Deutsche Orchideen-Gesellschaft e.V.

Coelogyne Lyme Bay

Am 20. April 2020 um 0:01 veröffentlicht. Kategorie:

Coelogyne Lyme Bay

Coelogyne Lyme Bay (Foto: Thomas Lehmann)

Burnham Nurseries Ltd. – aus dem südwestlichen England – meldete die Hybride bei der Royal Horticultural Society (RHS) an, woraufhin sie am 12.12.2006 in das dortige Register für Orchideen-Hybriden eingetragen wurde. Benannt ist diese neue Kreuzung nach einer Bucht am Ärmelkanal. Die Lyme Bay liegt an der südwestlichen Küste der britischen Insel zwischen Portland und der Start Bay. Die Elternteile von Coelogyne Lyme Bay sind beides Naturformen. Burnham Nurseries bestäubte die Blüte einer Coelogyne speciosa mit dem Pollen von Coelogyne usitana. Der Genpool teilt sich also in zwei gleiche Teile:

Coelogyne Lyme Bay ‚Tenshy‘ BM/D.O.G. (Foto: D.O.G.-Archiv)

Coelogyne speciosa ist heimsich in den Regenwäldern von Malaysia, Java, Borneo und Sumatra. Meist wächst die Art epiphytisch auf Bäumen, selten findet man auch Individuen, die terrestrisch wachsen. Durch die recht unterschiedlichen Höhenlagen, die von 700 bis 2000 Metern über dem Meeresspiegel variieren können, reichen die Temperaturbereiche von kühl bis temperiert/warm. Die große Coelogyne-Art kann das ganze Jahr hindurch blühen. Meistens erscheinen die Infloreszenzen aber im Frühjahr. Im Sommer regnet es deutlich weniger als im Winter. Die  Luftfeuchtigkeit ist ganzjährig sehr hoch.

Coelogyne usitana ist endemisch auf Mindanao, der zweitgrößten Insel der Philippinen. Dort besiedelt sie Höhenlagen von ca. 800 Metern über dem Meeresspiegel. Die Temperaturen an den Standorten sind ganzjährig warm. Die mitttelgroße Coelogyne-Art wächst ebenfalls epiphytisch auf Bäumen in den Regenwäldern der Insel. Niederschlag gibt es das ganze Jahr hindurch. Durch die extrem hohe Luftfeuchtigkeit trocknet das Habitat auch dann nicht aus, wenn es zeitweise wenig Regen gibt.

Coelogyne Lyme Bay bildet ca. 7-10 cm große Pseudobulben aus, auf denen jeweils ein einzelnes ca. 25 cm langes Blatt sitzt. Das Laub hat einen kurzen Stiel und ist fächerartig gewellt. Sobald ein Neutrieb ca. 10 cm hoch ist, schiebt sich bereits die Infloreszenz aus dem noch zusammengerollten Blatt. Die Blütentriebe wachsen leicht überhängend und können im Laufe einer Blühperiode sehr lang werden und weit nach unten hängen, da zahlreiche Blüten nacheinander an jeder Infloreszenz erscheinen. Die Blühdauer erstreckt sich dadurch über viele Monate. Die Tepalen sind einheitlich gefärbt, variieren kann der Farbton von zartem über leuchtendes Gelb, Grüngelb bis zu zarten Brauntönen. Das Labellum ist auffallend dunkel gefärbt. Während der Vorder- und die Seitenlappen der Lippe oft weiß sind, ist das Zentrum in sehr dunklen Rotbrauntönen gefärbt, die je nach Lichteinfall und Intensität auch schwarz wirken können.

Vier Blüten/Knospen in unterschiedlichen Stadien: links eine Knospe, danach eine sich öffnende Blüte, oben eine voll gestreckte Blüte, rechts unten eine Blüte, die welkt (Foto: Thomas Lehmann)

Die Kultur dieser Coelogyne-Hybride ist sehr einfach. Da sie es gerne temperiert bis warm hat, ist sie bestens für die Kultur im beheizten Wohnraum geeignet. Durch die Größe der Blätter und auch die überhängenden Blütentriebe findet sie auf einer Fensterbank allerdings keinen Platz. Am besten ist es, wenn man die Pflanze in einer hängenden Ampel kultivert. Meine Pflanze steht ganzjährig im beheizten Orchideenzimmer in der Nähe eines sehr großen Südfensters. Dort ist es sehr hell, direktes Sonnenlicht bekommt sie nur am Morgen für sehr kurze Zeit. Im Winter verträgt sie auch direkte Sonne sehr gut, weshalb ich sie in den dunklen Monaten etwas näher an das Fenster stelle. Im Winter fällt die Temperatur niemals unter 16 Grad, meistens sind es mindestens 18 Grad. Bei Sonnenschein heizt sich der Raum auch an Wintertagen durchaus auf 28 Grad und mehr auf, da wir sehr viele, sehr große Fenster haben und vollkommen frei stehen. Kein Baum oder Nachbarhaus versperrt uns die Sicht auf die Sonne, auch nicht, wenn sie im Winter tiefer steht. Ideale Bedingungen für Coelogyne Lyme Bay.

Im Gegensatz zu manchen Naturformen aus der Gattung braucht diese Hybride keine trockene Ruhephase bei kühlen Temperaturen. Sie wird ganzjährig durchkultiviert und will immer feuchte, aber nicht nasse Wurzeln. Wenn sie genug Wasser bekommt, wächst sie sehr gut und üppig. Getopft habe ich meine Pflanze in mittelgroßer Rinde in einem recht großen Topf (Ø 20 cm), der aber im Verhältnis recht niedrig ist. Im unteren Bereich des Topfes ist ein kleines Wasserreservoir eingebaut, da ich bei den sehr heißen Temperaturen im Sommer die Pflanze teilweise mit etwas nassem Fuß kultiviere, allerdings nie dauerhaft und nur so viel, dass das stehende Wasser nach zwei Tagen aufgebraucht ist. Getaucht wird, wenn das Substrat gut an-, aber nicht vollkommen abgetrocknet ist. In Sphagnum-Moos habe ich die Pflanze auch schon hervorragend kultiviert gesehen. Wie immer ist die Frage des Substrats auch immer eine Frage der Gießgewohnheiten. Wichtig ist, dass der Pflanzstoff nicht zu schnell abtrocknet und nicht dauerhaft zu nass bleibt.

Wie ich im Grunde schon in fast jedem Beitrag zur Orchidee der Woche geschrieben habe, dünge ich im Winter gar nicht. Im Sommer bekommt Coelogyne Lyme Bay dafür dauerhaft  auf ca. 350-450 Mikrosiemens/cm aufgedüngtes Wasser. Gelegentlich wird der Topf mit klarem, salzarmem Wasser duchgespült, um angereicherte Salze, die auf Dauer die empfindlichen Wurzeln beschädigen könnten, aus dem Pflanzstoff zu lösen.

Natürlich mögen Coelogynen, wie die meisten Orchideen, gerne hohe Luftfeuchtigkeit um sich herum. Der Platz, an der meine Coelogyne Lyme Bay steht, ist aber besonders im Winter eher von trockener Heizungsluft umgeben. Die Pflanze scheint damit gut klarzukommen und nicht so empfindlich darauf zu reagieren wie manch andere Orchidee.

Eine ausgesprochen pflegeleichte und unkomplizierte Coelogyne, die wirklich oft und sehr lange blüht, ohne dass man viel dafür tun muss. Nicht nur für Coelogyne-Sammler sollte diese Hybride ein Muss sein, da sie einfach Spaß macht! Die herabhängenden Infloreszenzen mit den großen, leuchtenden Blüten sind ein echter Hingucker. Viel Erfolg beim Kultivieren!

Autor: Thomas Lehmann

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Der noch kleine Neutrieb mit der ersten Knospe (Foto: Thomas Lehmann)
Als ich die erste Knospe von Coelogyne Lyme Bay sah, musste ich sofort an eine Chili denken… (Foto: Thomas Lehmann)
Im Vergleich mit meiner Hand sieht man, wie groß die Blüten von Coelogyne Lyme Bay sind. (Foto: Thomas Lehmann)
Seitenansicht von Coelogyne Lyme Bay (Foto: Thomas Lehmann)
Die Blüte von Coelogyne Lyme Bay im Profil (Foto: Thomas Lehmann)
Coelogyne Lyme Bay ‚Vluyn‘ BM/D.O.G. (Foto: D.O.G.-Archiv)