Deutsche Orchideen-Gesellschaft e.V.

Lepanthes niesseniae

Am 15. Juli 2019 um 0:01 veröffentlicht. Kategorie:

Lepanthes niesseniae

Lepanthes niesseniae – benannt nach Andrea Niessen (Foto: Fabian Kulka)

Erstbeschreibung und Autor

Vor noch gar nicht allzu langer Zeit, im Jahr 2003, wurde Lepanthes niesseniae Luer von dem US-amerikanischen Botaniker Carlyle August LUER (geboren 1922) in „Revista de la Sociedad de Botánica“ 4(1): 7 (2003) erstmals beschrieben. Die der Beschreibung zugrunde liegende Pflanze wurde den Angaben zufolge in der kolumbianischen Provinz Valle del Cauca gesammelt und danach in der Orchideengärtnerei „Orquídeas del Valle“ kultiviert. Diese Gärtnerei wird – wie einige von euch bestimmt bereits wissen – unter anderem von Andrea Niessen geleitet. Daran kann man schnell erkennen, dass Lepanthes niesseniae wohl ihrer Familie gewidmet wurde.

 

Über Carlyle August LUER sei noch gesagt, dass er über mehrere Jahrzehnte hinweg wesentlich daran beteiligt war, die Erforschung der Diversität der Subtribus Pleurothallidinae voranzutreiben. In Band 17 (2) von „Lankesteriana“ wurde dazu auch ein Artikel unter dem Titel „Genera Pleurothallidinarum: The Era of Carlyle Luer“ veröffentlicht. „Lankesteriana“ ist das wissenschaftliche Journal des Botanischen Gartens Lankester in Costa Rica.

 

Habitat und Vorkommen

Wie bereits weiter oben erwähnt wurde die beschriebene Pflanze wohl in der kolumbianischen Provinz Valle del Cauca gesammelt. Kolumbien kann also als ein Herkunftsland festgelegt werden. Ob die Art auch in anderen Ländern vorkommt, ist derzeit nicht bekannt. Leider scheint es nicht einfach zu sein, mehr über die genaue Herkunft des Typusexemplars herauszufinden. Daher ist es schwierig Aussagen über den Standort und die dort vorherrschenden Bedingungen zu treffen. Wir können an dieser Stelle lediglich Vermutungen anstellen, die natürlich auch mit Vorsicht zu genießen sind.

Die Angaben zu den Klimadaten im Bezug auf die Provinz Valle del Cauca deuten auf ein überwiegend warm-feuchtes tropisches Klima hin. Allerdings gibt es in der Region auch Höhenlagen, die eher kühlere Bedingungen mit sich bringen dürften. Es kann also nicht ganz sicher gesagt werden, ob Lepanthes niesseniae eher warme oder kühlere Temperaturen bevorzugt. Wahrscheinlich wird aber auch diese Art gattungstypisch an feuchtere und schattigere Bedingungen am Standort angepasst sein. Die Lebensweise ist vermutlich epiphytisch mit eher geringen Abständen zum Boden in immergrünen Regenwäldern. Eventuell werden in Zukunft noch genauere Standortangaben zugänglich, aber zum jetzigen Zeitpunkt ist die Datenlage leider eher dünn.

 

Habitus von Lepanthes niesseniae (Foto: Fabian Kulka)

Beschreibung von Habitus und Blüte

Lepanthes niesseniae zeigt die Morphologie der Gattung Lepanthes: Auf einem dünnen „Stiel“, der die eigentliche Sprossachse darstellt und in englischer Fachliteratur auch „ramicaul“ genannt wird, befindet sich ein einzelnes Blatt. Dieser Spross kann eine Höhe von 10-12 cm erreichen, bevor an der Spitze das Blatt entsteht. Die Blätter ausgewachsener Pflanzen sind von der Basis bis zur Spitze etwa 5-6 cm lang und gut 2-3 cm breit. Auffallend ist auch hier wieder die Textur der Blätter, sie haben eine dunkelgrüne Färbung und eine schimmernde Oberfläche. Wenn die Art mehr Licht bekommt, als sie eigentlich braucht, färben sich die Blätter durch die eingelagerten Anthocyane rötlich violett, was die dunkelgrüne Grundfärbung mehr oder weniger vollständig überdecken kann. Die Blüten selbst werden ca. 0,9-1 cm hoch und 0,7-0,8 mm breit und sind damit für die Gattung schon überdurchschnittlich groß. Durch das Farbspiel der Musterung in der Blüte, das von Gelb über Orange bis zu Rot reicht, fällt diese im Kontrast zu den dunkelgrünen Blättern meist auch sehr gut auf.

 

Eigene bisherige Kulturerfahrungen

Meine Lepanthes niesseniae habe ich jetzt etwas über drei Jahre in Kultur. Die Blütenbilder im Internet gefielen mir doch sehr, sodass ich 2016 eine Pflanze auf einer Ausstellung bei einem ausländischen Händler erwarb. Dabei war ich mir aber nicht sicher, ob ich der Pflanze die richtigen Bedingungen bieten könnte, denn es war nicht klar, wie bereits weiter oben erwähnt,  ob sie eher warme oder kühlere Bedingungen benötigt oder tolerant diesbezüglich ist. Es handelte sich also gewissermaßen um ein Experiment mit Lepanthes niesseniae bei mir damals. Da ich nur ein temperiert-warmes Terrarium besitze, hätte ich der Pflanze auch keine anderen Bedingungen bieten können, wenn es ihr nicht gefallen hätte. Für eine kleine Glaskugel an einem kühleren Fenster ist diese Art nämlich definitiv zu groß, da müsste schon ein sehr großes Glasgefäß her; das Terrarium ist hier also die einfachere Wahl.

Natürlich brauchte die Pflanze etwas Zeit, nachdem sie erst nach Deutschland importiert worden war und dann bei mir neu aufgebunden werden musste. Aber schon bald entwickelten sich einige neue Triebe, was mich doch sehr erleichterte. Jedoch entstanden damit auch Probleme, denn von den ersten Neutrieben überlebte nur ein einziger, sofern mich meine Erinnerungen nicht täuschen. Die übrigen starben in verschiedenen Stadien vorher schon ab. Zum Glück war die Pflanze aber dennoch in der Lage weitere Neutriebe zu bilden. Auf diese passte ich dann beim Sprühen besonders auf, dass sie auf jeden Fall trocken blieben. Dies schien das Problem durchaus zu beheben, sodass die Pflanze mit der Zeit einige neue und auch größere Triebe bildete und dann auch ausdauernder blühte.

Ach ja, die Sache mit den Blüten, da war ja auch noch was. Zu Beginn wollten die Blüten sich nicht richtig öffnen und blieben irgendwie immer etwas geschlossen. Im Vergleich zu den Bildern im Internet gefiel mir das nicht so recht. Allerdings erledigte sich dieses Problem von selbst, nachdem die Pflanze nach einiger Zeit etabliert und recht stabil war. Dies war dann wohl ein Umstellungsproblem. Also manchmal hilft auch einfach nur Warten, wenn man ansonsten keine Probleme ausmachen kann.

Wie üblich habe ich auch Lepanthes niesseniae nach dem Kauf auf Ton aufgebunden. Nach drei Jahren habe ich sie dann dieses Jahr auf einer neuen Unterlage befestigt. Beim nächsten neuen Aufbinden wird dann wohl die Unterlage etwas größer gewählt, die Pflanze wächst ja nun doch zum Glück sehr stabil.

Zusammen mit den anderen Pflanzen im Terrarium wird Lepanthes niesseniae einmal morgens gesprüht. Dabei achte ich wie bereits gesagt nach wie vor darauf, dass insbesondere die neuen Triebe möglichst trocken bleiben. Gedüngt wird eher sporadisch. Meine Pflanze hat leicht rötliche Blätter, weil mein Terrarium etwas zu niedrig für die vorhandene Lichtintensität ist, aber es scheint noch im Toleranzbereich der Pflanze zu liegen. Was jetzt die Temperatur angeht: Ich kann leider nur für den wärmeren Bereich sprechen und da scheint es Lepanthes niesseniae auch über einen längeren Zeitraum  zu gefallen. Ob die Art bei kühleren Temperaturen genauso gut wächst und blüht, ist mir aus Mangel an persönlichen Erfahrungen leider nicht bekannt. Wie sagt man so schön: „Versuch macht kluch!“

Autor: Fabian Kulka

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Lepanthes niesseniae – eine noch sehr junge Art (Foto: Fabian Kulka)
Die orangefarbenen Blüten leuchten regelrecht auf den dunkelgrünen Blättern (Foto: Fabian Kulka)