Deutsche Orchideen-Gesellschaft e.V.

Habenaria medusa

Am 15. April 2019 um 0:01 veröffentlicht. Kategorie:

Habenaria medusa

Habenaria medusa ‚Donauperle‘ SM/DOG (Foto: Werner Holzmann)

In „Botanische Jahrbücher für Systematik, Pflanzengeschichte und Pflanzengeographie“ aus dem Jahr 1892 beschrieb der deutsche Botaniker Friedrich Wilhelm Ludwig KRÄNZLIN die Art erstmalig unter ihrem bis heute gültigen Namen Habenaria medusa. Fritz KRÄNZLIN, wie er meist nur genannt wurde, beschäftigte sich überwiegend mit Orchideen aus Afrika, wozu Habenaria nicht zu zählen ist. In seinem unvollendeten Werk „Orchidacearum Genera et Species“ findet sich ein abgeschlossener Band über die Gattungen Habenaria, Disa und Disperis.

Habenaria medusa ‚Donauperle‘ bekam nicht nur Silber in der Kategorie „Botanische Art“, sondern ebenfalls für die Kultur (Foto: D.O.G.-Archiv)

Der polnische Botaniker und Orchideenforscher Dariusz Lucjan SZLACHETKO gruppierte die Art im Jahr 2004 in die Gattung Fimbrorchis um. Diese Umgruppierung wurde in „Die Orchidee“ – dem Journal der Deutschen Orchideen-Gesellschaft – veröffentlicht. Durchgesetzt hat sich der Name Fimbrorchis medusa allerdings bis heute nicht. Er wird ledeglich als Synonym in der World Checklist of Selected Plant Families (WCSP) der Kew Gardens in Großbritannien geführt.

Das natürliche Verbreitungsgebiet von Habenaria medusa erstreckt sich über weite Teile Indonesiens. Man findet die terrestrische Art dort auf Höhen von 400 – 800 Metern über dem Meeresspiegel unter warmen bis heißen Bedingungen. Das Klima wird vom Monsun beeinflusst, der im Winter eine ausgeprägte Trockenzeit bringt, in der Habenaria medusa ihr Blattwerk einzieht und eine Ruhephase durchmacht. Diese Ruhephase ohne Laub wird ermöglicht durch eine Knolle, die sich unterhalb der Erdoberfläche befindet und in der die Energie für den Neuaustrieb im Frühling gespeichert ist. Pflanzen mit diesen Eigenschaften nennt man Geophyten. Die Sommer am Standort sind dauerhaft feucht mit sehr viel Niederschlägen. Die Temperaturen fallen auch nachts nicht unter 18 Grad.

Die Pflanzen, die im Frühjahr mit dem Austrieb beginnen, besitzen 5 – 6 rosettenartig angeordnete Blätter, die weich, länglich und spitz zulaufend sind. Die Infloreszenzen entspringen endständig aus der Mitte der Rosette und werden bis zu 40 cm lang. Jede Infloreszenz trägt eine Vielzahl an Blüten, die mit ihren langen, haarartigen Fortsätzen an der Lippe wie der Kopf von Medusa – der Figur aus der griechischen Mythologie, die am Kopf mit Schlangen besetzt gewesen sein soll – aussieht. Blütezeit ist im Sommer, meist von August bis September.

Knollen von Habenaria medusa in verschiedenen Größen. Die Vordere ist blühstark, die kleineren Knollen hinten sind Nebenknollen, die erst noch 1-3 Wachstumszyklen durchleben müssen ehe sie blühstark sind. (Foto: Werner Holzmann)
Habenaria medusa ‚Ranger‘ – ebenfalls mit einer Silbermedaille ausgezeichnet (Foto: D.O.G.-Archiv)

Die folgende Kulturbeschreibung stammt von Werner Holzmann:

Im Januar, während sich die Knolle in ihrer trockenen, aber warmen Winterruhe befindet, topft er sie in frisches Substrat. Er nimmt dafür feine Rinde, feines Tongranulat und Bimskies. Sollte an der Knolle schon ein kleiner Neutrieb zu sehen sein, muss man sehr aufpassen, dass man diesen nicht verletzt. Schädigt man ihn zu sehr oder bricht in gar ab, besteht die Gefahr, dass kein weiterer Trieb gebildet wird und die Pflanze abstirbt. Es ist auch wichtig, dass der Neutrieb nach oben gerichtet wird, damit er nicht ins Substrat hineinwächst, sondern den Weg ans Licht schnell und ohne Kraftaufwand findet.

Nach dem Topfen beginnt Werner Holzmann langsam und sehr vorsichtig mit kleinen Wassergaben. Aber noch sollte das Substrat nicht komplett feucht oder gar nass gehalten werden, da die Knolle sonst wegfaulen könnte. Zartes Gießen am Topfrand reicht in dieser Zeit völlig aus. Erst wenn der neue Trieb ca. 1 cm aus dem Substrat herausragt, kann stärker gegossen werden. Das Substrat sollte dann komplett durchfeuchtet sein und während der gesamten Wachstumsperiode auch nicht mehr ganz austrocknen. Am natürlichen Standort ist das die Zeit der Monsunregen, in der es fast täglich Niederschlag gibt.

Gedüngt wird nur in schwacher Konzentration und natürlich nur während der Wachstumsperiode. Da die Pflanze über den Winter komplett trocken steht und kein Wasser erhält, gibt es in dieser Zeit natürlich auch keinen Dünger.

Die Pflanze von Werner Holzmann steht an einem sehr hellen Fenster mit Südausrichtung- auch im Winter bleibt sie an diesem warmen Platz stehen – das allerdings durch einen darüberliegenden Balkon schattiert wird, sodass lediglich die sehr tief stehende Morgen- und Abendsonne etwas auf die Pflanze fällt. Auf keinen Fall sollte die starke Mittagssonne im Winter auf die Blätter fallen, da diese sonst regelrecht verbrennen würden. Da Habenaria medusa in dichten und feuchten Regenwäldern heimisch ist, wird sie auch am Naturstandort durch das Laub der Bäume immer vor zu starker Sonneneinstrahlung geschützt.

Im Hochsommer, zwischen August und September, sollte Habenaria medusa ihre Infloreszenzen hervorbringen und mit vielen Blüten blühen. Danach wird  das Wasser langsam reduziert. Wenn die Blätter anfangen einzuziehen und sich braun verfärben, wird das Gießen komplett eingestellt und die Pflanze beginnt damit ihre Ruhephase, die bis zum Neuaustrieb im zeitigen Frühjahr dauert.

Mit einem Substratwechsel am Anfang des Folgejahres beginnt der Zyklus für die Pflanze – und die Kultur – von Neuem. Im Laufe der Jahre bildet die Knolle von Habenaria medusa Nebenknollen, durch die sie sich ausbreitet und vermehrt. Man kann die Knollen zusammen topfen oder auch vereinzeln.

Durch ihre wirklich imposanten Blüten ist Habenaria medusa ein echter Blickfang. Viel Erfolg beim Kultivieren!

Autoren: Werner Holzmann und Thomas Lehmann

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Habenaria medusa ‚Ranger‘ – auch für die gute Kultur gab es Silber (Foto: D.O.G.-Archiv)
Habenaria medusa ‚Donauperle‘ SM/DOG (Foto: D.O.G.-Archiv)
Habenaria medusa (Foto: Werner Holzmann)
Habenaria medusa ‚Donauperle‘ SM/DOG (Foto: Werner Holzmann)