Deutsche Orchideen-Gesellschaft e.V.

Dendrobium convolutum

Am 18. November 2019 um 0:01 veröffentlicht. Kategorie: ,

 Dendrobium convolutum

Dendrobium convolutum (Foto: Fabian Kulka)

Erstbeschreibung und Autor

Die Gattung Dendrobium Sw. ist eine der umfangreicheren Gattungen innerhalb der Orchideen. Im Folgenden möchte ich euch die Art Dendrobium convolutum Rolfe etwas näherbringen. Sie wurde im Jahr 1906 durch den englischen Botaniker Robert Allen ROLFE beschrieben und in „Bulletin of Miscellaneous Information (Royal Botanic Gardens, Kew) 1906: 375“ veröffentlicht. Robert Allen ROLFE (1855 – 1921) war zu seiner Zeit durchaus als Koryphäe auf dem Gebiet der Orchideenforschung anzusehen. Nicht umsonst war er für viele Jahre mit verantwortlich für die Herbarien der Royal Botanic Gardens in Kew. Überdies war er auch der Begründer der Zeitschrift „The Orchid Review“, eine der führenden auf dem Fachgebiet der Orchideen und seit 1993 auch offizielles Magazin der Royal Horticultural Society.

Habitat und Vorkommen

Dendrobium convolutum kommt wie einige andere Arten der Sektion Latouria innerhalb der Gattung Dendrobium endemisch auf Papua-Neuguinea vor und soll in den Provinzen Madang, Morobe und Milne Bay verbreitet sein. Die genaueren Angaben darüber variieren zum Teil etwas. Demnach befinden sich seine Standorte von Meereshöhe bis zu 1500 Meter über dem Meeresspiegel. In manchen Quellen wird zusätzlich erwähnt, dass die Vorkommen küstennah liegen. Aus diesen Angaben lässt sich zumindest grob ableiten, dass Dendrobium convolutum warme Bedingungen bevorzugt und auch recht gleichmäßig mit Feuchtigkeit versorgt werden möchte. Da Papua-Neuguinea in der Nähe des Äquators liegt und Dendrobium convolutum eher niedrige Höhenlagen besiedelt, ist dort nicht mit starken Schwankungen der Temperaturen und Niederschlagsmengen zu rechnen und somit auch nicht mit einer echten Ruhezeit der Pflanzen.

Beschreibung von Habitus und Blüte

Habitus von Dendrobium convolutum – die Metallstangen dienen dazu, die Neutriebe etwas in die richtige Richtung zu lenken (Foto: Fabian Kulka)

Die Pflanzen der Gattung Dendrobium gehören zu den sympodial wachsenden Orchideen und bilden daher sogenannte Pseudobulben aus, die auch als Speicherorgane dienen können. Bei Dendrobium convolutum haben diese Pseudobulben einen Durchmesser von etwa 1-1,5 cm und werden gut 20-30 cm hoch. Sie können bei alten Pflanzen unter optimalen Bedingungen allerdings auch noch größer werden. Den. convolutum trägt an jeder ausgewachsenen Pseudobulbe in der Regel zwei oder drei Blätter, die etwa 10-15 cm lang sowie 4-5 cm breit sind. Frische, ausgewachsene Blätter sind von fester Struktur. Mit zunehmendem Alter der Pseudobulbe fallen sie jedoch ab.

Die Blüten von Den. convolutum sind hinsichtlich ihrer Farbgebung durchaus etwas ungewöhnlich. Die Sepalen und Petalen haben eine frische hellgrüne Farbe, während die dunkelrote Lippe einen starken Kontrast dazu bietet. Dies wirkt zunächst etwas ungewohnt, die Farbkombination bietet aber auch mal etwas Abwechslung. Die Blüten sind durchschnittlich etwa 3-3,5 cm breit (zwischen den Spitzen der beiden lateralen Sepalen) und 3-3,5 cm hoch (zwischen der Spitze des dorsalen Sepalums und den Spitzen der lateralen Sepalen), meistens jedoch geringfügig breiter als hoch. An einer Infloreszenz werden etwa 3-5 Blüten gebildet, die höchste Anzahl bei meiner Pflanze waren bislang sechs an einer Infloreszenz. Es kann jedoch durchaus sein, dass bei größeren Pflanzen auch mehr gebildet werden. Sie halten mehrere Wochen ohne Verwelkungserscheinungen.

Die Infloreszenzen erscheinen, wie für Dendrobien der Sektion Latouria üblich, an der Spitze der Pseudobulbe. Manchmal kommt es jedoch vor, dass die Infloreszenz auch zwischen den Blättern gebildet wird oder unterhalb eines Blattes nahe des Blattansatzes. Eine Pseudobulbe kann darüber hinaus über mehrere Jahre hinweg immer wieder neue Infloreszenzen ausbilden.

Eigene Kulturerfahrungen

Dendrobium convolutum gehörte damals zu einem meiner allerersten Dendrobien. Wie bereits oben beschrieben faszinierte mich die doch sehr ungewöhnliche Blüte, zumal ich es bis dahin beinahe ausschließlich mit der Gattung Phalaenopsis zu tun hatte. Für damalige Verhältnisse war es daher eine gewisse Überwindung für mich, es mit einem Dendrobium zu versuchen. Aber da ich mich zumindest vorher etwas informiert hatte und die Art mir nicht allzu heikel erschien, probierte ich es einfach.

Ich kaufte die Pflanze mit einem kleinen Blütentriebansatz, der auch trotz des Umtopfens zur Blüte kam. Apropos umtopfen, die Pflanze habe ich dann wie gewohnt in Rindensubstrat umgetopft, was zunächst erfolgreich war. Sie wurzelte gut ein, für den Anfang schien also alles glatt zu laufen. Jedoch zeigten sich nach einiger Zeit dennoch Probleme, denn die bis dahin gewachsenen Neutriebe blieben etwas dünn und mickrig und blühten auch nicht. Offenbar war die Versorgung der Pflanze in dem Substrat nicht ganz ausreichend. Daher entschloss ich mich, Dendrobium convolutum in mineralisches Substrat zu setzen. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte ich schon ein paar weitere Dendrobien in Kultur und eine Orchideenfreundin gab mir den Tipp, es mit mineralischen Substraten wie Lava, Akadama und Kanuma zu probieren. So wurde die Pflanze in Lava gesetzt. Dies stellte sich jedoch als schwieriges Unterfangen heraus, da die recht dünnen Wurzeln von Dendrobium convolutum bei der Umtopfaktion ziemlich gelitten hatten, weil sie kaum von der Rinde zu lösen waren. Daher vermeide ich heutzutage wenn möglich, Rindensubstrate bei sympodialen Orchideen zu verwenden, insbesondere bei denen mit dünnen Wurzeln.  Dies kann durchaus viel Stress beim Umtopfen bedeuten. Das ist allerdings meine persönliche Erfahrung! Es gibt genügend Orchideenliebhaber, die mit Rindensubstrat bei diesen Dendrobien super zurechtkommen.

Jetzt ist mein Dendrobium convolutum nach wie vor in Lava getopft und in den letzten Jahren gut gewachsen und hat auch immer wieder geblüht. Allerdings habe ich mir bei einigen anderen Pflanzen mit größeren Töpfen angewöhnt das Lava-Substrat mit Bims zu mischen. Dadurch möchte ich das Substrat etwas auflockern und leichter machen, da Lava selbst recht schwer ist. Dies werde ich dann beim nächsten Umtopfen dieser Pflanze wohl auch anwenden.

Nach der – zugegebenermaßen etwas ausschweifenden – Geschichte meiner Pflanze nun noch ein paar Eckdaten zu meiner Kultur auf der Fensterbank: Wie bereits oben erwähnt bekommt meine Pflanze keine Ruhezeit und wird durchkultiviert. Einmal die Woche fülle ich daher Wasser im Untersetzer nach. Das Substrat trocknet dadurch nicht ganz aus, im Sommer trocknet es höchstens etwas ab. Dünger gibt es circa alle vier Wochen. Häufiger düngen möchte ich bei mineralischen Substraten nur ungern, um ein schnelles Versalzen zu verhindern. Der Temperaturbereich reicht meist von normaler Zimmertemperatur aufwärts, das heißt um die 20 °C oder mehr tagsüber. Im Sommer werden es dann eben auch mal über 30 °C; im Winter wird das Zimmer geheizt, sodass es einigermaßen warm bleibt. Nachts sind die Temperaturen entsprechend niedriger. Was das Licht angeht, muss man bei Dendrobium convolutum etwas aufpassen. Am schattierten Süd-West-Fenster geht es meiner Pflanze soweit gut. Bei fehlender Schattierung hat sie jedoch auch schon leichte Blattschäden davongetragen. Außerdem verfärben sich Blätter und Pseudobulben bei zu viel Licht recht schnell dunkelrot. Dies sollte ein eindeutiges Zeichen sein, dass es der Pflanze zu hell ist, und man sollte entsprechend reagieren .

Insgesamt ist Dendrobium convolutum eine recht robuste Art, die auch mal etwas verzeiht. Mit Standorten, an denen sich beispielsweise eine Phalaenopsis wohlfühlt, sollte auch Dendrobium convolutum zurechtkommen.

Autor: Fabian Kulka

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Dendrobium convolutum ‚Gerd‘ BM/DOG (Foto: D.O.G.-Archiv)
Die Infloreszenzen von Dendrobium convolutum tragen mehrere Blüten. (Foto: Fabian Kulka)
Detailaufnahme der Lippe (Foto: Fabian Kulka)