Deutsche Orchideen-Gesellschaft e.V.

Bulbophyllum lobbii

Am 3. September 2018 um 0:01 veröffentlicht. Kategorie: ,

Bulbophyllum lobbii

Foto: Thomas LEHMANN

In Edwards´s Botanical Register, einer illustrierten Gartenbauzeitschrift, die von 1815 bis 1847 in London gedruckt wurde, veröffentlichte John LINDLEY im Jahr 1847 die Erstbeschreibung von Bulbophyllum lobbii. John LINDLEY war ein englischer Botaniker, der als Vater der modernen Orchideenkunde gilt und zahlreiche neue Arten beschrieben hat. Noch im 19. Jahrhundert wollten diverse Autoren und Botaniker eine neue Einstufung für Bulbophyllum lobbii erreichen, von denen aber keine jemals als akzeptierte Namen in der World Checklist of Selected Plant Families (WCSP) aufgeführt wurden. Jedoch sind folgende 3 Bezeichnungen als Synonyme angegeben:

  • Sarcopodium lobbii
  • Sarcobodium lobbii
  • Phyllorkis lobbii

Das natürliche Verbreitungsgebiet von Bulbophyllum lobbii erstreckt sich von Borneo über Indonesien und  Malaysia bis zu den Philippinen. Diese Naturform wächst epiphytisch auf Ästen und den Hauptstämmen von Bäumen in Tiefland- und Bergwäldern auf Höhen bis zu 2000 Metern über dem Meeresspiegel. Die klimatischen Bedingungen am Standort bieten warme bis heiße Temperaturen, die sehr oft über 30 Grad am Tag liegen. Selbst in den Nächten kühlt es nur sehr selten auf unter 20 Grad ab. Niederschläge gibt es das ganze Jahr über, wobei die Wurzeln von Bulbophyllum lobbii sehr schnell abtrocknen nach einem Regenschauer. Sie sind also nie über sehr lange Zeit nass. Die Luftfeuchtigkeit ist dafür ganzjährig sehr hoch. Standorte, an denen die Pflanzen der direkten Sonne ausgesetzt sind, finden sich nicht. Sie werden immer durch das Laub der Bäume schattiert und bekommen zwar viel, aber nur diffuses Licht ab.

Bulbophyllum lobbii ‚Peter‘ wurde wegen sehr guter Kultur mit der Silbermedaille der D.O.G. ausgezeichnet (Foto: D.O.G.-Archiv)

Bulbophyllum lobbii zählt zu den mittelgroßen Bulbophyllen. Es bildet ca. 5 cm hohe Pseudobulben aus, die mit etwas Abstand zueinander wachsen. Jede Pseudobulbe trägt ein einzelnes 20-25 cm langes Blatt. Das Blatt ist fest und entlang der Mittelachse stark gekielt. Oft sind die Pseudobulben von einer trockenen und netzartigen Hülle umgeben. Die bis zu 15 cm lange Infloreszenz trägt immer nur eine einzelne Blüte. Sie entspringt einer Nodie am Rhizom. Jede Neubulbe trägt somit nur eine einzelne, dafür duftende Blüte. Alte Pseudobulben blühen nicht erneut, sie dienen lediglich zur Speicherung von Nährstoffen und geben diese bei Bedarf an die jungen Triebe ab. Blütezeit ist immer im Sommer. Die Blüten sind 5-7 cm groß und variieren in der Farbe leicht. Sie sind in verschiedenen Gelb- und Orangetönen, teilweise auch ins Rot-bräunliche gehend, gefärbt. Besonders die Petalen und Sepalen weisen oft dunklere Streifen auf. Manchmal deutlicher, manchmal nur schwach ausgeprägt. Der Duft der Blüten ist nicht sonderlich angenehm, aber auch nicht sehr intensiv, also nicht raumfüllend wie der manch anderer Orchideen. Wie bei den meisten Bulbophyllen schwingt auch bei dieser Art die Lippe hin und her, wenn die Blüte durch den Wind bewegt wird. Durch diesen Mechanismus sollen die bestäubenden Fliegen angelockt werden.

Für die Kultur von Bulbophyllum ist ein gut drainiertes Substrat äußerst wichtig. Besonders die Neutriebe sind bei anhaltender Feuchtigkeit sehr anfällig für Fäulnis oder Pilzbefall. Ich kultiviere meine Bulbophyllen daher in einer Mischung aus mittelgroßer und großer Rinde. Zusätzlich füge ich etwas Perlite mit ins Substrat. Perlite sorgen dafür, dass der Pflanzstoff luftig bleibt und nicht so sehr verdichtet. Getaucht wird erst wieder, wenn der Topf wirklich komplett abgetrocknet ist und keine Restfeuchtigkeit mehr zu sehen ist. Aus diesem Grund topfe ich grundsätzlich in transparente Töpfe. Bulbophyllum lobbii lässt sich auch sehr gut aufgebunden kultivieren. Allerdings ist diese Kulturmethode nur in einer Umgebung mit sehr hoher Luftfeuchtigkeit möglich, wie sie z. B. in einem Gewächshaus herrscht. Auch eine große Orchideenvitrine würde diese Kulturmethode möglich machen. Im Wohnraum ist die hohe Luftfeuchtigkeit allerdings nur sehr schwer zu erreichen und wenn, dann droht meist Schimmelgefahr. Wer also weder ein Gewächshaus noch eine große Vitrine zur Verfügung hat, der ist mit Topfkultur bestens beraten.

Dieses Jahr hatte ich sechs Blüten (Foto: Thomas LEHMANN)

Bulbophyllum lobbii steht das ganze Jahr über in meiner beheizten Orchideengalerie mit kompletter Glasfront auf der Südseite. Im Sommer wird natürlich schattiert und auch im Winter steht das mittelgroße Bulbophyllum nicht dirket an der Scheibe, sondern gute 1,5 Meter im Raum auf der östlichen Seite, sodass es etwas von der untergehenden Sonne beschienen wird. Den Rest des Tages steht es hell, aber nicht in direktem Sonnenlicht. Die Temperaturen im Winter steigen bei Sonnenschein durch die große Glasfront auch schnell über 30 Grad. Unter 24-25 Grad fallen sie tagsüber nicht, da die Heizungsluft aus dem Wohnzimmer durch die offene Galerie natürlich nach oben steigt und es sich dort dann mehr aufheizt als unten. In der Nacht gehen die Temperaturen im tiefen Winter auf 16-18 Grad zurück. Unter 16 Grad fallen sie aber wirklich niemals.

Das Tauchwasser wird im Sommer bei jedem Tauchen auf ca. 350 Mikrosiemens aufgedüngt. Ab und an spüle ich den Topf mal mit sehr salzarmem Wasser durch, um unnötig abgelagerte Salze aus dem Substrat zu schwemmen. Im Winter dünge ich, wie schon oft erwähnt, gar nicht. In der lichtarmen Zeit arbeitet der Stoffwechsel der Pflanzen wesentlich langsamer. Hierfür genügen die Nährstoffe, die sich den Sommer über im Substrat angereichert haben. Wer künstliches Licht benutzt, kann auch im Winter etwas Dünger geben.

Im Sommer, meist im Juli oder August, blüht mein Bulbophyllum lobbii. Die einzelnen Blüten der Neubulben öffnen sich ziemlich zeitgleich und blühen gemeinsam, allerdings nicht allzu lange. 7-10 Tage, dann ist die Blütenpracht auch schon wieder vorbei und man kann sich auf den nächsten Sommer freuen. Dieses Jahr hatte mein Bulbophyllum lobbii sechs Blüten. Im Jahr davor nur fünf. Ich bin schon gespannt, wie viele es nächstes Jahr werden!

Autor: Thomas LEHMANN

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In diesem Zustand erhielt der Klon ‚Peter‘ noch die Bronzemedaille in der Kategorie Botanische Art (Foto: D.O.G.-Archiv)
Ebenfalls der Klon ‚Peter‘, allerdings mit besserer Haltung. Dafür vergaben die Bewerter die Silbermedaille in der Kategorie Botanische Art (Foto: D.O.G.-Archiv)
Detailansicht der beweglichen Lippe (Foto: Thomas LEHMANN)
Seitenansicht der Blüte (Foto: Thomas LEHMANN)