und erklärte, dass sich auf meinem Stück Kork definitiv zwei verschiedene Pflanzen befinden. Zum einen Lepanthes n. r. (Lths. guatemalensis × Lths. curiosa), die mit kleineren gelben Blüten blüht, und zum anderen die rotbraun gefärbte Kreuzung Lepanthes n. r.(Lths. dalessandroi × Lths. inca). Er konnte das zweifelsfrei bestimmen, da beide Kreuzungen aus seiner Zucht stammen.

Wir unterhielten uns über seine zahlreichen Lepanthes-Kreuzungen und vereinbarten, dass ich die Hybride bei der Royal Horticultural Society (RHS) registriere, damit das Kind einen Namen hat. Ich musste nicht lange überlegen, als er mir erzählte, dass bereits eine andere seiner Kreuzungen unter dem Namen Lepanthes Barad-dur registriert wurde.

Kurze Erklärung für alle, denen die Bücher oder Filme “Herr der Ringe“ nicht so geläufig sind: Barad-dûr ist die Festung des bösen Sauron, der die Welt versklaven will und in Gestalt eines großen brennenden Auges wiederkehrte, nachdem er eigentlich schon besiegt schien.

Ich sah also die Blüte meiner noch namenlosen Lepanthes an, drehte sie gedanklich um 90° und sah auf einmal ein großes Auge in leuchtenden Feuerfarben. Somit stand der Name fest: (Lepanthes) Sauron war erneut auferstanden!

Habitus von Lepanthes Sauron
(Foto: Thomas Jacob)

Größenvergleich der Blüte von Lepanthes Sauron mit meinen Fingern (Foto: Thomas Jacob)

Lepanthes Sauron hängt bei mir in meiner noch recht neuen Orchideenvitrine. Die Pflanze ist aufgebunden auf ein Stück Kork mit etwas Sphagnum-Moos als Unterlage. Viel Arbeit macht sie mir nicht, da die Vitrine mit einer Beregnungsanlage ausgestattet ist, die einmal täglich ordentlich wässert und weitere dreimal kurz zur Befeuchtung der Luft anspringt. Mehrmals täglich laufen drei PC-Ventilatoren, die am Lüftungsgitter angebracht sind, damit sich die Luft in der Vitrine nicht staut. Die meisten Orchideen benötigen Luftbewegung und frische Luft, um gut zu gedeihen. Bei stehender Luft und hoher Luftfeuchtigkeit trocknen die Pflanzen nach dem künstlichen Regen nicht zügig genug ab und können dadurch Pilze oder andere Infektionen bekommen. Gute und regelmäßige Belüftung und Luftumwälzung sind in einer Orchideenvitrine daher unerlässlich. Die Beregnungsanlage arbeitet ausschließlich mit sehr salzarmem Regenwasser, dessen Leitfähigkeit bei ca. 15 – 20 µS/cm liegt. Durch diese Anlage wird eine Luftfeuchtigkeit zwischen 70 und 80% erreicht, direkt nach der Regendusche steigt sie auf über 90%. Während der sehr heißen Sommermonate wird täglich jeder Winkel der Vitrine mit einem Handsprühgerät klatschnass gesprüht – meistens am Nachmittag, wenn die Temperaturen ihren Höhepunkt erreicht haben – da ich gemerkt habe, dass die Luftfeuchtigkeit zu dieser Zeit deutlich unter 50% fallen würde. Aber auch eine Woche Urlaub ohne zusätzliches Sprühen haben alle Orchideen in der Vitrine gut überstanden.

Einmal im Monat werden die Pflanzen in der Vitrine etwas gedüngt. Hierfür nehme ich ein manuelles Sprühgerät und befüllte es mit leicht aufgedüngtem Regenwasser. Die Leitfähigkeit meiner fertigen Düngermischung liegt bei ungefähr 150 µS/cm. Die feinen Wurzeln der aufgebundenen Miniaturorchideen reagieren oft besonders empfindlich auf die Salze des Düngers. Deshalb sollte man das Düngerwasser nicht auf trockene Wurzeln sprühen. Damit mir das nicht passiert, dünge ich grundsätzlich direkt nachdem die Beregnungsanlage alles schön befeuchtet hat.

Beleuchtet wird die Vitrine 12 Stunden täglich mit drei verschiedenen Strahlern – lediglich einer davon ist eine stromsparende LED-Lampe. Die beiden anderen sind HQI-Strahler – sogenannte Metalldampflampen. Ein vierter Strahler schaltet sich über die Mittagszeit zusätzlich dazu, da es in der Natur ja auch nicht den ganzen Tag gleich hell ist. Die Lampen sind, wie die Beregnungsanlage auch, über Zeitschaltuhren gesteuert, sodass ich eigentlich keine Arbeit mit den Pflanzen in der Vitrine habe, außer das gelegentliche Düngen. Ich habe die Vitrine vor etwa einem Jahr mit der gesamten Technik übernommen, die sich über Jahre beim Vorbesitzer bewährt hat. Natürlich denke ich über eine Beleuchtung mit LED-Lampen nach. Allerdings macht mir dabei die Höhe der Vitrine etwas Sorgen. Der Innenraum ist über einen Meter hoch und auch am Boden stehen einige Pflanzen. LED-Lampen sollten meines Wissens nach aber nicht weiter als 30 bis 40 cm von den Pflanzen entfernt sein, da sonst zu wenig Licht ankommt. Ich werde mich erst noch besser informieren müssen, ehe ich eine Änderung vornehme, und euch natürlich davon berichten.

Da die Vitrine in unserem Wohnzimmer steht, sind die Bedingungen eher temperiert bis warm. Im oberen Bereich habe ich in der Regel 25 – 26 °C, im unteren Bereich klettert die Temperatur nicht über 22 °C. Nachts fällt sie dann auf ca. 18 – 19 °C im oberen Teil der Vitrine und auf 17 °C im unteren. In den heißen Sommermonaten ist es tagsüber natürlich deutlich wärmer. Da steigen die Temperaturen auch auf deutlich über 30 °C.

Lepanthes Sauron hängt eher im oberen Bereich und wird von einer der Regendüsen direkt angesprüht, sodass sie mehrmals täglich richtig nass wird. Zur Nacht ist die Pflanze selbst aber immer gut abgetrocknet. Lediglich das Moos, auf dem Lepanthes Sauron sitzt, ist dauerhaft feucht – im Winter wie im Sommer.

Die auffälligen Blüten machen Lepanthes Sauron zu einem wahren Blickfang in der Vitrine.

Viel Erfolg beim Kultivieren!

Seitenansicht der Blüte von Lepanthes Sauron
(Foto: Thomas Jacob)