Deutsche Orchideen-Gesellschaft e.V.

Lepanthes calodictyon

Am 24. Juni 2019 um 0:01 veröffentlicht. Kategorie:

Lepanthes calodictyon

Nahaufname der filigranen Blüte von Lepanthes calodictyon (Foto: Fabian Kulka)

Erstbeschreibung und Autor

Lepanthes calodictyon Hook. wurde 1861 vom britischen Botaniker William Jackson Hooker in „Curtis’s Botanical Magazine“ (Serie 3, Band 17, Bildtafel 5259. 1861) beschrieben. Sir William Jackson Hooker (1785 – 1865) war Regius Professor für Botanik an der University of Glasgow und erster Direktor der Royal Botanic Gardens in Kew (Kew Gardens). Die der Beschreibung zugrunde liegende Pflanze stammte vermutlich aus Ecuador.

 

Bildtafel aus Curtis’s Botanical Magazine 87: t. 5259, 1861

Habitat und Vorkommen

Lepanthes calodictyon kommt hauptsächlich in Ecuador vor, soll jedoch auch in Kolumbien zu finden sein. Die Art wächst in Höhenlagen von 400 bis 1400 Meter und hat damit ein für die Gattung Lepanthes verhältnismäßig tief gelegenes Verbreitungsgebiet. Für eine durchschnittliche Höhenlage von 900 Metern über dem Meeresspiegel in der kolumbianischen Gemeinde Tuluá werden durchschnittliche Tagestemperaturen von stabilen 30 °C oder mehr angegeben, während die durchschnittlichen Nachttemperaturen das ganze Jahr über 18 °C oder mehr betragen. Der durchschnittliche Niederschlag ist das ganze Jahr über recht konstant hoch, in den Monaten April und Mai sowie Oktober und November fällt jedoch häufig mehr als die doppelte sonst übliche Regenmenge. So sind bei Lepanthes calodictyon auch keinerlei Speicherorgane vorhanden, die auf eine Ruhephase oder Ähnliches hindeuten würden. Durch die regelmäßigen Niederschläge liegt die durchschnittliche Luftfeuchtigkeit trotz der hohen Temperaturen das ganze Jahr über bei 69 – 79%. Die hier gemachten Angaben können natürlich im Hinblick auf verschiedene Standorte variieren, allerdings geben sie schon mal eine grobe Richtung vor, um die Bedürfnisse von Lepanthes calodictyon besser zu verstehen.

 

Beschreibung von Habitus und Blüte

Die Triebe von Lepanthes calodictyon werden im Schnitt ca. 6-8 cm hoch. Jüngere Pflanzen haben sicherlich kürzere Triebe, bei etablierten Pflanzen werden diese dann meist länger. Die Blätter selbst sind rundlich und am Ende nur leicht zugespitzt. Bei etablierten Pflanzen beträgt der Blattdurchmesser etwa 2 cm. Eine Besonderheit der Blätter ist die dunkelgrüne, netzartige Musterung. Insbesondere bei neu entstandenen Blättern ist der Kontrast zwischen Musterung und üblicher Blattfläche besonders ausgeprägt. Ältere Blätter dunkeln in der Regel noch etwas nach, sodass die Musterung weniger deutlich hervorsticht. Außerdem ist der Blattrand sehr fein gewellt. Die Infloreszenzen entstehen an der Basis des Blattes. An einer Infloreszenz werden über längere Zeit viele Blüten gebildet, wobei meist nur jeweils eine einzelne Blüte geöffnet ist und die nächste Knospe sich erst nach dem Verwelken der vorherigen Blüte öffnet. Die Art ist also ein typischer Revolverblüher, allerdings im kleinen Stil. Und das im wörtlichen Sinn: Die Blüten sind nämlich nur ca. 4-5 mm groß. Die geringe Größe machen die einzelnen Blüten jedoch durch ihre intensive Farbe wieder wett, da sie dadurch in einem guten Kontrast zu den intensiv grünen Blättern stehen. Die Blüten halten bei gesunden Pflanzen mitunter ein paar Tage. Eine feste Blütezeit hat Lepanthes calodictyon nicht, sodass diese Art, zumindest in Kultur, eigentlich das ganze Jahr hindurch blühen kann.

 

Kulturerfahrungen

Lepanthes calodictyon war eine meiner ersten Pflanzen der Gattung Lepanthes, die ich, soweit mich meine Erinnerungen nicht täuschen, 2015 erhalten habe. Außerdem war sie auch eine der ersten Pflanzen, die in mein damals noch neues leeres, aber kleines Terrarium ziehen sollten. Gesellschaft leisteten der Pflanze unter anderem noch ein paar weitere Lepanthes-Arten. Oftmals werden Orchideen für Terrarien auf Holz oder Presskork oder ähnliche organische Materialien aufgebunden. Jedoch mochte ich den Gedanken nicht, dass sich die organische Unterlage bei der dauerfeuchten Kultur von Lepanthes früher oder später zersetzen könnte. Daher habe ich Lepanthes calodictyon mit reichlich Sphagnum auf eine Ton-Unterlage aufgebunden, die ich einmal bei einem Orchideenhändler erworben habe.

Bei guter Kultur werden die Pflanzen schnell groß. (Foto: Fabian Kulka)

Dieses „Versuchskaninchen“ hat sich zum Glück über die Jahre sehr gut gemacht und ist eine wirklich dankbare Pflanze in meinem Terrarium, das aufgrund seiner geringen Größe (Grundfläche 30 x 30 cm, Höhe 50 cm) keine aktive Belüftung hat, der Luftaustausch findet über die integrierten Belüftungsschlitze statt. Zusätzlich wird das Terrarium einmal täglich geöffnet, wenn ich die Pflanzen – vorzugsweise morgens – einmal besprühe. Dabei versuche ich aber die Blätter auszulassen, um das Risiko von Fäulnis zu reduzieren. Das Wasser in meinem Handsprüher ist meistens reines Regenwasser. Dünger bekommen die Pflanzen im Terrarium nur sporadisch. Dies ist jedoch auch nicht allzu verkehrt, da Lepanthes-Arten mit ihren extrem dünnen Wurzeln – oftmals sind sie weniger als einen Millimeter dick – eher salzempfindlich sind und somit nicht allzu viel Dünger vertragen. Wegen der dünnen Wurzeln und des Fehlens jeglicher Speicherorgane möchten Lepanthes calodictyon und auch alle anderen Lepanthes-Arten nur ungern komplett austrocknen. Am besten ist es nach meinen Erfahrungen, wenn das Sphagnum dauerfeucht gehalten wird. Entsprechend den Standortbedingungen eignet sich Lepanthes calodictyon für ein Terrarium im warmen Bereich,  meines steht etwas abseits vom Fenster in einem Raum, der nach Südwesten ausgerichtet ist. Im Sommer steigen die Temperaturen locker mal über 30 °C im Zimmer und dann natürlich auch im Terrarium. Lepanthes calodictyon kommt damit gut zurecht, solange sie genügend Feuchtigkeit hat. Und da das Terrarium nicht direkt am Fenster steht, dient eine normale Leuchtstoffröhre als ergänzende Lichtquelle. Für sämtliche Lepanthes-Arten in meinem Terrarium ist das mehr als ausreichend, teilweise werden die Blätter bereits dadurch rötlich violett.

Seit 2015 habe ich meine Lepanthes calodicyton einmal neu aufgebunden, genau genommen war das erst in diesem Frühjahr. Ob das von der Unterlage her nötig gewesen wäre, glaube ich nicht unbedingt, allerdings ist die Pflanze seit 2015 durchaus gut gewachsen, sodass ich ihr mal frisches Sphagnum gönnen wollte. Die neue Unterlage habe ich, nachträglich betrachtet, vielleicht etwas zu klein gewählt, aber das ändere ich dann erst beim nächsten Austauschen. Bei entsprechenden Bedingungen in Kombination mit einer guten wüchsigen Pflanze kann aus einem Exemplar mit nur wenigen Blättern in ein paar Jahren regelrecht ein kleiner Busch werden. Aufgrund des kräftigen Wachstums eignet sich Lepanthes calodictyon für die Kultur in einer Glaskugel nur bedingt. Dort wird es schnell eng, wenn die Triebe länger werden und sich die Pflanze ausbreitet. Da müsste es schon eine Kugel mit entsprechendem Durchmesser sein.

Als Fazit würde ich festhalten, dass sich Lepanthes calodictyon durchaus als Einstieg in die Kultur von wärmetoleranteren Miniaturorchideen eignet.

Autor: Fabian Kulka

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Die gelbe Blütenvariante wurde 2011 von Olaf Gruß als Lepanthes calodictyon f. ivanoflava beschrieben (Foto: Olaf Gruß)
Lepanthes calodictyon ‚Vilma‘ BM/DOG (Foto: D.O.G.-Archiv)
Seitenansicht der Blüte (Foto: Fabian Kulka)
Die typische Balttmusterung von Lepanthes calodictyon (Foto: Fabian Kulka)
Die Blattränder sind immer auffallend gewellt. (Foto: Fabian Kulka)
Meist sitzen die Blüten auf den Blättern. (Foto: Fabian Kulka)
An einer Infloreszenz bilden sich nacheinander unzählige Knospen. (Foto: Fabian Kulka)