Deutsche Orchideen-Gesellschaft e.V.

Habenaria Regnieri

Am 25. November 2019 um 0:01 veröffentlicht. Kategorie: ,

Habenaria Regnieri

Habenaria Regnieri (Foto: Werner Holzmann)

Die Gattung Habenaria wurde von Carl Ludwig WILLDENOW im Jahr 1805 aufgestellt. Der Name leitet sich ab vom lateinischen Wort habena = Zügel, Riemen, nach dem langen, riemenförmigen Sporn.

Bereits im Jahr 1910 meldete der Franzose M. Regnier die Hybride aus Habenaria carnea und Habenaria rhodocheila bei der Royal Horticultural Society an, woraufhin sie in das dortige Register für Orchideen-Hybriden eingetragen wurde. M. Regnier war ein bekannter Orchideensammler des ausgehenden neunzehnten Jahrhunderts, nach dem einige Naturformen wie zum Beispiel Liparis regnieri oder auch Phalaenopsis regnieriana (Syn. Phal. pulcherrima var. regnieriana ) benannt wurden. Mit der Hybride Habenaria Regnieri, die wir euch heute kurz vorstellen möchten, schuf er sich ein weiteres botanisches Denkmal, indem er dieser ebenfalls seinen eigenen Namen gab. Da es sich bei Habenaria Regnieri um eine Primärhybride handelt, sind lediglich zwei verschiedene Naturformen daran beteiligt:

  • 50% Habenaria carnea
  • 50% Habenaria rhodocheila
Habenaria carnea – ein Elternteil der Hybride Habenaria Regnieri (Foto: D.O.G.-Archiv)

Habenaria carnea ist an niedrig gelegenen Standorten in Thailand heimisch. Die Temperaturbedingungen sind ganzjährig warm – im Sommer teilweise richtig heiß. Man findet die Art in immergrünen Regenwäldern terrestrisch auf Kalksteinhügeln wachsend. Die Pflanzen bilden unterirdisch Knollen aus. Während der Sommer durch eine ausgiebige Regenzeit geprägt ist, fallen in den Winermonaten keinerlei Niederschläge. Lediglich die Luftfeuchtigkeit ist ganzjährig sehr hoch.

Habenaria rhodocheila gibt 50% der Gene an die Hybride Habenaria Regnieri (Foto: D.O.G.-Archiv)

Habenaria rhodocheila ist in weiten Teilen des asiatischen Festlandes und auf zahlreichen Inseln heimisch. Die Art wächst dort terrestrisch und teilweise auch lithophytisch auf Höhen von 200 – 1300 Metern über dem Meeresspiegel. Durch das recht große Verbreitungsgebiet variieren die Temperaturbedingungen von kühl bis warm. Richtig kalt wird es an den natürlichen Standorten aber auch im Winter nicht. Die Standorte von Habenaria rhodocheila erhalten im Sommer ebenfalls regelmäßig ausgiebige Niederschlägen und trocknen während des Winters regelrecht aus.

Die Pflanzen, die im Frühjahr mit dem Austrieb beginnen, besitzen 5 – 6 rosettenartig angeordnete Blätter, die weich, länglich und spitz zulaufend sind. Die Infloreszenzen entspringen endständig aus der Mitte der Rosette und werden bis zu 40 cm lang. Jede Infloreszenz trägt eine Vielzahl an Blüten, deren auffällig große und leuchtende Lippe das Erscheinungsbild der Blüten dominiert. Blütezeit ist im Sommer, meist von August bis September.

Die folgende Kulturbeschreibung stammt von Werner Holzmann:

Im Januar, während sich die Knolle in ihrer trockenen, aber warmen Winterruhe befindet, topft er sie in frisches Substrat. Er nimmt dafür feine Rinde, feines Tongranulat und Bimskies. Sollte an der Knolle schon ein kleiner Neutrieb zu sehen sein, muss man sehr aufpassen, dass man diesen nicht verletzt. Schädigt man ihn zu sehr oder bricht ihn gar ab, besteht die Gefahr, dass kein weiterer Trieb gebildet wird und die Pflanze abstirbt. Es ist auch wichtig, den Neutrieb nach oben zu richten, damit er nicht ins Substrat hineinwächst, sondern den Weg ans Licht schnell und ohne Kraftaufwand findet.

Nach dem Topfen beginnt Werner Holzmann langsam und sehr vorsichtig mit kleinen Wassergaben. Aber noch sollte das Substrat nicht komplett feucht oder gar nass gehalten werden, da die Knolle sonst wegfaulen könnte. Zartes Gießen am Topfrand reicht in dieser Zeit völlig aus. Erst wenn der neue Trieb ca. 1 cm aus dem Substrat herausragt, kann mehr gegossen werden. Das Substrat sollte dann komplett durchfeuchtet sein und während der gesamten Wachstumsperiode auch nicht mehr ganz austrocknen. Am natürlichen Standort ist das die Zeit der Monsunregen, in der es fast täglich Niederschläge gibt.

Gedüngt wird nur in schwacher Konzentration und natürlich nur während der Wachstumsperiode. Da die Pflanze über den Winter komplett trocken steht und kein Wasser erhält, gibt es in dieser Zeit natürlich auch keinen Dünger.

Die Pflanze von Werner Holzmann ist ganzjährig an einem sehr hellen Fenster mit Südausrichtung untergebracht, das allerdings durch einen darüberliegenden Balkon schattiert wird, sodass lediglich die sehr tief stehende Morgen- und Abendsonne etwas auf die Pflanze fällt. Auf keinen Fall sollte die starke Mittagssonne auf die Blätter fallen, da diese sonst regelrecht verbrennen würden. Die Elternteile von Habenaria Regnieri sind in dichten Wäldern heimisch und werden am Naturstandort durch das Laub der Bäume immer vor zu starker Sonneneinstrahlung geschützt.

Im Hochsommer, zwischen August und September, sollte Habenaria Regnieri ihre Infloreszenzen hervorbringen und mit vielen Blüten blühen. Danach wird  das Wasser langsam reduziert. Wenn die Blätter anfangen einzuziehen und sich braun verfärben, wird das Gießen komplett eingestellt und die Pflanze beginnt damit ihre Ruhephase, die bis zum Neuaustrieb im zeitigen Frühjahr dauert.

Mit einem Substratwechsel am Anfang des Folgejahres beginnt der Zyklus für die Pflanze – und die Kultur – von Neuem. Im Laufe der Jahre bildet die Knolle von Habenaria Regnieri Nebenknollen, durch die sie sich ausbreitet und vermehrt. Man kann die Knollen zusammen topfen oder auch vereinzeln.

Durch ihre wirklich imposanten Blüten ist Habenaria Regnieri ein echter Blickfang. Viel Erfolg beim Kultivieren!

Autoren: Werner Holzmann und Thomas Lehmann

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Die Blüten von Habenaria Regnieri haben einen langen Sporn. (Foto: Werner Holzmann)
Habitusfoto von Habenaria Regnieri
Einzelblüte – Frontansicht (Foto: Werner Holzmann)
Einzelblüte – Seitenansicht (Foto: Werner Holzmann)