Deutsche Orchideen-Gesellschaft e.V.

Cattleya xanthina

Am 24. Februar 2020 um 0:01 veröffentlicht. Kategorie:

Cattleya xanthina

Cattleya xanthina (Foto: Werner Holzmann)

John LINDLEY, Vater der modernen Orchideenkunde, beschrieb im Jahr 1859 die Art erstmalig als Laelia xanthina in „Botanical Magazine; or, Flower-Garden Displayed … London“. Bis heute finden sich Pflanzen unter diesem Namen bei Orchideenzüchtern und -liebhabern in Kultur, obwohl der heute gültige Name laut World Checklist of Selected Plant Families (WCSP) seit 2008 Cattleya xanthina lautet. Aufgrund von Genanalysen überführte der brasilianische Botaniker Cássio van den BERG in „Neodiversity. A journal of neotropical biodiversity“ die Gattung Laelia  in die Gattung Cattleya. In den 150 Jahren dazwischen gab es einige Umkombinationen in andere Gattungen, die ich hier nicht alle einzeln aufführen möchte. Die meisten davon finden in der aktuellen Literatur ohnehin keine Verwendung. Der Artname xanthina leitet sich vom griechischen Wort xanthós ( ξάνθος) ab, das mit gelb übersetzt werden kann. Wegen der leuchtend gelben Blüten ein wirklich passender Name für diese Naturform.

Habitus von Cattleya xanthina (Foto: Werner Holzmann)

Cattleya xanthina ist heimisch in Brasilien. Die mittelgroße Art wächst dort epiphytisch unter kühlen bis warmen Bedingungen. Niederschläge gibt es das ganze Jahr hindurch, sodass das Habitat niemals völlig austrocknet. Die Standorte sind immer sehr hell und lichtdurchflutet, allerdings findet man nur selten Individuen, die dem vollen Sonnenlicht ausgesetzt sind.

Auf den leicht gerippten Pseudobulben, die Cattleya xanthina ausbildet, sitzt jeweils ein einzelnes längliches Blatt mit abgerundeter Spitze. Das Laub hat einen leicht bläulichen Schimmer und ist sehr fest. Am Blattansatz erscheint nach dem Ausreifen der Pseudobulben die Blütenscheide, aus der die Infloreszenz entspringt. Der bis zu 25 cm lange Blütentrieb trägt zwei bis sechs Blüten, die in Haltung und Färbung leicht variieren können. Nur selten öffnen sich die Blüten vollständig. Die Farbe der Tepalen reicht von grüngelb über orangegelb bis zitronengelb. Die Tepalen rollen sich an der langen Seite mal mehr und mal weniger nach hinten. Das Labellum variiert noch stärker in der Farbe. Während es bei manchen Pflanzen unauffällig gelb und weiß gefärbt und lediglich ein wenig magenta gezeichnet ist, gibt es auch Pflanzen mit leuchtend magentafarbenem Vorderlappen. Die Seitenlappen sind röhrenförmig nach oben gerollt. Die Blüten von Cattleya xanthina können duften.

Seitenansicht der Blüte von Cattleya xanthina (Foto: Werner Holzmann)

Im Folgenden beschreibe ich die Kultur von Werner Holzmann, der zwei blühfähige Pflanzen der Art seit Jahren erfolgreich pflegt. Inwzischen hat er sich noch eine dritte, eine Jungpflanze, angeschafft, da er unbedingt eine mit leuchtend roter Lippe haben möchte.

Wie viele seiner Orchideen steht auch Cattleya xanthina bei Werner ganzjährig an einem großen Fenster mit südlicher Ausrichtung. In den Sommermonaten sorgt ein überstehender Balkon dafür, dass die pralle Mittagssonne nicht auf die Orchideen fällt. Der große Lichthunger von Cattleya-Arten kann dort dennoch gut gestillt werden. Die tiefstehende Sonne im Winter darf unschattiert auf die Pflanzen fallen.

Als Pflanzstoff nutzt er Rinde in mittelgroßer Körnung. Zu fein sollte sie nicht sein, damit genug Luft an die Wurzeln kommen kann. Ist dies nicht der Fall, bleibt das Substrat, und somit auch die Wurzeln, zu lange nass und es kann zu Fäulnis kommen, was oft den Tod der Pflanze bedeutet. Wählt man zu grobe Rindenstücke, trocknen diese zu schnell ab und ein dauerhaftes Feuchthalten wird besonders in den heißen Sommermonaten nur schwer zu erreichen sein. Auch eine Kultur in mineralischem Substrat, wie ich es erst kürzlich bei Cattlianthe Japanese Beauty vorgestellt habe, sollte erfolgreich sein. Wer ein Gewächshaus besitzt, kann Cattleya xanthina auch aufgebunden kultivieren. Im beheizten Wohnraum mit geringerer Luftfeuchtigkeit ist eine aufgebundene Kultur allerdings nur mit extrem hohem Arbeitsaufwand möglich.

Gewässert wird bei Werner in der Regel einmal wöchentlich mit Osmosewasser. Im Hochsommer darf es ruhig ein wenig öfter sein. Gelegentlich, besonders nach der Blütezeit im Herbst, lässt er das Substrat komplett durchtrocknen. Im Oktober/November erscheinen dann die Neutriebe. Ab dem Zeitpunkt sollte der Pflanzstoff immer feucht sein und nicht allzu oft austrocknen. Auch an Dünger sollte während der Wachstumsphase nicht gespart werden. Monatlich gibt er seiner Cattleya xanthina aufgedüngtes Osmosewasser, das einen Leitwert von 500-600 Mikrosiemens/cm hat. Möglich ist auch das amerikanische Düngesystem, bei dem mit jedem Wässern ein wenig Dünger gegeben wird, anstatt nur alle paar Wochen eine hohe Dosis. Wichtig ist nur, dass die Pflanzen während des Wachstums keinen Hunger leiden. Kleinbleibende Triebe, die nicht zur Blüte kommen, wären die Folge.

Da der Kulturraum gleichzeitig ein Wohnraum ist, ist es dort nicht besonders kühl. Werner gibt seinen Temperaturbereich als temperiert an. Cattleya xanthina sollte aber auch bei etwas kühleren Bedingungen während der Wintermonate gut wachsen. Im Sommer wird es natürlich auch mal richtig heiß am Südfenster.

Jedes Jahr, pünktlich im August, kommen die Pflanzen von Werner zur Blüte und leuchten in strahlendem Gelb mit der Sonne um die Wette. Ich schätze, ich werde mir auch eine zulegen müssen, wenn mir eine über den Weg läuft… Viel Erfolg beim Kultivieren!

Autor: Thomas Lehmann

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Cattleya xanthina (Foto: Werner Holzmann)
Cattleya xanthina – Seitenansicht (Foto: Werner Holzmann)
Cattleya xanthina – Habitus (Foto: Werner Holzmann)