Deutsche Orchideen-Gesellschaft e.V.

Disa Foam

Am 5. August 2019 um 0:01 veröffentlicht. Kategorie: ,

Disa Foam

Disa Foam – ein leuchtend orangefarbener Klon der Kreuzung (Foto: Thomas Lehmann)

Am 01. Januar 1982 wurde die von J. van NIEKERK angemeldete Hybride Disa Foam ins Register für Orchideen-Hybriden der Royal Horticultural Society (RHS) aufgenommen. Über J. van NIEKERK konnte ich leider nicht viel herausfinden, außer dass sie sehr viele verschiedene Disa-Hybriden bei der RHS angemeldet hat. Für die Kreuzung Disa Foam bestäubte sie die Blüte einer Disa Betty’s Bay mit dem Pollen der Naturform Disa uniflora. Die Hybride Disa Foam ähnelt dem Elternteil Disa uniflora sehr. Über vier Generationen hinweg wurde Disa racemosa mit Disa uniflora gekreuzt, um die großen und leuchtenden Blüten von Disa uniflora mit dem Blütenreichtum von Disa racemosa zu erhalten. Der Genpool teilt sich demnach wie folgt auf:

Disa uniflora gibt den größten Anteil an Genen in den Genpool von Disa Foam. (Foto: Thomas Lehmann)
  • 93,75% Disa uniflora
  • 6,25% Disa racemosa

Disa uniflora kommt ausschließlich auf dem Tafelberg in Südafrika auf Höhen von 100 – 1 200 Metern vor. Ihre Standorte sind immer in der Nähe von fließendem Wasser an Flüssen und Wasserfällen. Die Pflanzen wachsen dort in Felsspalten und auf Sickerflächen, die immer feucht und teilweise sogar nass sind. Die Temperaturen am Tafelberg sind kühl, im Winter richtig kalt. Im Sommer kann es zwar am Tag auch mal über 30 Grad werden, die Nachttemperaturen fallen dafür im Winter (auf der Südhalbkugel in unseren Sommermonaten) gelegentlich auch knapp unter die Frostgrenze. Durch das vom Gipfel des Tafelbergs herabfließende kalte Wasser werden die Wurzeln immer gekühlt. Die Pflanzen stehen ganzjährig im Halbschatten, niemals in der Mittagssonne.

Disa racemosa besiedelt die Kapregion Südafrikas auf Höhen von 250 – 1500 Metern über dem Meeresspiegel. Man findet die Art dort in sumpfigen Gegenden und entlang von Bächen und Flüssen. Auch sie wächst unter kühlen bis richtig kalten Bedingungen in hellen, aber vor direkter Sonneneinstrahlung geschützten Bereichen.

Disa Foam bildet einzelne Rosetten aus länglichen, spitz zulaufenden Blättern aus, die bis zu 10 cm lang, circa 2 cm breit und weich sind. Im Frühjahr erscheinen endständig die aufrecht wachsenden Infloreszenzen, die im zeitigen Sommer zur Blüte kommen und ca. 30 cm hoch werden. Da sie durch die schweren Blüten gerne zur Seite fallen, empfiehlt es sich, sie frühzeitig an einem Stab zu fixieren. Jede Infloreszenz kann bis zu 10 Blüten tragen, die zwar nacheinander aufgehen, aber durch ihre lange Haltbarkeit dann doch alle zusammen offen sind. Die lateralen Sepalen sind zu einem stark nach hinten gewölbten Blütenblatt verwachsen, das an eine Satellitenschüssel erinnert. Darin liegt das Labellum. Das dorsale Sepalum ist im Laufe der Evolution stark verkümmert. Die Petalen sind groß und flächig. Farblich können die Blüten von Disa Foam stark variieren. Die Farbpalette reicht von hellem Gelborange über Rosa bis hin zu dunlem Rot. Die Blüten duften nicht. Nach der Blüte beginnen die Neutriebe, die bereits im Winter angelegt wurden, verstärkt ihr Wachstum, das bis ins späte Frühjahr währt und mit der Entwicklung der Infloreszenz abgeschlossen ist.

Disa Foam mit zwei Blüten und einigen weiteren Knospen (Foto: Thomas Lehmann)

Die Kultur von Disa Foam scheint unter kühlen Bedingungen am erfolgreichsten zu sein. Auch wenn sie die hohen Temperaturen im Sommer bei uns verträgt, sollte man versuchen sie so kühl wie möglich zu halten, besonders an den Wurzeln, die am Naturstandort durch das kalte Wasser der Flüsse immer gekühlt werden. Gegossen wird bei mir also immer mit möglichst kaltem Wasser. Im Sommer kühle ich das Gießwasser meiner Disas im Kühlschrank und an besonders heißen Tagen lege ich einen Eiswürfel in eine Ecke des Topfes. Vom Frühjahr bis zum späten Herbst stelle ich Disa Foam an einen schattigen Platz im Freien, wo sie bis zum ersten Frost bleibt. Danach kommt sie in ein ungeheiztes Zimmer, in dem das Fenster immer gekippt ist, außer es gibt extremen Frost unter -5 Grad, dann wird das Fenster geschlossen. Die Temperaturen fallen in der Nacht bei geöffnetem Fenster auf circa 8 Grad ab. Gibt es im Winter längere Zeit keinen Frost, kommen meine Disas sogar wieder raus auf den Balkon, auch nachts!

Disa Foam ist bei mir getopft in einer Mischung aus Torf und Perlite. Ich hatte sie in diesem Substrat bekommen und es damit pobiert. Sie scheint es zu mögen. Hätte sie es nicht so gut vertragen, hätte ich sie in reines Sphagnum gesetzt, in dem ich auch meine Disa uniflora kultiviere. Im Sommer stehen die Töpfe in einer Schale, in der sich immer eine Pfütze Wasser befindet, damit das Substrat auch niemals austrocknet. Im Winter stehen die Pflanzen bei mir nicht ständig im Wasser, aber trotzdem immer sehr feucht. Zum Gießen verwende ich sehr salzarmes Wasser mit einem Leitwert von ungefähr 30 – 50 Mikrosiemens/cm. Gedüngt wird in den Sommermonaten alle 2 Wochen mit einem Leitwert von 250 Mikrosiemens/cm. Wie oben schon erwähnt, immer mit kaltem Wasser!

Die Blütenanzahl von Disa Foam ist wirklich beeindruckend. Auch die Farbnuancen, die diese Hybride zeigt, lassen keine Wünsche offen. Wer also die Möglichkeit hat, im Winter kalte Temperaturen mit viel Licht bieten zu können, der sollte sich unbedingt eine Disa Foam anschaffen! Viel Erfolg beim Kultivieren!

Autor: Thomas Lehmann

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Habitus von Disa Foam (Foto: Thomas Lehmann)
Seitenansicht der Blüte (Foto: Thomas Lehmann)
Seitenansicht der Blüte (Foto: Thomas Lehmann)
Disa Foam – Einzelblüte (Foto:Thomas Lehmann)
Ein rötlicher Klon von Disa Foam (Foto: David Britten)