Deutsche Orchideen-Gesellschaft e.V.

Bulbophyllum amplebracteatum subsp. carunculatum

Am 16. Juli 2018 um 0:01 veröffentlicht. Kategorie:

Bulbophyllum amplebracteatum subsp. carunculatum

(Syn. Bulbophyllum carunculatum)

Foto: Thomas LEHMANN
Detailaufnahme des warzigen Labellums, welches beweglich ist (Foto:Thomas LEHMANN)

Lesley Andrew GARAY, Fritz HAMER und Emily Steffan SIEGERIST beschrieben dieses Bulbophyllum erstmalig im Jahr 1995 unter dem Namen Bulbophyllum carunculatum. Veröffentlicht wurde diese Erstbeschreibung in Lindleyana. 16 Jahre später, im Jahr 2011, wurde es ebenfalls von den drei Erstbeschreibern als Bulbophyllum amplebracteatum subsp. carunculatum im Buch Bulbophyllum of Sulawesi neu eingeordnet. Beheimatet ist diese strahlend gelbe Naturform ausschließlich auf der indonesischen Insel Sulawesi, die zwischen Borneo und Neuguinea liegt. Sie wächst dort epiphytisch in Höhenlägen von 800-900 Metern unter warmen Bedingungen. Die Temperaturen liegen je nach Standort auf der Insel zwischen 25 und 32 Grad am Tag und fallen auf 15-20 Grad in der Nacht ab. Je höher gelegen, desto kühler sind die Temperaturen, dafür sind sie ganzjährig konstant durch die Nähe zum Äquator. Ebenfalls abhängig vom Standort ist der Zeitpunkt der Regenzeit. Während auf der südlichen Seite der Insel von November bis April teilweise heftige Monsunwinde mit starken Niederschlägen herrschen, ist an der Ostküste die Regenzeit von Mai bis August begrenzt. Im nördlichen Teil Sulawesis muss zwischen Oktober und April mit starken Niederschlägen gerechnet werden. Grundsätzlich gibt es aber ganzjährig Niederschlag und es herrscht ebenfalls ganzjährig eine sehr hohe Luftfeuchtigkeit. Bulbopyhllum amplebracteatum subsp. carunculatum ist ein mittelgroßes Bulbophyllum, das ca. 5-7 cm hohe, eng aneinanderliegende Pseudobulben ausbildet, auf denen jeweils ein kräftiges, festes und ca. 25-30 cm langes Blatt sitzt. Die bis zu 45 cm langen Infloreszenzen enstspringen dem unteren Bereich der Pseudobulben und können bis zu 12 Blüten hervorbringen, die nacheinander aufgehen. Somit erstreckt sich die Blütezeit, die im Sommer liegt, über mehrere Wochen bis hin zu zwei bis drei Monaten.  Die Blüten haben, wie viele Bulbophyllum, einen intensiven Duft, der für die menschliche Nase nicht sonderlich angenehm ist.

Bulbophyllum amplebracteatum subsp. carunculatum ‚Deggendorf‘ erhielt in diesem Zustand eine Silbermedaille auf den Kulturzustand (Foto: D.O.G.-Archiv)

Das Substrat für Bulbophyllum muss unbedingt sehr gut drainert sein und darf nicht zu nass werden, da die Pseudobulben sonst sehr schnell faulen. Aus diesem Grund nutze ich für meine größeren Bulbophyllum mittlere und grobe Rinde, gemischt mit Perlite. Gerne nutze ich auch transparente Töpfe, um den Zustand der Wurzeln und auch die Feuchtigkeit im Topf besser kontrollieren zu können. Wenn zwei Drittel des Topfes abgetrocknet sind, wird wieder gewässert. Ob getaucht oder durchdringend gegossen wird, muss jeder für sich entscheiden. Wichtig ist nur, dass sich keine Staunässe bildet und der Pflanzstoff sehr gut und schnell antrocknen kann. Je nach Temperatur trocknet mein Topf nach 5-10 Tagen ab, danach tauche ich wieder. Auch aufgebunden ist grundsätzlich möglich. Bedingt durch die Größe von Bublbophyllum amplebracteatum subsp. carunculatum ist für eine Kultur im Wohnraum der Topf aber die bessere Lösung. Wer ein Gewächshaus oder eine sehr große Vitrine besitzt, kann es auch aufgebunden problemlos kultivieren.

Ich dünge von Frühjar bis Herbst bei jeder Wassergabe mit ca. 200-250 Mikrosiemens. Auch möglich ist es, bei jedem dritten Gießen mit 400 Mikrosiemens zu düngen und dazwischen zweimal mit klarem Wasser zu spülen, um ein zu starkes Versalzen des Substrats zu verhindern. Da ich im Winter keine zusätzliche Beleuchtung in Form von LED´s oder Leuchtstoffröhren nutze, dünge ich in dieser Zeit gar nicht. Der Stoffwechsel der Pflanze ist im Winter in unseren Breitengraden stark herabgesenkt, da nur sehr wenig Licht zur Verfügung steht. Für diese Zeit genügen die Salze, die sich im Laufe des Sommers im Pflanzstoff anglagert haben.

Der Lichtbedarf von Bulbophyllum amplebracteatum subsp. carunculatum ist nicht sonderlich hoch, da es am Naturstandort in immergrünen und schattigen Wäldern auf Bäumen sitzend wächst und kaum der direkten Sonne ausgesetzt ist. Bei mir steht die Pflanze an der Ostseite und bekommt ein wenig Morgensonne ab, das verträgt sie gut. Aber auch schattierte Süd- oder Westseite ist möglich. Da die nächtlichen Temperaturen am Standort nur selten unter 15-20 Grad fallen, steht mein Bulb. amplebracteatum subsp. carunculatum ganzjährig im Haus. Im Winter dann im beheizten Zimmer, in dem die nächtlichen Temperaturen auch nicht unter 15 Grad fallen. Tendenziell liegen sie auch im Winter bei 17-18 Grad Minimum.

Obwohl auf Sulawesi ganzjährig eine sehr hohe Luftfeuchtigkeit herrscht, kommt dieses recht unkomplizierte Bulbophyllum auch mit etwas trockener Luft ganz gut zurecht. Bei guter Pflege und dem richtigen Standort ist es ein zuverlässiger Blüher, der jedes Jahr im Sommer mit mehreren Infloreszenzen blühen sollte. Dieses Jahr hat mein Bulbophyllum amplebracteatum subsp. carunculatum bereits sieben Blütentriebe. Jedes Jahr wurden es ein paar mehr. Es scheint sich sichtlich wohl zu fühlen!

Autor: Thomas LEHMANN

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Bulbophyllum amplebracteatum subsp. carunculatum ‚Deggendorf‘ erhielt ebenfalls Silber als botanische Art (Foto: D.O.G.-Archiv)
Hier sieht man schön, dass Bulbophyllum amplebracteatum subsp. carunculatum ein Revolverblüher ist – eine Knospe nach der anderen kommt zum Vorschein (Foto: Thomas LEHMANN)
Meine Pflanze hat dieses Jahr 8 Infloreszenzen – 7 sieht man auf dem Bild (Foto: Thomas LEHMANN)
Seitenansicht (Foto: Thomas LEHMANN)
Foto: Thomas LEHMANN