Deutsche Orchideen-Gesellschaft e.V.

Dendrochilum cobbianum

Am 2. Dezember 2019 um 0:01 veröffentlicht. Kategorie: ,

Dendrochilum cobbianum

Dendrochilum cobbianum – Einzelblüte (Foto: Thomas Lehmann)

In einer Ausgabe von „Gardeners‘ Chronicle“ aus dem Jahr 1880 erschien die Erstbeschreibung von Dendrochilum cobbianum. Der Autor Heinrich Gustav REICHENBACH war ein deutscher Botaniker, der zahlreiche neue Orchideenarten beschrieb. Der Name Dendrochilum leitet sich von den altgriechischen Wörtern δενδρον (déndron = Baum) und χειλοσ (chéilos = Lippe) ab – auf Bäumen wachsend, mit deutlich ausgeprägter Lippe. Mit dem Artnamen ehrte REICHENBACH einen britischen Freund und Orchideen-Enthusiasten, der mit Nachnamen COBB hieß.

Heimisch ist Dendrochilum cobbianum in den kühleren Regionen der Philippinen. Die eher mittelgroße Art wächst dort entweder epiphytisch auf bemoosten Ästen und Stämmen oder lithophytisch auf Felsen, immer aber in voller Sonne. In niederen Lagen unter 1200 Metern ü. M. ist sie nicht anzutreffen. An den Standorten herrscht ein dauerfeuchtes Klima mit ganzjährigen Niederschlägen. Die Anzahl der Regentage nimmt in den Wintermonaten zwar ab, die Luftfeuchtigkeit sorgt aber dafür, dass das Habitat niemals austrocknet.

Dendrochilum cobbianum ‚Jana‘ BM/DOG – die einzelnen Rispen bilden einen Vorhang aus Blüten (Foto: D.O.G.-Archiv)

Auf den kleinen ovalen Pseubulben sitzt ein einzelnes Blatt, das von einem dünnen, aber festen Stiel getragen wird. Die Blätter sind fächerartig gewellt und laufen spitz zu. Die Pseudobulben und das Laub haben einen leicht gelblichen Schimmer. Jeweils im Frühjahr und im Herbst erscheinen nach Ausreifen der Neutriebe lange Infloreszenzen, die zuerst aufrecht emporwachsen und danach überhängend lange Blütentrauben tragen. Die einzelnen Blüten sind  unauffällig weiß gefärbt. Lediglich das Labellum leuchtet in einem strahlenden Gelb. Nach und nach öfnnet sich die gesamte Infloreszenz, bis schließlich ca. 25 cm lange Blütenrispen herabhängen. Dendrochilum cobbianum verströmt einen zarten vanilligen Duft im gesamten Raum.

Die Kultur in der Wohnung kann erfolgreich sein, wenn besonders im Winter ein etwas kühlerer Platz geboten wird. Auch sollte die Luftfeuchtigkeit nicht zu niedrig sein, da die Pflanzen sonst sehr anfällig für Spinnmilben sind. Den Sommer über steht mein Dendrochilum cobbianum an einem vor zu starker Mittagsonne geschützten Platz im Freien. Sowohl am Morgen wie am frühen Abend fällt das Sonnenlicht aber ungehindert auf die Pflanze. Während der gesamten Sommermonate achte ich darauf, dass der Pflanzstoff immer feucht ist und niemals durchtrocknet. Bei den heißen Temperaturen, die wir in den letzten Sommern immer öfter hatten, gieße ich teilweise täglich durchdringend und lasse gelegentlich auch etwas Wasser im Untersetzter stehen. Während des Monsuns am Naturstandort, der je nach Lage stärker oder schwächer ausgeprägt ist, sind die Pflanzen schließlich auch extrem viel Wasser ausgesetzt. Im Winter war ich mir nicht ganz sicher, ob ich die Pflanze völlig trocken halten sollte, da zu dieser Jahreszeit nicht überall auf den Philippinen Trockenheit herrscht und die Luftfeuchtigkeit meist ein Austrocknen des Habitats verhindert. Ich entschloss mich dazu, eine Art Semi-Dry-Ruhe zu bieten, die auch einige meiner Dendrobien bekommen. Das heißt, dass gelegentlich etwas gegossen wird, aber das Substrat zwischen zwei Wassergaben komplett durchtrocknen darf. Das gefällt sowohl Dendrochilum magnum wie auch dem hier vorgestellten Dendrochilum cobbianum bisher sehr gut.

In den Sommermonaten dünge ich mit jedem Wässern in schwacher Konzentration. Das Düngerwasser hat einen Leitwert von ungefähr 200 Mikrosiemens/cm (µS/cm). In den dunklen Wintermonaten dünge ich gar nicht. Die im Pflanzstoff angereichterten Salze reichen aus, um die Pflanze gut durch diese Jahreszeit zu bringen, in der ja ohnehin nicht viel gegossen wird.

Die Temperaturen im Sommer kann ich natürlich nicht beeinflussen. Die große Hitze wurde aber ohne Probleme von der Pflanze vertragen. Im Winter steht sie vollsonnig an einem Südseitenfenster, bei nächtlichen Temperaturen von ungefähr 12-14 Grad. Tagsüber können die Temperaturen auch auf 27-30 Grad steigen, wenn die Sonne scheint und den Raum aufheizt.

Als Substrat nutze ich mittelgroße Pinienrinde gemischt mit Perliten, die den Pflanzstoff etwas auflockern und zusätzlich die Fähigkeit haben, Wasser zu speichern und langsam abzugeben. Durch die andauernde Feuchtigkeit während des Sommers zersetzt sich die Rinde natürlich recht schnell, weswegen alle zwei bis drei Jahre neu getopft werden muss. Aus diesem Grund denke ich darüber nach, die Pflanze im Frühjahr in ein mineralisches Substrat zu setzten. Dendrochilum magnum habe ich im Frühjahr mineralisch getopft. Bisher scheint ihm das zuzusagen.

Wer auch an etwas unscheinbaren, aber trotzdem imposanten Orchideenblüten seine Freude hat und mit dem raumfüllenden Geruch nach Vanille leben kann, dem kann ich Dendrochilum cobbianum nur empfehlen, da es zuverlässig zwei Mal im Jahr mit einer Fülle an Blüten überzeugt. Viel Erfolg beim Kultivieren!

Autor: Thomas LEHMANN

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Aktuelles Habitus-Foto meiner Pflanze. Sie treibt insgesamt vier Infloreszenzen aus. (Foto: Thomas Lehmann)
Dendrochilum cobbianum ‚Zell‘ BM/DOG (Foto: D.O.G.-Archiv)
Die einzelnen Blüten öffnen sich von oben nach unten. (Foto: Thomas Lehmann)
Seitenansicht der Blüte (Foto: Thomas Lehmann)