Deutsche Orchideen-Gesellschaft e.V.

Dendrobium trigonopus

Am 19. Oktober 2020 um 0:01 veröffentlicht. Kategorie: ,

Dendrobium trigonopus

Dendrobium trigonopus ‚Schanz‘ SM/D.O.G. (Foto: D.O.G.-Archiv)

Heute möchte ich hier eine meiner Lieblingsorchideen vorstellen: Dendrobium trigonopus. Sie nimmt alle Widrigkeiten ihres Daseins auf meiner Fensterbank im Winter und in meinem Garten im Sommer klaglos hin und gedeiht bestens. Außerdem hat sie ideale Fensterbankgröße und blüht wirklich ausdauernd über mehrere Monate. Beginnen möchte ich mit einer kurzen Schilderung meiner Kulturbedingungen, bevor ich zu Dendrobium trigonopus selbst komme.

Habitus von Dendrobium (Foto: Ricarda Schulz)

Klimatische Verhältnisse an meinem Wohnort:

Wir leben im Großraum Mannheim-Heidelberg und haben damit den Vorteil eines sehr begünstigten, milden Klimas, bedingt durch die geschützte Lage im Oberrheingraben. Die Messungen an der DWD-Klimastation in Mannheim-Vogelstang ergaben zwischen 1971 und 2000 eine Durchschnittstemperatur von 10,5 °C. Der wärmste Monat ist der Juli mit durchschnittlich 19,9 °C, der kälteste der Januar mit 1,8 °C. Temperaturen über 30 °C sind im Hochsommer keine Seltenheit. Der Spitzenwert wurde am 7. August 2015 mit 39,8 °C gemessen. Die Niederschlagsmenge ist für deutsche Verhältnisse mit ca. 670 mm relativ gering. Je nach Windverhältnissen ist somit auch die Luftfeuchtigkeit trotz der Nähe zu Rhein und Neckar eher niedrig. Mannheim liegt in der Winterhärtezone 7-8a, d. h. es können Wärme liebende Exoten wie Feigen, Hanfpalmen, Oliven und stellenweise sogar Oleander einigermaßen sicher ausgepflanzt werden.

Meine Kulturbedingungen:

Durch das eher milde Klima ist es möglich, die Orchideen, auch Wärme liebende Arten und Hybriden, im Sommer im Freien zu kultivieren. Das Gärtchen, das die Sommerheimat meiner Orchideen darstellt, liegt nordöstlich vom Haus und ist von einem Holzzaun und mittelhohen Sträuchern umgeben. Das bietet ideale Lichtverhältnisse (keine pralle Mittagssonne) und schützt vor den hier leider vorherrschenden trockenen (und dieses Jahr extrem kalten) Winden aus Nordost oder im Hochsommer aus südlichen Richtungen. Die Kälte liebenden Arten sind, je nach Wetter, von April bis Oktober draußen, die Wärme liebenden von Mitte Mai bis September. Im Winter kultiviere ich die Pflanzen auf der Fensterbank, je nach Licht und Wärmeansprüchen am Süd- oder Ostfenster. Das funktioniert auch mit aufgebundenen Naturformen gut, wenn sie den Kulturbedingungen entsprechend ausgewählt sind, also idealerweise kurzzeitige Trockenheit, Wärme und Lufttrockenheit vertragen oder sogar brauchen, z. B. Aerangis verdickii oder Lockhartia serra. Natürlich müssen sie trotzdem mindestens jeden zweiten Tag gründlich gesprüht oder getaucht werden.

Dendrobium trigonopus ‚Gisela‘ SM/D.O.G. auf Kultur (Foto: D.O.G.-Archiv)

Mein Dendrobium trigonopus kultiviere ich getopft in einem handelsüblichen Orchideensubstrat aus Rinde und Tongranulat oder in einem normalen rindenbasierten Orchideensubstrat. Dendrobium trigonopus hat es gerne ein bisschen feucht, auch im Winter. Um Fäulnis der Wurzeln vorzubeugen, topfe ich solche Pflanzen lieber in einen etwas zu kleinen Topf mit Styropordrainage und gieße bzw. sprühe dafür öfter. Umgetopft wird die Pflanze alle 2 Jahre. Ihr Wurzelballen  ist dicht und gesund, daher lasse ich ihn intakt und fülle nur am Rand frisches Substrat in den Topf, den ich höchstens eine Nummer größer wähle. Dendrobium trigonopus überwintert bei mir an einem großen Südfenster, das von Mitte März bis Ende September mit einer einfachen Gardine schattiert wird. Zur Erhöhung der Luftfeuchtigkeit stehen alle meine getopften Orchideen in Fensterbankschalen. Die Tagestemperatur liegt bei 20 °C, kann an einem sonnigen Tag aber auch über 25 °C ansteigen. Nachts gibt es eine Temperaturabsenkung auf 16-17 °C. Die Luftfeuchte im Zimmer ist das ganze Jahr gleichbleibend niedrig um 50% und muss durch Sprühen und Fensterbankschalen erhöht werden. Im Frühjahr kommt die Pflanze nach draußen, sobald die Nachttemperaturen stabil zweistellig sind, also über 10 °C bleiben.

Das war dieses Jahr leider erst Anfang Juli der Fall. Sie hängt dann im leichten Schatten von Gehölzen mit ein bisschen Nachmittagssonne. Tagsüber können die Temperaturen weit über 30 °C steigen, normalerweise ist dies ab Mitte Mai bis Ende September der Fall. Das Steigern der Luftfeuchtigkeit ist jetzt aber eher einfach möglich. Durch die windgeschützte Lage reicht es, den Garten gründlich zu gießen und ab und zu zu sprühen. Meinem Dendrobium trigonopus scheint das zu gefallen. Es entwickelt pro Jahr einen neuen Trieb  und blüht ab August. Eingeräumt wird es, wenn die Nachttemperaturen einstellig werden. Drohen längere Regenperioden oder schwere Gewitter, zieht es um auf eine überdachte Terrasse. Gegossen werden alle meine Orchideen mit Regenwasser oder mit aufbereitetem Wasser aus einem Ionenaustauscher. Dieses wird für das alltägliche Gießen auf 50 -100 μS aufgedüngt. Gelegentlich gibt es auch Quellwasser zur Mineralstoffversorgung und zum Aufkalken des Substrates. Leitungswasser verwende ich fast nie, mit einem Leitwert bis 1000 μS ist es leider völlig ungeeignet.

Sobald sich im Frühjahr der Neutrieb zeigt, wird mein Dendrobium trigonopus alle 7-14 Tage mit einem handelsüblichen Volldünger für Orchideen gedüngt, und zwar in einer Konzentration von 200-400 μS. Gegossen bzw. gesprüht wird in Abhängigkeit von der Temperatur. An heißen Sommertagen sprühe ich 2-mal am Tag über das Substrat und die Pseudobulben, aber so, dass die Pflanze am Abend wieder abgetrocknet ist und in den Blattansätzen kein Wasser stehen bleibt. Durchdringend gegossen wird dann 2-3-mal pro Woche. Da das Orchideensubstrat (Rinde mit Tongranulat) relativ nährstoffreich bzw. salzhaltig ist, ist es wichtig, das Substrat beim Gießen gründlich durchzuspülen. Im Winter reichen 1-2-mal Gießen/Sprühen pro Woche.

Probleme mit Krankheiten oder Schädlingen hatte ich mit dieser Pflanze noch nie, nicht einmal Wolläuse, die ja gerade bei Fensterbankkultur öfter mal lästig werden können.

Dendrobium trigonopus (Foto: Ricarda Schulz)

Dendrobium trigonopus

Dendrobium trigonopus kommt ursprünglich aus Wäldern bis in 1 500 m Höhe im südlichen China, Thailand und Vietnam. Es wächst epiphytisch auf Baumstämmen und dicken Ästen. Es handelt sich um eine eher kleinbleibende Pflanze, die etwa 15 bis 25 cm hoch wird. Die Bulben stehen dicht zusammen und wachsen aufrecht. Sie sind spindelförmig, längs gefurcht, die älteren sind von einer dünnen papierartigen Hülle umgeben. Die ganze Pflanze ist dunkelgrün gefärbt. Die Pseudobulben sind von mehreren Nodien, meistens 5, unterteilt. Jede Pseudobulbe hat 1-4 langlebige Blätter im oberen Drittel. Diese sind dickfleischig, ca. 6-10 cm lang und spitz zulaufend. Sowohl Blatt tragende als auch blattlose Pseudobulben können Infloreszenzen ausbilden. Die Pflanze blüht mit mehreren sehr kurzstieligen Trauben, die jeweils 2-4 Blüten tragen. Diese haben einen Durchmesser von ca. 5 cm und blühen in leuchtendem Gelb mit grün überlaufener Lippe. Mein Dendrobium trigonopus hält sich nicht an die übliche Blütezeit (Frühjahr), sondern blüht zuverlässig im Spätsommer (August – Oktober) für mindestens 10 Wochen. Die Blüten verströmen einen wunderbaren Duft nach Honig.

Fazit:

Dendrobium trigonopus ist ein idealer Kandidat für die Fensterbankkultur.

Autorin: Ricarda Schulz

Quellen:

https://de.wikipedia.org/wiki/Mannheim#Klima

http://www.orchidspecies.com/dentrigonopus.htm

Dendrobium trigonopus ‚Moni Bartl‘ SM/D.O.G. (Foto: D.O.G.-Archiv)
Dendrobium trigonopus ‚Moni Bartl‘ SM/D.O.G. für die herausragende Kultur (Foto: D.O.G.-Archiv)
Dendrobium trigonopus ‚Gisela‘ SM/D.O.G. (Foto: D.O.G.-Archiv)
Reich blühendes Dendrobium trigonopus (Foto: Ricarda Schulz)
Ein Blick von aben auf den Blütenflor (Foto: Ricarda Schulz)
Dendrobium trigonopus (Foto: Ricarda Schulz)