Deutsche Orchideen-Gesellschaft e.V.

Epidendrum porpax

Am 9. September 2019 um 0:01 veröffentlicht. Kategorie: ,

Epidendrum porpax

Epidendrum porpax (Foto: Thomas Lehmann)

Der Dresdner Botaniker Heinrich Gustav REICHENBACH veröffentlichte die Erstbeschreibung von Epidendrum porpax im Jahr 1855 in „Bonplandia“. REICHENBACH war einer der führenden Orchideen-Spezialisten seiner Zeit, er beschrieb zahlreiche Naturformen. Der Gattungsname Epidendrum leitet sich aus dem Altgriechischen ab. Epi– (επι-) bedeutet soviel wie „auf“, dendron (δενδρον) lässt sich mit Baum übersetzen. Die Gattung erhielt den Namen, da die allermeisten Arten epiphytisch – auf Bäumen aufsitzend – wachsen. Der Artenname porpax (πορπαξ) – ebenfalls aus dem Altgriechischen – lässt sich mit „Griff des Schildes“ übersetzten. Tatsächlich hat das schildartige Labellum bei  Epidendrum porpax rückseitig zwei „Griffe“, die von den unteren Sepalen gebildet werden.

„Griffe des Schildes“ – porpax (Foto: Thomas Lehmann)

Beheimatet ist Epidendrum porpax in den immerfeuchten Berg- und Regenwäldern des nördlichen Südamerikas. Man findet die Art dort epiphytisch wachsend auf Höhen von 400 bis 1800 Metern über dem Meeresspiegel. Durch das recht große Verbreitungsgebiet wächst <em>Epidendrum porpax</em> in unterschiedlichen Temperaturbereichen. Während die tiefer gelegenen Standorte teilweise temperiert-warm sind, kann es in den hohen Lagen besonders nachts sehr kühl werden. Die Art scheint hinsichtlich der Temperatur keine großen Ansprüche zu stellen, solange es nicht zu heiß oder eben zu eisig wird. Durch das immergrüne Laub der Bäume, auf denen die kleinwüchsige Art aufsitzt, ist sie vor direkter Sonneneinstrahlung geschützt.

Epidendrum porpax bildet kleine, schmale Pseudobulben aus, die wechselständig von Blättern umhüllt sind. Die fleischigen Blätter werden ca. 3 cm lang, sie sind dunkelgrün, fest und glänzend. Die einzelne Pseudobulbe wird in etwa 6-9 cm lang. Endständig entwickelt sich die Infloreszenz, die den Triebabschluss einläutet. An einem sehr kurzen Blütentrieb erscheint eine einzelne 2,5 cm große Blüte, die zart gelbgrün gefärbt und zu den Spitzen leicht rotbraun überhaucht ist. Während die filigranen Tepalen fast durchscheinend wirken, spiegelt das glänzende, rotbraun gefärbte Labellum das Licht wieder. Die Lippe wölbt sich stark nach hinten, wodurch sie wirkt wie ein Schild. Die Blüten duften nicht.

Endständig erscheint eine einzelne Knospe (Foto: Thomas Lehmann)

Meine, zugegeben noch sehr kleine, Pflanze gewann ich vor einem Jahr bei einer Tombola unserer D.O.G.-Gruppe. Mit zunehmenden Alter bildet Epidendrum porpax richtige Kissen aus Pseudobulben, die dann im späten Sommer mit zahlreichen Blüten besetzt sind. Bis mein Pflänzchen so weit ist, wird es noch ein wenig dauern. Bisher wächst es aber sehr gut.

Getopft habe ich Epidendrum porpax in feiner Rinde mit Perliten und etwas feiner Holzkohle. Das Substrat sollte luftig sein, aber nicht allzuschnell abtrocknen. In den ganz heißen Phasen im Hochsommer trocknete selbst meine ganz feine Rinde so schnell ab, dass mir einige Neutriebe eingetrocknet sind. So oft konnte ich gar nicht tauchen. Ich habe mich dann dazu entschlossen, die Pflanze während der besonders warmen Wochen mit nassem Fuß zu kultivieren. Das schien ihr zu gefallen. Ab diesem Zeitpunkt trocknete kein Neutrieb mehr ein. Da andere Epidendren bei mir sehr gut in mineralischem Substrat gedeihen – wie das bereits vorgestellte Epidendrum radicans – und Epidendrum porpax sich mit gleichmäßiger Feuchtigkeit deutlich besser entwickelte, werde ich es im Frühjahr auf mineralisches Substrat umstellen.

In Rinde getopft wurde meine Pflanze im letzten Jahr alle paar Tage getaucht. Je nach Wetter und anderen Bedingungen war das in etwa alle 5-7 Tage im Sommer – im Winter waren es in etwa alle 7-10 Tage. Von März bis September war das Tauchwasser ca. zweimal im Monat  aufgedüngt. Der Leitwert des Düngerwassers betrug etwa bei 350-400 Mikrosiemens/cm. Im Winter dünge ich, wie schon oft beschrieben, gar nicht, da ich nicht mit künstlichem Licht arbeite.

Wie oben schon erwähnt ist Epidendrum porpax flexibel hinsichtlich der Temperatur. Ich kultiviere die Art unter temperierten bis warmen Bedingungen. Im Sommer ist es so warm, wie es ist. Im Winter steht die Pflanze in einem beheizten Zimmer, das lichtdurchflutet ist. Nachts fallen die Temperaturen im Winter auf ca. 16 Grad ab. Wenn es draußen extrem kalt ist, kann es kurzzeitig auch auf 14 Grad abkühlen. Kälter wurde es für Epidendrum porpax bei mir noch nicht.

Meine Pflanze steht in dritter Reihe an einem Südfenster. Im Sommer wird die gesamte Scheibe schattiert. Auch im Winter wird Epidendrum porpax durch größere Pflanzen, hinter denen es steht, vor direkter Sonneneinstrahlung geschützt. Der Raum ist allerdings sehr hell und lichtdurchflutet. Zu schattig sollte man die Pflanze nicht kultivieren, da sonst die Blüten ausbleiben können.

Richtig imposant werden die Pflanzen, wenn sie ihren kissenartigen Wuchs haben. Auch wenn Epidendrum porpax zu den unscheinbareren Naturformen gehört, die nicht durch riesige Blüten oder leuchtende Farben auffallen, macht diese klein bleibende Art viel Freude und braucht dabei kaum Platz! Viel Erfolg beim Kultivieren!

Autor: Thomas Lehmann

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Habitus meiner noch recht kleinen Pflanze (Foto: Thomas Lehmann)
Eine Knospe beim Öffnen (Foto: Thomas Lehmann)
Epidendrum porpax – Blütenfoto (Foto: Thomas Lehmann)
Seitenansicht (Foto: Thomas Lehmann)
Seitenansicht (Foto: Thomas Lehmann)