Deutsche Orchideen-Gesellschaft e.V.

Bulbophyllum rothschildianum

Am 2. April 2018 um 0:01 veröffentlicht. Kategorie: ,

Bulbophyllum rothschildianum

Bulbophyllum rothschildianum ‚Alisa‘ SM/DOG (Foto: D.O.G.-Archiv)

Johannes Jacobus Smith, ein niederländischer Gärtner und Botaniker, der in Belgien geboren wurde, beschrieb diese außergewöhnliche Naturform im Jahre 1912 als Bulbophyllum rothschildianum. Die Erstbeschreibung erfolgte bereits 1895 durch den britischen Botaniker James O´Brien unter dem heute als Synonym geltenden Namen Cirrhopetalum rothschildianum. Mit dem Artnamen wurde die englische Bankiersfamilie Rothschild geehrt, die sich über Generationen für Orchideen interessierte. Nach dieser Familie wurden noch einige weitere Arten aus anderen Gattungen benannt. Heimisch ist Bulb. rothschildianum von Südyunnan in China bis ins nordöstliche Indien. Durch das recht große Verbreitungsgebiet wächst sie in Temperaturbereichen von kühl bis heiß, stets epiphytisch. Sie bildet an teilweise recht langen Ausläufern Pseudobulben, auf denen jeweils ein einzelnes dickes Blatt sitzt. Die Blütentriebe entspringen an der Unterseite der Pseudobulben und hängen weit nach unten. Bulb. rothschildianum bildet 3-8 Knospen pro Blütentrieb aus. Die Blüten sind sehr auffällig halbkreisförmig angeordnet und haben langgezogene, fadenartige Petalen, die nach unten hängen. Der Duft ist nicht sonderlich angenehm, aber raumfüllend. Blütezeit ist im Frühjahr und Herbst. Durch die Wuchsform mit den langen Ausläufern sollte man diese Art getopft in Schalen oder Körben oder aufgebunden kultivieren. Bei der Kultur im Topf ist wegen der weit überhängenden Blütentriebe die Ampellösung empfehlenswert.

 

Das aufgebunden kultivierte Bulbophyllum rothschildianum ‚Kaiser‘ bekam eine Silbermedaille für den Kulturerfolg. Man kann ganz gut erkennen, dass die einzelnen Pseudobulben recht weit voneinander entfernt wachsen. (Foto: D.O.G.-Archiv)
Detailaufnahme (Foto:Thomas Lehmann)

Vor einiger Zeit bekam ich ein Teilstück aus fünf oder sechs Pseudobulben, ungetopft, für wenige Euro bei einem Orchideenzüchter in meiner Nähe. Obwohl ich wirklich gar keine Ahnung von dieser Gattung hatte, habe ich es mitgenommen, da es fast geschenkt war. Nach ein bisschen Recherche im Internet habe ich es dann auf ein Gemisch aus mittlerer und grober Rinde und Perlite gesetzt, da Bulbophyllen wohl ein sehr gut drainiertes Substrat bevorzugen und Staunässe, wie auch Dauerfeuchte, mit Blattwurf und Fäulnis quittieren. Innerhalb kurzer Zeit begann das Teilstück, auch an alten Pseudobulben, neu zu wurzeln und auch einen Neutrieb zu entwickeln. Nachdem es jetzt, nicht mal ein Jahr nach Erhalt, 2 Blütentriebe angesetzt hat, scheint die Wahl des Substrates die richtige gewesen zu sein. Da ich meine Orchideen in der Wohnung kultiviere, war mir die getopfte Version lieber als die aufgebundene. Wobei ich auch sagen muss, dass die nächsten Neutriebe schon über den Rand meiner Schale wachsen werden. Was ich dann mache, weiß ich noch nicht. Ein, zwei Jahre wird es noch gutgehen, dann müsste wohl eine noch größere Schale her oder die Pflanze erneut geteilt werden.

Mein eigenes rothschildianum (Foto: Thomas Lehmann)

Wie alle meine getopften Orchideen, habe ich auch Bulbuphyllum rothschildianum in eine transparente Schale getopft, um die Feuchtigkeit besser kontrollieren zu können. Da diese Gattung sehr empfindlich auf Staunässe und Dauerfeuchte reagiert, warte ich immer, bis der Topf komplett durchgetrocknet ist, bevor die Schale von mir erneut getaucht wird. Nach dem Tauchen darf das Substrat dann gründlich abtropfen, bevor die Pflanze wieder zurück an ihren halbschattigen Platz am westseitigen Fenster kommt. Das normale Gießwasser hat einen Leitwert von ungefähr 200 Mikrosiemens. Gedüngt wurde 1-2-mal im Monat mit aufgedüngtem Wasser, das dann circa 350 Mikrosiemens aufwies. In den Wintermonaten, von Ende November bis Anfang März, habe ich nicht gedüngt, sondern nur getaucht mit normalem Gießwasser. Pünktlich zum Frühling begann die Pflanze ihre 2 Blütentriebe anzusetzen.

Da die Temperaturen an den Naturstandorten von kühl bis heiß reichen, habe ich mich dazu entschlossen, sie temperiert-warm zu kultivieren. Nicht zuletzt, weil ich in diesem Temperaturbereich den meisten Platz bieten kann. Im Winter lagen die Tagestemperaturen, je nach Sonnenschein, zwischen 22 und 34 Grad. Im Durchschnitt waren es um die 25 Grad. Nachts gingen die Temperaturen dann bis auf 14 Grad zurück, meistens eher auf 18-19 Grad. Ich gehe davon aus, dass ihr dieses Klima ganz gut gefallen hat, sonst würde sie vermutlich jetzt nicht blühen. Im Sommer, frühestens ab Mai, werde ich mein Bulbophyllum rothschildianum geschützt ins Freie hängen, da es sehr gerne Frischluft und viel Luftbewegung hat, was ich ihm in unserer Dachgeschosswohnung nicht bieten kann. Stehende Luft, befürchte ich, würde ihm sicher nicht gut bekommen.

Alles in allem scheint diese Naturform für mich gut kultivierbar zu sein und da man oft Teilstücke für schmales Geld findet, sollte man es einfach mal mit ihr probieren. Die Blüten sind wirklich richtig imposant und ein echter Blickfang für jeden Orchideenliebhaber.

Autor: Thomas Lehmann

Bulbophyllum rothschildianum ‚Weinheim‘ SM/DOG (Foto: D.O.G.-Archiv)
Bulbophyllum rothschildianum ‚Kaiser‘ SM/DOG (Foto: D.O.G.-Archiv)
Bulbophyllum rothschildianum ‚Weinheim‘ Silbermedaille auf Kultur (Foto: D.O.G.-Archiv