Deutsche Orchideen-Gesellschaft e.V.

Dendrobium Sun Sprite

Am 18. März 2019 um 0:01 veröffentlicht. Kategorie:

Dendrobium Sun Sprite

Dendrobium Sun Sprite (Foto: Thomas Lehmann)

Am 12. November 1975 trug die Royal Horticultural Society (RHS) diese Hybride in das Register für Orchideen-Hybriden ein. Der Züchter, der die Hybride zur Registrierung angemeldet hatte, ist mit V. & N. JUPP angegeben. Genauere Informationen zu den Personen konnte ich leider nicht finden. Die Elternteile von Dendrobium Sun Sprite sind zwei Naturhybriden. Eine davon ist Dendrobium × speciokingianum – eine Hybride aus Den. speciosum und Den. kingianum. Der andere Elternteil ist Den. × gracillimum, also die natürlich vorkommende Hybride aus Den. gracilicaule und Den. speciosum var. hilii. Der Genpool teilt sich also wie folgt auf:

  • 50% Dendrobium speciosum
  • 25% Dendrobium kingianum
  • 25% Dendrobium gracilicaule
Dendrobium speciosum ist zur Hälfte am Genpool beteiligt (Foto: D.O.G.-Archiv)
Dendrobium kingianum trägt zu einem Viertel am Genpool teil (Foto: D.O.G.-Archiv)
Ebenfalls ein Viertel des Genpools kommt von Dendrobium gracilicaule (Foto: Thomas Lehmann)

Das Verbreitungsgebiet von Dendrobium speciosum erstreckt sich vom australischen New South Wales bis nach Victoria. Es wächst dort ausschließlich lithophytisch in Küstennähe auf Felsen und Klippen und in offenen Wäldern mit viel Luftbewegung. Die Winter sind sehr trocken ohne Niederschläge und eher kühl. Die Blüten, die im Frühjahr erscheinen, duften intensiv. Jede Infloreszenz trägt zahlreiche Blüten, die sich tagsüber öffnen und am Abend schließen.

Ebenfalls lithophytisch wächst Dendrobium kingianum im australischen Queensland und New South Wales. Man findet die Art sowohl in Küstennähe wie auch in Bergwäldern bis auf Höhen von 1200 Metern über dem Meeresspiegel. Auch hier sind die Winter trocken und kühl – in höheren Lagen teilweise richtig kalt. Die Blüten duften intensiv nach Honig und erscheinen im späten Winter bis ins zeitige Frühjahr.

Dendrobium gracilicaule kommt an sehr sonnigen Plätzen in Queensland, New South Wales und New Caledonia in Australien vor. Die Art ist sowohl epithytisch wie auch lithophytisch wachsend anzutreffen. Auch ihre Blüten duften, nachdem sich die Knospen im späten Winer geöffnet haben.

Ganz wichtig für eine erfolgreiche Kultur von Dendrobium Sun Sprite ist eine kühle und absolut trockene Ruhezeit im Winter. Vom späten Herbst an werden Wässern und Düngen komplett eingestellt und erst wieder aufgenommen, wenn sich im Frühjahr die Neutriebe zeigen.  Alle drei beteiligten Naturformen brauchen diese trockene Ruhezeit im Winter, um die Blüteninduktion zu ermöglichen. Meine Pflanze steht bis zum ersten Frost im Freien, ehe sie in einen unbeheizten Raum mit viel Licht gebracht wird. Ungefähr ab Anfang November  stelle ich das Gießen komplett ein. Die Temperaturen im Winter halte ich bei 8-10 Grad. Auch kühler ist möglich für die Pflanze, aber in keinem Raum unserer Wohnung erreichbar.

Bei meiner Pflanze trägt jede Infolreszenz immer exakt sieben Blüten (Foto: Thomas Lehmann)

Vom Frühjahr bis in den Herbst wird sehr regelmäßig gegossen. An den besonders heißen Tagen im Hochsommer steht der Topf immer in einer Schale mit Wasser, um ein Austrocknen des Substrats zu vermeiden. So trocken wie die Winter sein müssen, so nass darf dafür der Hochsommer sein. Zu viel kann man während dieser Zeit kaum gießen, wenn es heiß ist. Gedüngt wird von März/April bis September/Oktober circa einmal wöchentlich. Der Leitwert des Düngerwassers liegt dann bei ungefähr 300-400 Mikrosiemens/cm. Im Winter wird natürlich nicht gedüngt, da ja auch nicht gewässert wird.

Noch habe ich die Pflanze in Rindensubtrat ohne Zuschlagsstoffe, da ich sie in diesem Substrat von einem Freund übernommen habe und bisher noch nicht neu topfen musste. Läuft sehr gut in dem Substrat, wie es scheint. Dieses Jahr habe ich 16 Blütentriebe gezählt. Nichtsdestotrotz werde ich sie – wie alle meine Dendrobien – beim Umtopfen nächstes Jahr auf mineralisches Substrat setzen. Der Pflegeaufwand mit Lavagranulat ist etwas unkomplizierter, da der Topf dann vom Frühjahr bis in den Herbst einfach in einer Schale mit Wasser stehen kann, ohne zu nass zu werden, wenn die Temperaturen etwas kühler sind.

Die Hitze und auch teilweise direkte Sonne im Sommer verträgt die Pflanze sehr gut, solange sie nicht zu trocken steht und auch die Luftfeuchtigkeit nicht zu sehr sinkt. Auch deswegen stelle ich sie im Hochsommer sehr gerne in eine Schale, die mit Wasser gefüllt ist. Das verdunstende Wasser erhöht die Luftfeuchtigkeit um die Pflanze herum etwas.

Blühfreudig, reich blühend, duftend – eine Hybride, die man leider selten sieht, die aber jede Orchideensammlung bereichert. Ich möchte meine Pflanze nicht mehr missen. Viel Erfolg beim Kultivieren!

Autor: Thomas Lehmann

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Am ersten Tag sind die Petalen und Sepalen noch nach hinten geneigt – bereits am zweiten Tag neigen sie sich aber wieder nach vorne (Foto: Thomas Lehmann)
Am ersten Tag sind die Petalen und Sepalen noch nach hinten geneigt – bereits am zweiten Tag neigen sie sich aber wieder nach vorne (Foto: Thomas Lehmann)
Alle Blüten sind geöffnet und die Petalen und Sepalen neigen sich nach vorne (Foto: Thomas Lehmann)
Habitus-Bild meiner Pflanze. Insgesamt gab es 16 Infloreszenzen, die leider nicht alle gleichzeitig aufblühten. (Foto: Thomas Lehmann)