Deutsche Orchideen-Gesellschaft e.V.

Dendrochilum magnum

Am 4. Februar 2019 um 0:01 veröffentlicht. Kategorie: ,

Dendrochilum magnum

Dendrochilum magnum (Foto: Thomas LEHMANN)

Der deutsche Botaniker Heinrich Gustav REICHENBACH veröffentlichte im Jahr 1861 die Erstbeschreibung von Dendrochilum magnum in seinem Werk „Annales Botanices Systematicae“. 1852 hatte er mit einer Arbeit über Orchideenpollen promoviert und wurde elf Jahre später Professor für Botanik und Direktor des Botanischen Gartens in Hamburg. Sein Vater Heinrich Gottlieb Ludwig REICHENBACH war ebenfalls Botaniker. Um beide Autoren voneinander unterscheiden zu können, lautet das offizielle Autorenkürzel von Heinrich Gustav REICHENBACH „Rchb. f.“, wobei „f.“ für das lateinische Wort filius steht und Sohn bedeutet. Im Jahr 1904 ordnete der englische Botaniker Robert Allen ROLFE die Art Ddc. magnum in die Gattung Acoridium ein und veröffentlichte diese Neueinordnung im englischen Magazin „Orchid Review. An Illustrated Monthly Journal Devoted to Orchidology in all its Branches“. Acoridium magnum ist bis heute ein gültiges Synonym für Dendrochilum magnum, das in der Praxis allerdings nur selten Anwendung findet.

Dendrochilum magnum ‚Marko‘ SM/DOG – ein sehr dunkler, orangefarbener Klon (Foto: D.O.G.-Archiv)

Die epiphytische Art ist heimisch auf den Philippinen. Sie wächst dort auf Höhen von 1600-2000 Metern über dem Meeresspiegel unter eher kühl-temperierten Bedingungen. Durch die Nähe zum Äquator gibt es nur geringe jahreszeitliche Schwankungen. Je nach Standort wird das Klima mehr oder weniger durch den Monsun geprägt, der viel Niederschlag im Sommer und eine Trockenzeit im Winter bringt. Während es auf den westlichen Philippinen einen starken Einfluss des Monsuns gibt, sind die östlichen Gebiete der Inselgruppe eher ganzjährigem Regen ausgesetzt.

Dendrochilum magnum bildet schmale Pseudobulben aus, auf denen jeweils ein einzelnes, längliches und weiches Blatt sitzt. Die Blätter sind stark gewellt und werden bis zu 50 cm lang. Die Blütentriebe, die an der Oberseite der Pseudobulbe entstehen, wachsen zunächst aufrecht und hängen dann stark über. Auch die Infloreszenzen können bis zu 50 cm lang werden und tragen unzählige kleine Blüten, die gelblich gefärbt und stark duftend sind. Der Duft erinnert an Weihrauch und ist raumfüllend. Blütezeit ist im Frühjahr und im Herbst.

Eine Kultur im Wohnraum kann erfolgreich sein, wenn besonders im Winter ein etwas kühlerer Platz geboten wird. Auch sollte die Luftfeuchtigkeit nicht zu niedrig sein, da die Pflanzen sonst sehr anfällig für Spinnmilben sind. Den Sommer über steht mein Dendrochilum magnum an einem vor Sonne geschützten Platz im Freien. Während der gesamten Sommermonate achtet ich darauf, dass der Pflanzstoff niemals durchtrocknet und immer feucht ist. Bei den heißen Temperaturen, die wir in den letzten Sommern immer öfter hatten, gieße ich teilweise täglich durchdringend und lasse gelegentlich auch etwas Wasser im Untersetzter stehen. Während des Monsuns am Naturstandort sind die Pflanzen schließlich auch extrem viel Wasser ausgesetzt. Im Winter war ich mir nicht ganz sicher, ob ich die Pflanze völlig trocken halten sollte, da im Winter nicht überall auf den Philippinen Trockenheit herrscht. Ich entschloss mich dazu, eine Art Semi-Dry-Ruhe zu bieten, die auch einige meiner Dendrobien bekommen. Das heißt, dass gelegentlich etwas gegossen wird, aber das Substrat zwischen zwei Wassergaben komplett durchtrocknen darf.

In den Sommermonaten dünge ich mit jedem Wässern in schwacher Konzentration. Das Düngerwasser hat einen Leitwert von ungefähr 200 Mikrosiemens/cm (µS/cm). In den dunklen Wintermonaten dünge ich gar nicht. Die im Pflanzstoff angereichterten Salze reichen aus, um die Pflanze gut durch diese Jahreszeit zu bringen, in der ja ohnehin nicht viel gegossen wird.

Dendrochilum magnum ‚Deggendorf‘ erhielt eine Silbermedaille für die ausgezeichnete Kultur (Foto: D.O.G.-Archiv)

Die Temperaturen im Sommer kann ich natürlich nicht beeinflussen. Die große Hitze wurde aber ohne Probleme von der Pflanze vertragen. Im Winter steht sie hell, jedoch ohne direktes Sonnenlicht, bei nächtlichen Temperaturen von ungefähr 12-14 Grad. Tagsüber können die Temperaturen auch auf 25-27 Grad steigen, wenn die Sonne scheint und den Raum aufheizt.

Als Substrat nutze ich mittelgroße Pinienrinde gemischt mit Perliten, die den Pflanzstoff etwas auflockern und zusätzlich die Fähigkeit haben, Wasser zu speichern und langsam abzugeben. Durch die andauernde Feuchtigkeit während des Sommers zersetzt sich die Rinde natürlich recht schnell, weswegen alle zwei bis drei Jahre neu getopft werden muss. Aus diesem Grund denke ich darüber nach, die Pflanze im Frühjahr in ein mineralisches Substrat zu setzten. Bei einigen anderen Gattungen habe ich sehr gute Erfahrungen damit  gemacht und ich meine, dass diese Methode auch für Dendrochilum magnum geeignet sein sollte.

Wer den nötigen Platz bieten und mit dem raumfüllenden Geruch nach Weihrauch leben kann, dem kann ich diese imposante Naturform nur empfehlen, da sie zuverlässig zwei Mal im Jahr mit einer Fülle an Blüten überzeugt. Viel Erfolg beim Kultivieren!

Autor: Thomas LEHMANN

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Dendrochilum magnum ‚Gerd‘ BM/DOG (Foto: D.O.G.-Archiv)
Dendrochilum magnum ‚Kiel‘ erhielt ebenfalls eine Silbermedaille auf Kultur (Foto: D.O.G.-Archiv)
Mein Dendrochilum magnum hatte 12 Infloreszenzen im Herbst (Foto: Thomas LEHMANN)
Die kleinen Knospen spitzen aus den Hüllblättern hervor (Foto: Thomas LEHMANN)
Die einzelnen Blüten stehen in Reih und Glied (Foto: Thomas LEHMANN)