Deutsche Orchideen-Gesellschaft e.V.

Epidendrum radicans

Am 2. September 2019 um 0:01 veröffentlicht. Kategorie: ,

Epidendrum radicans

Epidendrum radicans – die erste geöffnete Blüte einer großen Blütentraube (Foto: Thomas Lehmann)

In „Genera and Species of Orchidaceous Plants“, The. London, veröffentlichten John LINDLEY und José Antonio PAVÓN y Jiménez die Erstbeschreibung dieser Art. Der Gattungsname Epidendrum leitet sich aus dem Altgriechischen ab. Epi– (επι-) bedeutet so viel wie „auf“, dendron (δενδρον) lässt sich mit Baum übersetzen. Die Gattung erhielt den Namen, da die allermeisten Arten epiphytisch – auf Bäumen aufsitzend – wachsen.

Habitusfoto von Epidendrum radicans (Foto: Thomas Lehmann)

Das Verbreitungsgebiet von Epidendrum radicans erstreckt sich von Mexiko bis Kolumbien. Es wächst dort epiphytisch und auch litophytisch auf Höhen von 900 – 2500 Metern über dem Meeresspiegel. In dem relativ großen Verbreitungsgebiet findet man wegen der unterschiedlichen Höhenlagen vielfältige Klimabereiche vor. Auf 2500 Metern kann es richtig kalt werden, während auf 900 Metern ganzjährig temperierte bis warme Bedingungen vorherrschen. Grundsätzlich gibt es auch ganzjährig Niederschlag, wobei an einigen Standorten im Winter deutlich weniger fällt als in den Frühlings- und Sommermonaten. Das Habitat trocknet aufgrund der hohen Luftfeuchtigkeit allerdings niemals ganz aus. Oft findet man Epidendrum radicans in offenen Gralandschaften, an Straßenrändern und in lichtdurchfluteten Wäldern.

Die Pflanzen bilden bis zu 35 cm lange stammähnliche Pseudobulben aus, die wechselständig von fleischigen, spitz zulaufenden Blättern besetzt sind. Diese werden bis zu 10 cm lang und sind saftig grün und glänzend. Endständig entsteht nach Triebabschluss die Infloreszenz mit einer fast kugelrunden Blütentraube. Die Blütenfarbe variiert von Gelb über Orange bis hin zu Rot- und Violetttönen. Die nach oben gerichtete Lippe sieht aus wie ein kleiner Engel, der auf den kreisförmig angeordneten Tepalen tanzt.

Wurzelbildung wenige Wochen nach Umstellung auf mineralisches Substrat (Foto: Thomas Lehmann)

Vor circa zwei Jahren bekam ich ein kleines Teilstück von Epidendrum radicans, aus dem inzwischen eine ordentliche Pflanze geworden ist. Da Epidendrum radicans am Naturstandort auch lithophytisch zu finden ist, beschloss ich, dieses Teilstück mineralisch zu topfen. Um eine ständige Dauerfeuchtigkeit zu erreichen, setzte ich die Pflanze in einen Gießtopf mit Dochtsystem, der sich immer selbst bewässert und feucht hält. Das Substrat ist ziemlich fein, da auch die Wurzeln recht fein sind. Innerhalb kurzer Zeit bildeten sich zahlreiche neue Wurzeln, die den gesamten Topf durchwurzelten. Wenige Wochen nach dem Einsetzen zeigte sich erstmals ein Neutrieb, der zwar rasch heranwuchs, aber nicht zur Blüte kam. Die Infloreszenz trocknete in sehr frühem Stadium ein. Da alle weiteren Triebe seitdem gut zur Blüte kamen, gehe ich davon aus, dass die Pflanze einfach noch nicht genug Kraft hatte zum Blühen. Inzwischen sind 7 Alttriebe und 2 junge Triebe im Topf. Auch werden ständig neue Wurzeln gebildet.

Mein Gießwasser, mit dem ich die Wasserreservoire der Gießtöpfe fülle, hat einen Leitwert von 250-350 Mikrosiemens das ganze Jahr über. Ganz ehrlich gesagt, bekommt Epidendrum radicans gelegentlich sogar Leitungswasser mit 470 Mikrosiemens/cm. Da der Topf an meinem Küchenfenster steht, ist die Nähe zum Wasserhahn verführerisch, wenn es mal schnell gehen muss.

Das Fenster hat eine Ausrichtung nach Osten. Den gesamten Morgen über scheint die Sonne ungehindert auf die Pflanze. Ab Mittags ist es zwar noch immer sehr hell, aber den Rest des Tages ohne direktes Sonnenlicht.

In der Küche heizen wir im Winter nur sparsam. Die Nächte können an dem Fenster mit 12 – 14 Grad kühl-temperiert werden. Im Sommer steigen die Temperaturen auch auf über 30 Grad an. Durch die unterschiedlichen Standortgegebenheiten in der Natur scheint Epidendrum radicans recht anpassungsfähig in der Kultur zu sein. Ob es nun etwas wärmer oder kühler steht, scheint keinen Unterschied in Wüchsigkeit oder  Blühfreude zu machen.

Die großen, leuchtenden Blütentrauben  sind ein echter Hingucker – die Kultur im Wohnraum funktioniert ohne Probleme. Eine wikliche Anfänger-Naturform, die viel Freude macht. Viel Erfolg beim Kultivieren!

Autor: Thomas Lehmann

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Auch Farbtöne in Violettrot sind möglich (Foto: Thomas Lehmann)
Blütentraube (Foto: Thomas Lehmann)
Einzelblüte – Draufsicht (Foto: THomas Lehmann)
Einzelblüte – Seitenansicht (Foto: Thomas Lehmann)
Einzelblüte – Seitenansicht mit Knospen (Foto: Thomas Lehmann)
„Der tanzende Engel“ (Foto: Thomas Lehmann)